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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 61 (1857) · p. Seite 242

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
61 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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S42 ’ C'rcijräifc zu gelangen. vergeblich war all sein Mühen. 'Ih't.iinI'I rcar.letei Gedanke daran, und in ewige Veressenden?er''unken. —Schrecklicher Gedanke! Was wird er nun an'anaen? Wird idn nicht der Rabbiner für einen Lügner und Betrüger Balten und mir Schimpf und Schmach von sich lagen? — Waswirk nun aus ibm werken, wo'.'in soll er nun seine Zustuckl nehmen? Soll er sich -in sparen Atter-wieder in die lieblose Kerne da« dinauszeil>.'ßen leben? Was kann aber die ltrsacke dieser merkwürdigen Umwankelunz sein? Sollre der selbst nach seinem Tode wunkerldärige Baai>'chem auch bier im Spiele seür? Dies ungeiadn^waren die rrüben Gedanken, die seinen Geist umnebelten. unk 'ein Gebirn unaufhörlich durchkreuzten. —. 'm* tüivc der Sabbard deranrückk''. desto größer wurde die Beklemmung seines Herzens. Zn sich gekebrt. narb« nunend, fa'-t* er gleich 'einem Scharren im Hause des Rabbiners Verum. — Aber der ÄbeNd verstrich. ohne daß der Rabbi auch nur ein Worr v/n Baalschem sprach, und man kann sich leicht denken, daß auch unser Schmul sich rn Acht nabm. seiner ru erwäbnen. — Es wurde ibm leichter um s Her;, denn er schmeichelte sich mir der Hoffnung. das im Dunkeln der Nacht, oder im Traume der Baali'chcm ibm erscheinen würde, den Zauber seines Geistezu bannen. — Allein auch der Morgen kam. ünv Bann seines Gerstewar noch nichr gelöst. Er er« griö seine Zustuchr zu den gewöbnlichen Mitteln. zur Mlkwareinigung unk zum Beien kabbalistischer Gebete. AlS aber dies Alles erfolglos blieb, ergab er sich mir Resignation in ''ein unvermeidliches Geschick. — und de« schlkß. bei der ersten an ihn ergebenden Aeußerung.zum Erzählen. daS Geständniß feiner Unwissendem abzulegen, und den wunderbaren Umstand, wodurch sie berbeigeiübrr worden. binzuzurLgen. — Man möge ihm Glauben bei« messen oder nicht, er füblke sich, i» fetiu» Innern -on retem Vorwur'e frei. Nach dem Mincha-Gebet ließ der Rabbiner die Vornehmsten der Srakr zu stch einladen. bet ihm die dritte Mahlzeit des Sabbards einzunebmen. mit dem Zusätze, daü rbn Goy ein so seltenes Kleinod beschenkt, den Diener des Baalschem. der ihnen. die merkwürdigen Lhaken desselben zum Besten geben wird. — Es fing schon an zu dämmern, als ste sich um den Lisch setzten, erwartungsvoll der Dinge, die da gebe« werken sollten. — Wer von uns weiß nicht, welche andachts« und weihevolle Momente kiese Stunde vor dem Ausgange des Sab« barbs dem wadren Cbassik karbieret?.— Zu welcher frommen Erra>'e steigen sich nicht da seine entstammte Phantasie! )m Finstern sitzend windet sich sein düsterer Geist in wirren Labvrinkben der Mvstik herum, und bis in späte Nachts sitzend. läßt er seine mvstiscken Lieder in melancholischen bizarren Weilen zum Himmel emporschallen. — Keinen sänrunzreichern Moment glaubte der Rabbi geeigneter, jene heilige Inbrunst, jene andachtsvolle Verklarung. womit man die Wunder des Baalschem anhören muffe, zu enegen. — > Aber man denke sich, was ün Innern unsere- Sckmuls vorzinz. in welcher peinlichen Bangigkeit er dasaß. — EriÜe Zabren rollten ibm über seine gefurchte» Wanzen. .Hast Du. großer Meister,- betete er leise, „im letzte» deiligen Momente Deines Scheidens von binnen nur darum Dich »einer angenommen, um mich jetzt zu verderben. mich vor so Vielen zu Schanden weiden zu lassen? Komm.