Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 2 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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6 Bankerotte. Pt soll beabsichtigen, mit der Mitgift Eurer Lockrer tic nächsten Ausfälle zu decken, aber es - iwrc ihn nickt retten und für Euch nichts kleines fein, in einen so außerordentlichen Bankbruck mir hineinge« zogen zu werden rc. Eine peinlicke Stimmung batte sich der ganzen Gesestsckatt bemacktigt; eine drückende Stille — eine Stille, wie sie dem auSbrcckenden Gewitter in der Natur vorher^ugeden pstegt - war eingetreten. Denn wenn wir auck die Angelegenheit mit möglickster Vorsicht behandelt hatten, so war doch das Hin- und Herreichen des Briefes nickt unbemerkt geblieben, und die fürchterliche Aufregung, . die sich auf unsren Gesichtern ausdrücken mußte, war nickt odne Wirkung aut die Ankern geblieben. Aber wir batten nickt lange Zeit zum Ueberlegen — kenn sckou ztn näckften Augenblicke .öffnete - sich die Lbür wieder und berein trat ein Sberiff mit zwei Constables.' „Vergebung. HadieS und Gentlemen, wenn ich störe", sagte der Sberiff. indem er sich artig gegen die Versammlung vtrncigte. „Wer tjt dieser Gesellsckast ist Mr. Ralph Samuel aus.Dublin?" Mr. Ralpb Samuel aus Dublin, bleick wie ein Gespenst. mit stieren Augen, mit zitternden Armen, nickte sick zu erbeben. Er konnte xs nickt. Der Sberiff trat aut ihn zu. entfaltete ein-Papier mit einem großen Siegel und las: „3m Namen des Königs! Ihr, Mr. Ralph Samnel aus Dublin, angeklagt. Wechsel gefälscht und in Umlauf gebracht zu baden, seid Gerangener-ron £flfc Bailcy, und ick verhafte Euck hiermit kratt dieses vom großen RarV keS New-Conrr Unterzeichneten Verbat'tsbetebls." und nach vier Wochen war Rachel mein . . . meine geliebte angebetete Rachel. . . mein Weib ... die Mutter meines, zum Andenken an seinen zu früh verstorbenen Oheim, nach ihm genannten LewiS, ... die Mutter mei- ' ner Sophy. . . . Mein Weib und meinen LewiS hat meine Mutter nock gesehen und gesegnet; meine Sophy hat sie nicht mebr gesehen, sie starb in dem Jahre, in welchem Sophy alt genug war. um eine fb weite Reise mit ihr macken zu können. Aber ihr Gedachtniß lebt in meinem Herzen; ick sehe mein Weib, ich sehe meine Minder, ick sehe mein! Geld und Gut niemals an, ohne ibrer zu gedenken, und mir im Stillen zu wiederholen, daß es ibr Goldstück, daß eS der Seg"en der Mutter war, der mir mein Haus gebaut und es bis auf den heutigen Tag unter Gottes Schutz bewahrt nnb erhalten hat!".... Mr. Barney schwieg und ich druckte ihm seine beiden Hünde. Da subr er aus: „Aber bei Gott! — eS ist ganz finster über meinem Erzählen geworden. Mrs. Darnev wird mit. dem Effen auf uns warten. . . . lassen sie uns nack Haus eilen, lieber, junger. Freund! . . . Mirjam, hier eine halbe Krone ... acht Pence für das Bier, bas klebrige für Dick!" Wir gingen und das erste Gig, das uüS begegnete, brachte uns nach dem Hause des Mr. Barney aus FinSburv-Sauare. Mrs. Barney hatte mit dem Essen auf uns warten müssen; es war schon eine halbe Stunde nach fünf. Sie machte uns in der gutmnthigsten Weise pon der Welt Vorwürfe; daraus begaben wir uns in daS Dtning-Room, setzten unS zu Tische, und ick saß zwischen Mr. Barney und Miß Sophy. Die Hellen Gaslichter funkelten in Kryftallglocken, wir Mr. Samuel schwanktet von den Constables gestützt, zur Tbür btnauS — Mr. Bar schien aufzuathllreu, als sei ihm ein Alp von der Brust genommen, mir war auch so, und die Gesellschaft — die nur aus wenigen nahen Verwanktrn des HauseS bestand — sab sich betroffen an. Mrs. Bar schloß ibre Tochter schluchzend' an ibr Her; — aber Miß Rackcl sagte: „Bedaure mick nicht,- Mama; ick bin nickt zu bedauern . . . seit einem halben Jahre j saßen in Sammetstühlen. daS Beef ward auf silbernen Schüsseln mit silbernen Deckeln servirt. Wir tranken zuerst Sherry und Port und wir machten den Beschluß ■ mit Cbampagner in Eis. Als wir mit den geschliffenen j Kelchen anstießen, raunte mir Mr. Barney in S Ohr:! „Der alte Jtzig!" — und ich «ntgegnete ihm ebenso: ,,Der lahme Schimmert!" und Mutter und Tochter wech-! .seltenbedeutungsvolle Blicke; aber sie schwiegen. Denn t'üblte ick mich in diesem Augenblicke zum ersten M^al wieder leicht, wohl und glücklich." Zwei Tage nack diesem Vorfälle starb der Sohn des Mr. Bar an den Folgen seines Sturzes, und vierzehn Tage danach erfolgte das Urtheil, welchedie Ehe seiner Lockrer als geschieben erklärte — still ward - in dem sonst so beiter belebten Hause auf FinSbun» Square und ein trauriger Winter folgte. Aber in dieser Stille, in dieser Trauer geschah eS. daß die Familie sich mir. dem besten und aufrichtigsten Vertrauten ihre- Leides, daß ich mick ihr immer enger und herzlicher anschloß. Und eines Tagea— eS war ein sonniger Tag im neuen Frühling — da kam Rr. Bar zu mir. „David." sagte er, „ich süble mehr und mehr, daß ick alt werde — die Jahre, der Kummer haben meinen Rücken gebeugt und meine Haare grau, gemacht. Wenn, es dem Heiligen — gelobt sei er! —- nun gefallt, mich abzurufen, wer sorgt dann für die Beiden, die ick binter mir zurücklasse. — wer sorgt dann für diese- Geschäft? . . . Einen Sohn habe ick nickt mebr. . . David, der ich Dich liebe wie ein Vater... David., willst Du mein Sobn sein?..." Sckluckzend sank ick dem alten Mann an die Brust,. . . i von heiligen Erinnerungen soll man nickt zu oft sprechen! j i i | Ein Schwimmer-Schwank. I Erzählt von Emil BreSlaur. (CottbuS.) > -j — Amschel Meier wohnte in einer kleinen Stadt in : Russisch-Polen, wo er ein Häuschen befaß und sich durch ] Handel ernährte. Er war früher in recht guten Umstän- den gewesen, doch einige Unglücksfälle, die ihn betroffen, 1 waren Schuld daran, daß sich seine DermögenSverhilkniffe in ziemlich zerrüttetem Zustande befanden. Durch Fleiß , und Umsicht hatte er sich zwar wieder ein wenig emporj gearbeitet, doch wollte eS ihm nie gelingen, wieder zu ' seinem früheren Wohlstände zu gelangen, da er in feinem schon vorgeschrittenen Alter die Anstrengungen der Jugend I nicht mehr ertragen konnte. i — Nun hatte er viel von Amerika gehört. Dort sollte daS Gold auf den Straßen umherliegen und die! gebratenen, koscheren Tauben einem in den Mund geflogen j kommen. Diese lockenden Bilder übten einen so großen