Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 2 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bvlksbkatt. Letehrung und Unterhaltung aus jüdischem Heüiete. Herausgegebe» *•« Rabbiner Dr. Ludwig PHUippso» in Magdeburg. rM A 4 OKO *1 w«fct crM«Hit »Mcatltife tt« Rhwt. Irn« 34>r* M _ lN» *• 1858.] «--- - l5. )«hr,. 1. Der Banker in Lombardstreet in London. Von Julius Rodrubrrg. (Lchl»ß.) O. wie beschreib' ich d§- Gefühl, mit! weichem die Gestade von Blankenese und Rainville vorübergleiten, mit welchem ich die Tbürme von Hamburg sah?.... Weinend küßte ich die deutsche Erde, und die deutschen Flüche der Hamburger Hafenarbeiter klangen wie Musik an mein Ohr. Aber mich litt es nicht lange in Hamburg — ich eilte weiter. ... bekannter, immer bekannter wurde mir die Gegend und als ich daletzte Dorf vor meiner Vaterstadt erreicht hatte, da fand ich' meine Mut. (ex. «einen Stiestaater. «eine ganzen Geschwister, die mir dahin entgegengekommen waren.* Hier schwieg Mr. Barnev — denn die Thrinen waren ihm in die Augen gekommen und sielen übet die Wangen nieder. Rach einer Weile si nun folgte«, waren die da sie sich zu Ende neigten, schied ich doch nicht so schwer, als ich mir anfangs gedacht hatte. Dentschland war mir wirklich zu eng geworden, überall stieß und verwundere ich «ich an Dorurtheilev, deren ich in England schon längst ^ntwöbnt worden war. und dann. dann... nun ja... Miß Rachel war auch ein wenig Schuld daran, baß mir der Abschied von meiner Runer und Familie etwaleichter wurde. Aber ge«»« in Gezug auf Miß Rachil sollte mir j eine harte, harte Prüfung bevorstehend Den» eben war! ich wieder nach London zurückgekehn. von Mr. Bar. seiner i Familie und meinen College« ansherzlichste empfangen, und ich stand an meine« Sch reibpult i« Geschtstsloeal, als stch die THÜr anfchat und Mr. Bar, einen jungen Herrn an Gr Hand, eintrat and sagte: „Meine Heu»», ich gebe «ir die Eh«. Ihnen hier «eine» znkünfttgen Schwiegersohn. den Verlobte« von Miß Machet vorzu. stellen!* Wie ei« Blitz duuhsuhr es «ich... ich sah aus and «ich traf der kalte, verächtlich« Blick von — Mr. Ralph Samuel an- Dublin!... Ich hiebt »ich an meine« Schreibpull; gewiß, ich wäre sonst MckwÜrt» nie. dergesunken. Ich rang »ach Faffnng und »ich fand sie; aber jener Tag ist der unglückseligste »eine- Lebengewesen. Mr. Ralph Samuel war Chef stlne» Hansegeworden, sein Vater Mt gestwrben nnd ti -eirieb itm Alle-, auf eine« hohen Fuß. Do» Adaorengeschäft war | aufgegebea worden. — er «ar jetzt nur der große Danl ker von Dublin! Ich sah Mr. Samuel uad Riß Rache, nur einmal zusammen, den» ich konnte doch-nicht umhin ihnen »eine Gratulation abzustanen. Aber darauf vermied ich es, ibnen zu begegnen. Miß 'Rachel sah so . traurig au- und der Blick ihrer dunkelbraunen Augen j tbat mir wehe. — Alle meint Ära ft, all« meinen Eifer, alle pieine Gedanken verwandte ich nun auf da» Geschäft:, und in der That — es geschah nicht ohne Erfolg. Mr. Bar konnte mir immer wichtigere Dinge übertragen, ick gewann und verdiente gewiß auch sein ganze» Vertrauen und da sein Firit Clerk in dieser Zeit abging, so erhielt ich die Stelle desselben. So verging wieder ein halbe- Jahr uad. der Hochzeitstag Miß Rachel'» nähre stch. Da — kau« acht Lage vorher betraf die Familie ein großes, derzzerreißendes Unglück. Bei einem Spazierritt de- Mr. -ewischeute sein Pferd, warf ihn ab und der arme, gute Junge verletzte stch da- Rückgrat so arg. daß die Aerzte an seine« Aufkommen zweifelten. Trauer herrsch« in de« Hanfe' der Schwergeprüften, und «an wollte den Hochzeitstag verschieben. Aber Mr. Samuel war angekommen und er »rang mit einer auffällige» Eile auf die Einbaltung das bestimmten Lago-: und da er allerlei Gründe vorzubriage» wußte, so mußten denn die Eltern endlich wohl nachgebe«. Es war^eine traurige Hochzeit! Ich wäre gern svitgebUeben. aber unter diesen Umständen könnt' ich es a» Allerwenigsten. Mr. Bar, der zu seine« Schwiegersohn keine große Reignng und gar kein Zutrauen zu haben schien. hatte>ia nur mich, gegen den er sei» Herz ausschbtten konE — Die Trauung ward im Hause vollzogen. — die Braut, bleich wie der Atlas, den sie trug, — stammelte ihr »3a* — die Ringe wwcde» gewechselt. die Glückwünsche wurden vargebracht unv »an setzte stch zur HochzeiWtafel. Aber wir waren noch nicht mit de« Pudding fertig. daMat ei« Diener ei«, »er einen eilige« Brief an Mr. Backab« zugeben hatte. Er war vo» ein»» Geschäftsfreund an» DubUn, und ebeü mit der Post aagekommen. Mr. Bar erbrach da» Schreibe». ütrrstog es. wurde bleich, Üeß Messer und Gabe! staken, und reichte mir. der ich,ih» gegenüber faß, da- Schreibe». Ich las: Sir! Mann es noch Zeit, so schiebt die Berheirathung Eurer Tochter «iß Mr. Samuel auf — schiebt sie UW Currt. nnd Enrer Familie »iS» auf. Wie ich ans zuverlässigster Onelle.vernehme, steht to* Haus des Mr. Samuel dicht vor einem ungeheuren ft er so«: Die Wochen. die seligsten meine» Lebens. Aber