Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 60 (1857) · p. Seite 238

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
60 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4908862-5999343-6000811--0973-4909617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

-38 pcltf ihn die vielem Daß er mein' G aubensgenosse fei, konnte ich im ersten Augenblicke crsel en. tie Track'l aber, das eizenlbümlicke Gevcrdenspiel. t r entblößte Hals. das schalkhafte Lächeln, das seinen stliun umsrielte. während er meine deutsche Tracht ansah, ku das ganze Wesen dieses Mannes stemzu e nein TypuS jener aUchassttischen Aaste, .gute Juden" gesehen, gesprochen, bei ihnen lange geweilt, vcu ibncn und ibren Wunderwerken Vieles zu erzählen weiß, und mit kindlicher unerschütterlicher Pietät an-ihnen bängt. — Nachdem-ickihm Zeit zur Erholung und sich zu sammeln gelassen, riLttereäch, um ein Gespräch einzuleiten, und mich meinet auf mich einstürmenden beängstigenden Ahnungen zu ertvevren. die bei solcher-Gelegenheit gewöhnlichen Fraggn an ihn. Er erzählte ^iu, daß er von B. nach O. gehe, wo. er wohne, daß leider den Zweck seiner Reise verfehlt, der Plan, einen „Sckidvuch" auSzusühren, wobei er die Peßackunkosten zu gewinnen gehofft, mißlungen sei, baß er also ganz mit-leeren Händen zu den Seinen heimkebre, und nun gar kei»« AuSstchlen habe, diecheträchtlichen Bedürfniffe dieses Königs der Feste bestreiten zu können. — Bei diesen Worten ssab ich einen flüchtigen Schatten von Bekümmerniß über fein ausdrucksvolles Gesicht gleiten. .Einen .flüchtige»," sagte ich. weil er sich bald seines KleinmulbS. zu schämen schien, und eine- Bessern sich besinnend,'die Augen unmerklich zum Himmel erhob und voller Zuversickr versetzte: „Wissen Sie. mein Lieber, ich lebe doch schon nicht feit gestern auf dieser schönen Erve Gottes, und habtj immer die Erfahrung gemacht, daß dieser nos immer sein besonderes Glück habe, und es dann wahren Gläubigen nie an MazoS. Wein. Fleisch.und Fisch und manchem Andern gebricht." — „So ist eS allgemein bekannt." subr xr mtt frommer Gcberde fort,, „daß es dem Baalschem ^^2 70" tit=t einst biS nos 3"ir vor Abend an allem Nörbigen mangelte, und er doch voller Vertrauen rubig dasaß,'bis ibm Elija banowi in'der. Gestalt eines. Barern erschien, und ihm allen Bedarf in Hülle und Fülle brachte." — „Zwar kann dieser Fall bei unS Unwürdigen nie statt baden; allein Gottes väterliches Walten ist auch bei uns stets.sichtbar. und er hat mich, noch nie zu dieser Zeit in Stich gelassen." — Zch war in meinem Znnein srob, den Mann so unvermerkt an dem Ziele meines Wunsches zu seben-. an diesem ewigen Thema dieser Leute, bei diesem ihren größten Wunberlhäter. den sie mit dem Nvmbus der größten Prophetie umgeben. — Ich hütete mich also, ihur. auch nur einen leisen Schatten von Zweifel blicken zu lassen, und bat ibn. mir doch eins jener zahllosen Mirakel, die jener Gründer einer so weil um sich greifende» Srcte geübt, zum Besten zu geben. .