Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 64 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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254 und las die ZrtsLrift an ter. StrTuc: „Gooil airy beds.“ ,\dt scrjlauD mit C.;e It-gr? iSort, und cs ^cnüvjtc atidu’ . Denn Betten waten. da -- aber üe traten tretet gut. ttock icidtt, sondern [^ledit und bleischwer und skeinhart. 'Aber ick schlief gut unI5 da die Vagaboyden, die außer mit bict hausten, Nichts an mir entdeckten, weshalb sie mich batten todtschlagen sollen, auch sichet. Am andern Margen zahlte ich mit meinen! letzten Penny mein Nachts auartter und nun stand ich wirklich ohne Hülfe, ybne Aussicht auf der Straße, in der großen Welt?on Ponton! Ich dachrc an ras Goldstück meiner Mutter — ja, ich griff schon mit der Hand nach -dem beiligen Tuche, in welchem ick es auf den! Herzen trug'.— „aber nein!" rief ich dann.- „nein, noch ntüß ich es nicht herausnebmen." Mir kam ein Gedanke. Zch ging durch,die Straßen 'unk fab mjch so lange um,- bis ich Jemanden 'and. den ich nach seinem Gesicht für einen Juden dielt. „Können Sie mir nicht sagen, wo rie Zudenschul' ist?" fragte ich den Mann. Der Mann sab mich, an; er verstand offenbarkein Deutsch, aber ein Jude muffte er sein; denn er repetirte das Wort „Iudenschul'". und versuchte auch, so viel es mit Englisch ging, mir verständlich zzt macken, wobin ich mich zu wenden batte. Ich dankte!?em Manne, unk ging in der bczejchneten Richtung der Zukensckul';iu. Sie wissen. lieber Landsmann, daß ..Schul " in der Sprache der gewobiilicken. und ungebildeten Juden der Ausdruck für .Synagoge" ist: und ick strebte dabin tu kommen, weil ich dort am Ersten einen Glaubensgenossen zu sinken boffte. rer deutsch sprechen unb versieben und mir in meiner bülflosen Lage beisteben konnte und wollte. Zch kam in die Cif Zcwry. ich kaut nach Dukestrcet und »ach Dukexlace. 3» der Ecke links stebt ein ehrwürdiges Gebäude, mit erhabenen Eingängen ' und einer breiten Treppe. Das ist die alte, .jüdische Synagoge: und ibr nabte ick mich mit einem Getüble, .i!£ nabe ich mich dem Hause meines lange gestorbenen BaterS — als winke mir die Heiniatb, als erwarte mich die Mutter darin. Die Tbüren waren nicht verschlossen. ^>ch trat ein. Kein Mensch war in der hochgewölbten Halle — die Betstühle waren leer... leer war der Altar; wo die Thora verlesen wird.... aber auf der Lade des Gesetzes lag der Sonnenschein, als sei es der Abglanz des allgegenwärtigen GotteS, und in den Tafeln der zehn Gebote, die über der Lade sieben, strahlte die goldnc Schrift. 3<b betete, und mir war als beteten ungesehen viele Tausende mit mir; ich küßte die Schaufädcn des beiligen Tuckes aus meiner Brust und mir war, als küßte ick die Lippen meiner Mutter. Die Tbräncn kamen mir in dre Augen; ich wischte sie ab. Zch verbeugte mich vor der Lade des Gesetzes und ging aus der Svnagoge fort. Als ick auf die Treppen vor der Thür« kam. da sab ich auf einem Stein einen alten Mann mit greisem Haar und langem greisem Barte sitzen. Der Mann konnte mich nicht sehen; der Mann war blind. Zch ging auf ihn zu. ..Sir'." sagte ich. — Sir war eines von den wenigen englischen Worten, die ich bisber gelernt hatte. ES mochte den alten blinden Mann sehr schmeicheln „Sir" angeredet zu werden; eS batte ihn gewiß noch niemals Zemand so angeredet. ..Waz tbut Ihr leiten fragte der Blinde in jenem jüdisch-deutsch englischen Slang, den weder ein Deutscher, noch ein Engländer^ sondern nur ein Jude verstehen kann. Er wollte sagen; „whatdoyoulike?