Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 61 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches1 Volksblatt. Belehrung uni) Unterhaltung aus jüdischem Gebiete. Herau-gegebea von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. sRo. 81. 1857.] Bon kirser tttofiat »W'.nfli* ein» Brei« t,< 5<iM >a»A« 1 tblf. Biert«oLk>rig 7'/» N«r. Ult Bu^»«n»rua-en. Postämter un» griiuijz«esreki»oii,» »edmrn BrKelI»n»rn an. - 54. Jahrg. 4. Quartal. S Hälfte Ro. Z3-S5.I Der Basischem und der Großinquisitor. Üiae chasfidische Sage, von Leon Mrodeäbürg io Howe« graduolio-k jRußlaud.) So verstrick ihr» eine geraume Zeit, Hr sttzie-seine Wanderungen in einem Kreise von vielen «Meilen weit fort, und gewann auf diese Weise sein Auskommen. — 2m Laufe der Zeit jedoch fing diese Quelle deö Erwerbes an zrt versiegen. — Der Dorrath seiner Erlebnisse er« schöpfte sich und mit ihnen der Zustuß der Unterstützungen. — Der Zirkel seiner Zuhörer schwand zusehends, so daß er sich zuletzt geiMhigt sab, die weile Feriie zu suchen, wo er hoffte, noch ein seltener Gast, und also auch'mit feinen Erzählungen sehr willkommen zu setin. — Ab.er welch' eine seltene Erscheinung — je weiter er wanderte. desto kleiner war der Ruf feineguten Juden, so daß ihn am Ende Memand 'anhören wollte. — ES ürnden sich sogar manche Ungläubige, die ihn hart «»fuhren und einen argen Lügner schalten. Er sah sich also nack und nach in schlimmere Lage versetzt. — Die wenigen Sparpfennige gingen zur Neige; die Armuth schlich in seine Tascke, daß er nicht wußte, waS er nun anzufangen babe. — AIS er so niedergeschlagen und trostlos von Stadt zu Stadt herumschlendernd, sich einst in ein' trrrsfl n verfügte, wo er, wohlwiffend, daß er nur tduben Ohren predigen würde, die Mildthätigkeit seiner GlaubenSbrüder beanspruchen wollte , zog sein bekümmerte- Aeußere die» Aufmerksamkeit eines alten mitleidigen ManneS auf sich, j der in ihm einen Fremden erkennend, sich theilnahmSvoll nach der Ursache seines Kummers, der fo sehr aus seinem Gesichte ausgeprägt war. erkundigte. Unseh Schwul er» öffnete ihm sein ganze- Herz und theilte ihm sein ganze- Leid mir. — Jener sann eia Weilchen nach und sprach: .Wenn Ihr meinen Rath befolgen wollet, wird Euch au- Eur^ mißlichen Lage geholfen werden. Weit von hier in der großen Stadt N. i» Polen wohnt jein frommer, reicher, sehr wohlthätiger Rabbiner; der ärothbedürftige fiddet in ihm einen Dater, jeglicher VekÜmmnte einen Tröster; waaber daS Merkwürdigste an ipm. ist feine Anhänglichkeit, ja seine Anbetung Euregroßen Baal. j schem. — Er bezahlt nämlich jede Wundergeschichte, die man ihm von diese« Wundermanne erzählt, mit einem Dueaten. — Dahin begebt Euch also; Ihr »erdet mit dem Vorrathe Eurer Erzählungen ein schöne- Sümmchen bei ihm holen, und Euch auf Cure alten Älge in Ruhe setzen können!" — »Euer Rath ist wie ich! höre sehr gut gemeint," war die .Antwort SchmulS, »aber'von hier' bi- N„ wo dieser Rabbi wohnt, ist so weit; eine Fuß» reise dahin zu machen, gebricht emir an Kräften und auf anderweiligem'Wege .dahin-zu gelangen, an Geltmil. - teln." — »Auch hierzu will ich Rath schaffen. — gön. net mir nur über Nackt Zeit. —| De- Morgenkam der gute Mann mit frohem »Gesichte, und berichtete unserm Schmul, daß er mit den Kaufleurrn. die nach N. in Geschäsr-angelegenheiten reisen, gesprochen, und sie ihm ihre Einwilligung gegeben, ihn' milzunehmen. Schmul ergriff im Vollgefühle dek Dankbarkeit die Hand demit. leidigen Manneö und dankte ihm mit thräuenvollem Auge: »Mein Leben lang würde ich sie segnen," sprach er, »und der Allgütige wird ihre edle -Thal nickt unbelobnt lassen." — In drei Tagen reiste er wirklich mit Vrn Kaufleuten dahin ab. — Dort angelongt, begab ,r fick sogleich zum Rabbiner, und meldete sich alden CEC“ de- Basischem. Mit freudestrahlenden^ Vefichtr empfing ihn der Rabbi, reichte ibm die Gast \ Ich lebt die ganz O wollet. I „Seid mir ein willkommener Hauan, ziehet ein! In mir en großen Rabbi. ich werde so Wr mir dessen Erlebnisse erzählen rl-iMbhl gehört hahrn, daß ich für jede Geschichte, die' man mir von ihm erzählt, einen Ducaien zahle, mit Euch werde 1 ich keine Ausnahme machen wollen und werde auch Euch solchen Lohn zukvmmen lassen; nur bin ich jetzt zu sehr mit andern Angelegenheiten belastet, aldaß sch einem für mich so heiligen Gegenstände gehörige Aufmerksamkeit widmen könnte. — Wir wollen den Sabbath abwarten, wo ich dann Muße und Ruhe aejmg haben werde. Euch' ein aufmerksames Ohr zu leihet. — Unterdeß Ußt'ft Euch bei mir wobttsein; ibr seid »die bei Euch zu Hause." — Schmul ließ sich'- nicht zweimal sagen; er machte sich'- bequem und ruhete nack den Rühen der Reise au-. , Freitag bereitete sich unser Schmul zum Empfange der Sabbathkönigin vor, zu welche« Behufe er nach alt. herkömmlicher Sitte rtnp Brauch in die Mikwa ging..— AIer aber vorschriftmäßig. fick mehrere Male untergeraycht, ging mit ihm eine solche Umwandlung vor. wie er sie noch nie erlebt hatte. — E» erging ihm wie jener Tobten in der Götterlehre der alten Sttechen. nachdem fie de» Swr passtet. Eine Vergessenheit bemächtigte sich seine- Geiste-, so daß jede Erinnerung an irgend ein Vegebniß verschwunden war. — Wie sehr er auch seinen Geist anstrengte, auf irgend eine Spur von irgend einem