— Der Mann ließ - sich nicht lange bitten, da bekanntlich diese Leut» das ewige sprechen und Erzählen von ihren Wundermännern als,eine verdienstvolle und gottgefällige Thal betrachten, »nd ein solches Gespräch sogar dem For. schen veS Talmuds und dem Lernen anderer heiligen Bücher rorziehen. Nachdem mein Gewährsmann eine Weile gesenkten Hauptrs in tiefem Nachflnnen gesessen — hob er mit frommer Geberve also an: „Ich will. Ih»en eine der merkwürdigstek Thoten diesewahrhaft gottbegeistertea Mannes erzählen; sie ist ein Beleg, wie weitschauend, wie wunderkräftig^ und von. welschem prophetischen Geiste rznser Baalschem beseelt war." — „Versetzen Sie sich mit niix in ein Städtchen, das in Podolien liegt, wo bekanntlich die Wiege unseres großen Rabbi gestanden. Folgen Sie mir in dieses mit einem Sttohdache bedeckte niedrige Häuschen; treten Sie durch diese Hausflur rechts ein; sehen Sie sich in dieser geräumigen Stube, ohne Fußboden, um; vier erblicken Sie keine Spur von Reichthum, nur das allernöihigste Möbel, einen einfachen, eichenen, reingewaschenen Tisch; weiße, hölzerne rings um die Wände herumlaufende Bänke, und in einem Winkel einen mit Folianten und andern Büchern vollgepreßten Schrein. Es ist spät in der Nacht; das Zimmer nur spärlich von einem kleinen Talglichr erhellt. — Tief im dunkeln Hintergründe steht ein ärmliches Bett; auf ihm liegt in den letzten Zügen ein von Krankheit abgezehrter Greis. — Seine Augen sind geschloffen; die schwer gepreßte Brust schaffet sich jedeSmal. durch einen tiefgeholten Seufzer Luft. — Ihm zur Seite steht ein Mann über die 50, mit dem Oberleib über den Kranken gebückt, — auf dessen schweren Odem mit ängstlicher Aufmerksamkeit lauschend, und nach jedem, aus seinem Munde entfahrenen, noch so'leisen Laute gierig forschend. — in bem frommen Wahne, daß jede- Wort vom Kranken in diesem Momente seines Scheidens gesammelt, eine Prophezeihung enthalten müsse. — Stille Zähren rannen über die bleichen Wangen deS Wärters, der um den sichern ihm bevorstehenden unersetzlichen Verlust seines Rabbi trauerte. — Plötzlich schlug der Sieche die erlöschenden Augen auf, und rief mit schwacher Stimme: „Schemuel!" ..Hier bin ich." antwortete leise der betrübte Wärter, die Hand deS ihn Rufenden ergreifend. ..Für mich hat die letzte Stunde geschlagen." begann der Kranke nach kurzer Pause, „ich-gehöre nicht mehr dieser Erde an, für mich habe ich nicht mehr zu sorgen,- aber um Dich bin ich wahrlich bekümmert, wie wird's Lir, meinem erprobten treuen Diener nach meinem Tode Ergeben? — Lange hast Du mir treulich gedient, und was ist nun Dein Lohn für Deine jahrelangen treuen Dienste? Nichts lasse ich Dir von diesen - Erdengükern zurück, — nichts, was Deinem schwachen Alter zur Stütze dienen könnte." — Eine Weile hielt der GreiS inne, blickte dsnn empor, und ein Strahl der Freude fuhr über jein verklärtes Antlitz, „Gott ist barmherzig! Er wird seine Gläubigen nicht hülsloS umkommen lassen. Ich will Dir ein Mittel angcben, durch das Du Dir Dein tägliches Brot erwerben wirst. — Viele unzählige sind der Gläubigen, die vom Baalschem (denn dieser war der Kranke) und seinen Wundertbatcn gehört; wenn ich dahin bin, gehst Du zu ihnen, und meldest Dich als einen treuergebenen Meschammes, und wenn ne sich um den Diener ihres Rebben geschaart, erzählst Du ihnen die Werke, die Dein Meister im Leben geübt, die a-rina, die er grthan, sie hören Dir mit frommer gläubiger Seele zu, und Keiner wird dann den treuen Gefährten, den beständigen Begleiter deS Baalschem Hungers sterben lassen. SprachS, und verschied. — Der verwaiste Diener ging hinaus in die weite Welt, weit und breit wap einst der Ruf seinegroßen Rabbi erschollen; von nah hnd fern wallstrhrte man einst, seinen mystischen Lehren zu lauschen. s»»ne kabbalistische Wunderkrafr in Anspruch zu nehmen; reich strömte also auch die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.