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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 62 (1857) · p. Seite 246

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
62 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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V mt Aufblick. sürchtcrlich waren seine Züge entstellt; olle . 'CKuefchi tcd Wt’iU'tä waren tramrtbaft verirrt; die Atigen schienen aus ihren Höblen spri::gen zu wollen und r.'Ukcn da türchrerltch. den Schmerz vcrratbenk. der sein . Inneres zerrix. — Auch die Hank, die er auszestrcckt, «rar geläbntt. Hai! machte a,uir der Zug. unk man war genökhigk, iln beiiyzubringen. und daS Menschenvoser -mrerkeß ciitzustcllcn. Man überließ ihn der Pftcge seiner Aerzte und zablrcichcn Dieuerschatt. und als er nach einer peinlichen fIbumachtwieder zu »d1 gekommen war. tat er. man möchte ibn allein und in Rute lassen. — Er schloß ft* ein und Niemand wußte mevr, waS mit ihm vorging. — ' •33« 'vermag das freudige Erstaunen der spanischen Familie zir ''äultern. das sich auf's Sichtbarste kund gab. 'als ne den Paälschem. den sie.schon für verloren hielt, nun unversebrr und wohlbehalten zurückkehrea sab; — und als sie .vollends den ganzen Hergang der Dinge und den'Äu.sichub der Erceutwo. vcrnabmen. stieg ihr Jubel. aus'S Höchste. Hymnen des Dankes enrströmten ihren Herren zum Gott Israels, dem Beschützer nnd Racker der llnichuld. Ader mit Anbclllng. mir heiligem Staunen blickten sie aus den Mann, den Volt zum Schutzengel. ri;lcr Unschuldigen erkoren: den er gesandt, sein Strasgctichl über den grausamen Tyrannen zu verdangen. Mit kindlicher Liebe, mit dankbarem Herzen umringten sie idn den gan;en.r.rq. voller Erwartung der Dinge, die da uv.1' tommen sollten. Als die Nackt ibren Sckleier über das Treiben der ^Men'chc» georcitca. bciabl der Baalschcm. die Thüren im '.v.ii'e nicht;u schließen, da er Jemanden erwarte. Alles ' begab sich;ur — ES mochte wohl tim Mitteb« nacht gewesen sein, als sich die Tbür leise ausibat. und lercintrat ein bochgewach'cner breitschulteriger Mann, unteuutuch gemacht dprck eine Vermummttng. — Einem . Schalten gleich, schlick er zur Tbür. die in'S Gemach des Baali'chem führte. machte sachte aus und trat binein. — Bette Männer 'stanken sich gegenüber. Der Per» mummie war' den Mantel ab, riß die MaSke vom Gesichte. unk vor drin. Baalschrm stand der Großinauisiror. die breite Brust mit zahlreichen Ordenszeichen geschmückt. — Lange Kicitrn sich die beiden Männer an. Ein tiefes Schweigen berückte im Gemache. Endlich brach LetztererdaS Schweigen: „Schrecklicher Mann." sprach er mit einer Mark und Bein erschün,rüden Stimme, „was wolltest Du gestern von'mir.? Hat Dsck die'Unterwelt ber'aut'qesckleudert. ntick alle jbre Marrer rüblen zu lassen? Mir allein sickibar. »achtest Du mir im Busen alle Glurhen an, die ttur in der Hölle lodern mögen? Bist Du mit Dämonen un Bunde, daß ich wider meinen eigenen Willen bandeln muß? Sprich.. Schrecklicher, was willst Du von mir?" ..WaS ick will von Dir,"' versetzte der Baalschetn mit einer Donnerstimme, „frecher Wütdrich. frage lieber. waS will die Menschheit von Dir. ibrem blutbesteckten Henker? ibre Reckte, ibre heiligen Reckte, die D» mit frechem Hobn zertreten, ibre unzähligen unschuldigen Opfer, die Du bingezchlachtet^ fordert sie von Dir. Der Volksstamm, dem Du zu seinem Verderben entsprossen, bat genug unter Deinen Henkershänden