-o Heiliger und zerschlage die Bande, womit Du meinen Geist gefesselt." Gesenkten Haupte-, tief gebeugt, saß er noch ein Weilchen, und siehe! allgemach fing es an in seinen» Innern zu tagen, nach und nach rauchte in ibm die Erinnerung einer einzigen That auf, und welch' einer Thal! die Hundert ande» aufwiegen könnte, und als die. Aufforderung des Rabbi an ihn erging, hob er folgendermaßen an: — Aller Welt ist eS bekannt, daß der Kutscher des Baalschem auf seinen Litern Reisen, die er zum Heile der Welt unternahm, Aleri hieß. Dieser durfte nie mit dem -Gesichte zu seinem Pferde, sondern zu seinem Herrn gekehrt sitzen: auch war es ibm streng versagt, sich umzu« sehen, bis es ibm ausdrücklich von feinem Herrn befohlen worden. — Wer weiß auch dies niLl, daß der Baalschem in Stunden größere Strecken zurückzulezen pfiegre. als mancher Ankere in Monaten? — Einst nach vem Ausgange eine- Sabbards machte unser Rabbi wider seine Gewobnbeir eilendS Habdala, befahl seinen Aleri schnell die Pferde zu spannen, und feinen Sitz einnehmend, bieß er ibn im schnellen Trabe fahren — Aleri. der solcher Reisen gewobnr war. leistete dem Befehle seines Herrn stillschweigend sogleich Folge, und rasch ging's nun in nnfterer Nacht fort. — Ueber Berg und Thal, durch Wald! unk Flur rollte nun das Wägelchen dabin; Städte Flecken und Döner flogen vor ibren Blicken im Nu vorbei, Bäche. Ströme und Flüsse rauschten in stetem Wechsel vor ibnen vorüber. — Sie mochten wobl so bis Mitternacht gefahren sein, als der Baalschem seinen Aleri sich umzusehen befahl. — Der Vollmond *var unterdeß in seiner ganzen melancholischen Pracht auf dem Horizonte erschienen. Wer vermag wohl die Ueberraschung deS Fuhrmanns zu schildern, alS er im vollen Mondscheine eine große prachtvolle Sradt, auS deren dickten Häuscrmassen die prächtigen Zinnen zahlreicher Paläste und die vergoldeten Kuppeln vieler Kirchen hervvrragten. vor stch auSgestreckt liegen sab. — „Ach. welch' eine Pracht,* rief er aus. „so was habe ich noch nie in meinem Leben gesehen." „Nun. so fabre nur zu, in diese Stadt hinein, es »st Madrid, die Hauptstadt Spaniens," befahl sein Herr. —' „Wo wollen wir Rast machen," fragte der staunende Fubrmann. . Wo Du eia Lichtlein in einem Fenster flimmern siebst, da machst Du Halt." lautete die Antwort seine- Herrn. Durch viele prächtige lange und breite Straßen mußte jetzt Aleri fahren. Die ganze große Stadt schien wie ausgeftorben: welck'^ein Zauber breitete über sie das stille Siibrrlicht de- MondeS! Nirgenderblickte man die Spur einer lebendigen Seele. Alle-Hatte sich zur Ruhe. begeben, um. wie es schien, zum geräuschvollen Gewühle des kommenden Tbgeneue Kräfte zu schöpfen. Nur das Echo seineeigenen WagengerolleL ballte wieder. — Endlich sagte der Baalschem „links" und linklenkte Aleri in ein schmale» enge- Gißchen ein, und wand sich mit vieler Geschicklichkeit durch mehrere solcher hindurch, biihm der matte Strahl eine- Licht-, chenaude» Fenster eineunter größeren Gebäuden und Banmzrnppen halbversteckten Häu-chen» kommend, da- Ziel seiner Reise zuwinkre. Er machte vor dessen a

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