“ „Was belieben Sie? „Sir" subr ich fort, „versteh: Zbr Deutsch?^ „Das hört Ihr ja!" erwiederte der Blinde. „So soll mir der Heilige, gelobt sei er! bundertlausend Thaler geben. als ick Deutsch verstehe. Bin ich doch ein Deutscher, in Deucht)' Bolen zu HauS, gleich hinter Posen. Wer seid Zhr^kenn?" „Ich bin' auch ein Deutscher" sagte ick. „Zch bin seit gestern hier in London, und habe kein Geld, und keine Freunde, und keinen Menschen, der sich meiner annimmt. Ich will mir cineStcllesuchen, daß ickdeüen kann." „So", sagte der Blinde . . . „so. so. Kommt doch einmal näher' zu mir . beugt Euch ein bischen herunter, daß ich Euch befühlen kann." Der blinde Mann fuhr mir mit seiner zitternden Hand durchs Gesicht. „Sckem jisckmerenu!" rief er aus. „Ihr habt ja nock keinen Bari. Zbr müßt noch sehr jung sein. Wie alt seid Zbr kenn?" „Zch bin sechzehn Zehr alt", erwiderte ich. „Sechzehn Jahr!" wiederholte er, nachdenklich. „Sechzehn Zabr! — Hört einmal, ich will Euch einen Vorschlag macken. , Zch bin der alte Ztzig, fragt nur jedes Kind in der ganzen Old Zewry. und es wird Euch sagen, daß es den alten Ztzig kennt. Hier sitz' ich von Morgens acht bis Abends fünf Uhr, mir Ausnahme des beiligen Schabbes. da sitz' ick nick! hier. Zch lebe vom Betteln. Seht, da ist meine Büchse. Ich habe meine Kunden; die Einen werfen täglich einen halben, die anderen einen ganzen Pennv hinein. Zch habe auch Einige, die ntirS wochenweise geben, einen Sirpence, einen Shilling — und der alte Rebbe Moses von High Holhorn. — ein braver Mann! — der giebt mit alle Freitag eine halbe Krone. Außerdem habe ick aber auch noch Verdienst von Denen, die nickt regelmäßig hierher kommen — da krig ich einmal bei Hochzeiten, da krieg ich ein andermal bei JabrcSzeiten.') — Wie beißt Zbr denn eigentlich?" „Zch heiße David.Darney." sagte ich. „Nun bab' ich einen Aufwärter nöthig, David." fuhr er fort. „Einen Aufwärler, der mich des Morgens hierher führt, der mir des Mittags mein Essen bringt und der mich des Abends wieder nach Hause begleitet und meine Büchse mitnimmt. Der letzte Aufwärter, den ich hatte, ist mir vor drei Wochen weggelaufen und ich habe mich -seil drei Wochen mit Mirjam beholfen. mit der Tochter des lahmen Schimmen. der mein Hauswirkb ist. Aber das ist ein wildes Mädchen und bald kommt sie und bald kommt sie nickt. Zck werde schlecht aufgewartet. Wollt Zbr itujt mein Aufwärter werden, David? Zbr braucht nur den Tag dreimal nach mir zu sehen und könnt sonst machen und verdienen waS Ihr wollt. Von mir bekommt Zbr frei Essen und frei Trinken, fo gut wie ich es selber habe, Ihr bekommt eine Schlafstätte und wenn Zbr Euch gut aufsuhn. so bekommt Zbr allemal zu Neumond ein Kleines an Geld. Wollt Ihr David, so sagt es!" *) Sterbetage von Angehörigen, deren Gedächtnkxourch Ge bete gefeiert wird. - >