geblutet, bast genug daS arme . geknechtete Volk GotteS bingewürgt! Die Stunde der Ver- . geltnng hat geschlagen! Das Tovcsröckeln eines ganzen Volkes bar den Himmel, zerrissen — und sein Erretter de« schloß es zu rächen. Schon ist sein Rackeschwert über Dick -tTT-x ",2-7gezückt! - a-ts* c?r r-,z? Li'- Niedergekonnert. betäubt, wie vom Blitze getroffen stand der Mann da. Das. Haupt sank ihm aus bie Brust. — Blaß und zitternd vermochte er sich kaum auf den Füßen zu erhalten. „Dieser Mann." dachte er bei sich selbst, „der mir so wunderbar erschienen,'der meinen Namen weiß, muß wohl auch Ausschluß über mein ganzes schmachbedecktes Leben haben —- muß also den geheimen Schlüssel zum Schlangenwege, auf dem ich mich zu dieser Höbe emporgeschwungen, haben; wie unendlich, verloren wärt ick, wenn dieser Mann von seinem Wissen Mißbrauch machen, und seine Drohung vollführen wollte. — Auch Schlangen der Reue sielen wülbend seinen Busen an. Alle Erinnerungen seiner frühesten Kindheit und Jugend wachten in ihm auf. Ein Bild stand plötzlich vor seiner Seele, daS fein Her; in Stücken zu zerreißen drohte. — Der greise, fromme, gottergebene Vater. Die gütevolle, sanste. liebende Mutter standen vor ihm. beiße Thränen vergießend, die Hände ringend, und über den einzigen einst so hoffnungsvollen, jetzt so boffnungslosen verlornen Sohn trauernd. — In innere- Anschauen dieser haarsträubenden Erscheinung verloren, zerknirscht stand er noch eine Weile da. — ES war ein für sein ganzes Leben entscheidender Moment. — Endlick brack die Rinde, die sich um sein versteinertes Herz gelegt. — Eine Flurh von Tbränen verschaffte seiner Beklemmung Lutt, und seine schüchternen Blicke zu Baalschem erbebend, sagte er mit leiser gebrochener Stimme: „Hat unsere heilige Religion, die dem reuigen büßenden Sünder erbarmungsvoll ihre gnadenreichen Arme reicht — bat sie Sübne und Versöhnung auch sür mich, der ich meinen alleinigen Gott verleugnet, -der ick mein eigenes armeS Volk gefoltert und geschlackter?^Giebt es Rückkehr für einen Verworfenen, der die Gnade Gottes mit seinen Greurltbatcn erschöpft?" „Gottes. Barmherzigkeit." riet Jener, „ist unendlich, grenzenlos wie das Weltmeer! Seine Gnade umschließt den Frevler wie den Frommen! Siehe, in welcher Gnadensülle er sich Dir jetzt zeigt. Er bietet Dir durch mich die Hand zur Rückkehr! Eröffnet die Pforte zur Buße. Duweißr, was unsere Alten sagen.! “D-arr: tss ~*r~w “Qi “V 7« „Wenn eS noch irgend einen Anker der Hoffnung für mich giebl. .so reiche mir ibn. Mann GotteS," versetzte Jener, „ich will ibn erfassen mit allen Fibern meine- Herzens.' Gieb mir Den Weg an. aus dem ick mit meinem Gone, mit meinem Volke mich aussöhnen könnte. Ich-will Allethun, will büßen, will lange dulden, nur laß mich hoffen, daß ich einst gereinigt und entsühnt vor meinem Gott erscheinen werde." „Run Mann der Versunkenheit," sprach der Baalschem. „dicS will ich thun. Raffe Deine Kostbarkeiten zusammen, Kostbarkeiten, an denen daS Blut so Vieler klebt, mit denen Du aber viele Wunden unseres armen Volkes heilen kannst. Komm deute Abend zu mir. ick nehme Dich mit in ein weites, weites Land. — Don soll von nun an Buße, Gebet und Wohlthun Deines LebenS Aufgabe sein. Deine Kenntnisse unserer heiligen Bücher werden Dir den Rabbinerstubl in einer großen Stadt verschaffen; dann wirst Du Muße und Gelegenheit genug haben, daS zu voll«

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