Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 61 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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243 Pförtchen Halt, und alotkhreremale angehocht. hörte man in der Hausflur eine Thür klirren und leise kam Jemand zum Pförtchen geschlichen, und guckte verstohlen durch eine kleine Oeffnung oberhalb desselben binauS, um zu sehen, wer wohl in dieser mitternächtlichen Stunde pochen mag. — Alder Baalschem daS Zögern des Hausinhabers merkte, sprang er vom WLgrilchen herab, und sagte mit fester Stimme „*"i> sro-n "rrac G'mx -ms p'ns." Sogleich wurde aufgemacht, und staunend blickte der Jude im Hause (denn ein solcher war eS) die Fremdlinge an. die ihm sowohl durch Tracht alS Sprache sehr auffallend vorkamen. — Er ließ sodann Rutscher sammt Pferden unterbringen, unh den Gast führte er in ein kleines, aber nettes und reiße- Gemach ein, und begrüßte ihn auf'S Herzlichste. — Jetzt batten beide Männer Muße, einander zu betrachten.! Sehr abstechend war die polnische Tracht deS Baalschchn in Pelzmütze und langem Kaftan, mit sammrenen Umschlägen von derjenigen seine- WirtheS, der, wie seine Voreltern seit Jahrhunderten in Spaniers lebend, die Tracht stnd Manier diese- Landes sich angeeignet hatte. — Nach und nach kam aus einem Seitengemache die ganze Familie deS WirthS, bestehend auS einer Frau und 4 blühenden Kindern, herbei, und umringten neugierig den Gast. ES bedurfte nicht erst deprophetischen Scharfblickeunsere- Baalschem. um zu bemerken, baß die ganze spanische Familie in tiefer Trauer. Sorge und Kummer versunken war. Da- Gepräge der Seelenleibe l und der zagenden Angst lag zu sehr au-gedrückt auf ihren Gesichtern, aldaß nicht auch ein minder geübt - Auge eS bemerkt haben würde. — Tbeilnehmend und sorgenvoll fragte also der Baalschem nach der Ursache hreS tiefen Kummers. -— „Ach." versetzte der gastfreundliche Wirth, „es mag wohl auch schon zu Euch in Euer 'erneS Heimathland die traurige Kunde gelangt sein von di n Schlachtopfern , die von unS jährlich eine unerhörte Religion--, wuth heischt. Ihr habt wohl vernommen, wi« ein phantastischer GlaubenSeifer viele Tausende von unS gewaltsam der väterlichen seit Jahrtausenden ererbten Religion entreißt, und sie dann, um sich auch deren Habe lzu bemächtigen. degeheimen Abfallbeschuldigt, und'mit einem Schaugepränge, daman „heilig und gottgefällig" nennt, dem Martertode in den Feverflammen prejSgibt. — Jährlich erscheint nun ein solcher Tag, an dem man der Blut- und Habgier fanatischer Mönche solche Menschenopfer bringen muß. — Der morgende Tag ist einer der verhängnißvollsten! ES wird ein Xato 6» Fe gegeben, wie «S die Sonne Spanienlange' nicht beschienen. Hunderte der Unsrigen werden lebendig verbrannt! Dlut- und habsüchtig waren die Mönche in diesem Lande von jeher; allein seit der jetzige Großinquisitor eingesetzt worde», wüthen sie in selbst hier unerhörter Weise! Niemand ist mehr vor ihrem Zoraeifer geschützt. — Sßugling an der Mutterbrust wird in die Flammen geschleudert, die zatte Frucht im Mutterleib« wird nicht geschont! — Wie eia Höllengeist facht der Großinquisitor die Gluth an, auf daß sie lodere biin den Himmel empor. Bielfache- Weh hat er über Israel verhängt, vielfacheüber mein eigene- Haugebracht! Diele der Meinten sah ich unter «ihren Henker-Händen verbluten, und «er weiß, waS der morgende Tag unbringen wird! Daist die Ursache unserer Angst! Der schlaf ist von unseren Augen gewichen! Zitternd warten, wir de- Glockenschlages, der uns diesen unseligen Tag verkünden wird! Vielleicht' fällt der reißende Geier in diese- > harmlsse Tanbennest' und würgt ohne Erbarmen darin!*!— Tief ergriffen saß ejne Weile der Baalschem, dann begann er voll innigen Mitleides: „Beruhigt Euch, meine Lieben, beruhigt Euch und begebt Euch zur Ruhe im Vertrauen zum Hüter und Wächter Israel-. der weder schläft noch schlummert. , Wir. wollen sehen» ob wir nicht diesem Wüthrich beikommen können. Ich habe eine weite Reise Euretwillen unternommen, und bin erschöpft, gönnet mir Ruhe, gönnet sie auch Euch. t- Ein Strahl der Hoffnung durchzuckte die nachrumdüsterten Gemüther dieser Niedergedrückten. ES, war ein Lichtstrahl vom Himmel, der erwärmet, tröstet, erhebt und neu belebt! — Bald war eö im Häu-chen still- Allewarf sich in die Arme deso lang vergeblich ersehnten Schlafe-! Alleathmete tief auf! Aber nicht so unser Baalschem; der maß mit großen Schritten sein kleine- Zimmer.^— ES arbeitete und arbeitet« in ihm. — Man sah, er brüttte über Einseiner größten künftigen Werke. — Endlich ward eauch in feinem! Kämmerlein still. Wer weiß zu sagen, waS da weiter vorging? — (Schl»- folgt.) Gruß an den Vollmond. Gesegnet seist du. milde- Licht, Gesegnet sei, wer stich erschaut. Entzücke« strahlt vet» Angesicht, Dein Lächeln gleicht der jungen Braut.' Dich grüßten schon in Canaan Die frommen Väter tief gerührt, Dich sahen leuchtet sie al-dann. AlS an- Mizrajim sie geführt. Dich sahen über Zion'S Höh'n. Da noch der heil'ge Tempel stand. Die Hohenpriester leuchtend steh'n Und hoben fegnenh ihre Hand. De- Tempelhohe Zier verschwand. Der Mensch verweht wie Spreu im Wind, Wir sind zerstreut, wir sind verbannt; Doch ewig deine Strahlen sind. Sei mir gegrüßt, du junge- Acht, Du schienest dort, d» schienest hier. Er, der dich schuf, verÜißt unnicht. Und Frieden, Fried!» bringst du mir! Ich grüße dich mir hoher Lust. Aus- Neue darf ich Dich erschau'n. Ich preise Gott auvoller Brust. Ihm darf ich treu und fest verlrau'n.