Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 62 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Indisches Bolksvlatt. Zur Letehrung und Unterhattung aus jüdischem gebiete.! «>trau1gegede» vo> Raddiner Vk. Ludwig Philippson in Magdeburg. fRo. «2. 1857.] tzrrjrv:,': -* und z,,i, fria<i«i Sii«'»itt. t)r«il t«* 34»r. f.1 ch .liadr.« 7',, W*t. «Or fu^tiUBn^n, k c^-f »fbmm tr^<iJi«nn»rv an- | ■yfllnf yfO. 1 Än die Abo«l Uten des „jüdischen ^olMlatlcs." Nack der, Michaeli d. I. getroffenen Einrichtung beginnt ,.daS jüdische Bolksblatt^' mit dem 1: Januar 1858 seinen fünften Jahrgang. Wir bcsncrkcn dies schon beute, um die. Abbunentcn zu ftühzeitiger Bestellung zu bestimmen, indem es bei diesem Blatte gerade schon mehrere Male vorgekochmen, daß für Nachdesteller Exemplare der ersten Nummern nicht mebr vorrfithig waren. Die große Verbreitung deS im Preise so billigen Blattes (jährlich 1 Tblr.), das regelmäßig jede! Woche erscheint, hat gezeigt, daß cS feinem Zwecke, Unterhaltung und Belehrung ans jüdischem Gebiete zu schaffcin, genügt. Mehrere Bcrsuche, die gemacht wurden, und eben gemacht werden, eine Nachahmung dieses Blattes hdrzustellen, waren mit geringem Erfolge gekrönt. Eine Reibe interessanter Aufsätze und Erzählungen, die ikkö bereits oorliegen, wird den 5. Jahrgang zu einem ausgezeichneten machen. . , Der Basischem und der Großinquisitor. Sine chasfidtsche Sage, von Leon MendelSbürg in Howe» gratnolinsk (Rußland.) , s» luß.i Raum hatten die ersten Lichtstreifen einrS prächtigen MorgenrothS den östlichen Horizont erdellt. ^ls Taufende metallener Zungen Madrids idre klangreichsn Trimmen erschallen ließen, den Tag verkündend. d,r in der Geschichte Spaniens mir dein Blute vieler Unschuldigen be« zeichnet werten sollte. — Die Straßen fingen an belebter zu werden. Bald erschienen die Schergen dsr spanischen Inquisition, Vorkebrungen zu den devorstehelden Scenen treffend. Alle Elasten t<& Lölkes kamen tyd) und nach sonntäglich geschmückt-zum Vorschein. Man konnte eS jedem Gesichte anseben, daß eS in gewannter Sr- .Wartung der sLauervollen Festlichkeit, die koprmen sollte, war. DaS Glockengelante schien nie enden zu wollen. Die zahlreichen Orden der Geistlichkeit sammelten sich, jeder in seiner Kirche, um sich von da auS dem feierlichen Zuge anzuschließen. — Dor dem Palaste deS Großinquisitors batte sich eine Unzahl Wagen weltlicher und geistlicher Granden, in deren Mitte ein achtspänniger mit dem Wapprtn deS Großf inquisttorS geschmückter Prachtwagen prangte, .versammelt. —■ Auch im HLuSchm der spanischen Judenfirmilie ward! eS belebter. Zn banger Furcht sammelten sich die Kinder« chen um den Dater. gleichsam bei ihm Schutz stickend ini nahender Gefahr. — [ Leise ging die Thür dcö Kämmerleins quf. wo der( Daalschcm die Nacht zugebracht hatte, und hdreintrat er i feierlich, hoch und hehr mit verklärtem Antlitze. — Der Bläffe seine- Angesichtkonnte man eS anseben, daß er der Ruhe nicht gepflogen; freundlich näherte er sich dem Wirtbe. den Morgengmß bringend, und wollte dann sich binauauf die Straße begeben, als ihm der Wirrh mit den Worten den Weg vertrat: »Wir vergaßen Euch zu sag«, daß heute kein Jude fick aus der Straße zeigen darf. — Der Erste, der sich zeigt, ist deS TodeS. er wird nämlich mit verbrannt!" „L-ßr mich gewähren,- rief' Jener, »ich muß den. Wütbrich in- Augeffaffcu, der daS Volk GotteS so schändstch hinschlachtet!" -U»d WM-S ^ar er. Der Winh ihm nach, aber er m»E-MM^^rioe Spur, und für ckein eitzcneS Leben fürchlM^Mt« er unverrichteter Sache zu dfn zitternden SeiN«n zurstck. — Mächtiger und mädjtigtr schallten die -Nocken Madrids. Die Wogen der DolNmenge strömten,.dem schrecklichen Schauplatze zu. wo ein ungeheurer SArm,häufen seine Opfer aufnehmen sollte!. — Durch die langen Reiben der Straßen bewegte sich der festliche Zug. — Der Großinquisitor. auf seinem Prachtwagen au^g,streckt, war von einem glanzrricken Gefolge umgeben. — Plötzlich erblick« er mitten in der Sttaße, den Weg ihm versperrend.- einen Juden stehen, dev Ihnmit feuersprühenden Augen durchbohren zu wollen schien. Schäumend vor Wuth schrie er: »Wer erlaubte dießr» Juden dabier, sich bis hierher vor meine Augen zu ryagen? Erfasset ihn, und fort mir ihm zum Scheiterhaufen!*- Und gebieterisch streckte er seine Rechte auS, nach der Stelle zeigend, wo er den Juden stehen sab. — AlleS blickte Erstaunt dahin, 'aber nichts nahm man wahr — und der Jude fubr fort unerschrocken mit seinen silammenblicken-ihn zu durchbohren. Vmt-Erstauncu. blickte daS Gefolge den Großinquisitor an; aber welch' ,