Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 58 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 2)
- Language
- German
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230 4?anblun , beiwohnen würden. Vergebung ihrer Suaden erhalten gerben, vor dem Reue be heiligen Geschicke Stolz ur auf den ichrvcken Almah.- s Gatte, o ind als würdige Diener Iefn Ebristi angefeben ollten. Die mindere Strenge teS Erdrosseln» Perbrennen wurde ihnen versag', well sie weder rügten, nod) der Gerechtigkeit und Gnade de« Officiumvertraut, sondern sich . inem verdienten durch die Flucht hatten entziebeu wollen. Nit t eine MuSkel in Alvar» scheuen Zügen berv-gre si ir wahrend dieseschrecklichen UrtheilSspruckeS: d hoch emporgerichket .stand er da und blickte Sprecher mit einem Auge. bell, fest unk unerwie sein eigenes. Aber anderwurde «S, als L von ihren Wächtern losreißend, vor ibm nieder auf I ie ^nie stürzte. ..Alpar! Alvar! Ich babe Dich gemordet — mein mein Galle, sage. Du vergiebst — verziehst —" „E ille. stille, Geliebte! meine beldenmüthige Almab, verzage nur jetzt nicht!" antwortete er mit einem zärtlicken a »er ruhigen Ernste, der ihren zermalmenden Schmerz zu stillen und ihr Kraft zum Dulden zu geben schien, ui d sie aufbebenb. preßte er 'sie an seine Brust. ,,© t müssen sterben wie wir gelebt haben, meine Geliebte! treu dem Gotte, dessen Auserwäblte und dessen Erstgebcl'ne wir sind, gewesen sind und sein werken bis zum äole. ja. über den Tod hinaus. Er wird unsre arme W> «fe beschützen, kenn er hat versprochen, sich der 'Vaterloser anzuneÄncn. Schau empor, meine Geliebte, und sag« . Du kannst mit Alvar dem Tode in'- Antlitz blicken, .««big und treu, wie Du für ibn zu leben ge. sucht. ( ich bat ein bessere- Theil für uns erkoren, als einauf Erken." Si' erhob ibr Haupt von feinem Busen; Schrecken und To le-kawpf waren von ibrem lieblichen Gesichte verfckwu «den — eü war ruhig wie sein eigenes. ,.E war nicht mein eigener Tod. den ick fürchtete/' sagt« sie. ohne zu beben, „es war nur die Schwäche der mensckli«:en Liebe, aber es ist jetzt vorüber. Die Liebe ist mächtiger als der Tod; im Himmel nur Liebe. * ,,)!" anewortele Alvar. und stolz und gebietend wies er die Soldaten zurück, welche herzugestürzt waren. I um sie; u trennen. Männer einemißverstandenen und darum l jutigen Glauben», sehet, wie die verachteten und verfolgt« tt Juden lieben und sterben können. So lange Hoffnung vorbanden war. daß wir unser« Gotte, dem heiligen und. einzig einigen, besser im Leben als im Tode dienen l önnten. war es unsre Pflicht, dieses Leben zu er. ' halten tnd um seinetwillen eher Qualen zu erdulden, als baS kostbare Gebeimnlß unseres heiligen Glaubens und bin «lischen Erbtbeils zu enthüllen. Aber jetzt. da die Hos nunq zu Ende ist. da keine menschliche Hülfe unser Schicksal wenden kann, wisset, daß ihr unfern Glauben rich lg beunheilt babt. Wir sind die au-envählten Kinder Gotte». die ihr für Gotteslästerer und Ketzer haltet. Tbut wa» ibr wollt, ihr Männer deS Blute» und de« Schuld, unfern Glauben könnt ihr uns nicht entreiße i!" Die leidenschaftliche Sprache natürlicher Beredsamkeit flößte s löst dem roden Haufen ringsum Ehrfurcht eia; abtt mehr war nickr^gestattet. Grausam getrennt,, und besonder» Wächtern übergeben, wurden die G-fanzeaea in rbre Kerker abgefübrt. Für Rlmah waren diese ernsten .1 / Worte wie die Stimme eines Engel» gewesen, die jeden früheren Sckmerz zur Ruhe brachte, und in der Einsam, (rit und Dunkelheit der nachfolgenden Stunden konnte selbst der Gedanke an ihr Kind ihrer Seele die^Ruhe NNd ihrem Gebete seine Kraft nicht raube». Der erste November 1755 brach wolkenlos und lieblich an, wie die letzten vierzig Tage gewesen waren. Nie war eine Jahreszeit herrlicher an Sonnenglanz, pracht. voller im tiefen Blqu de- HimmekSgewölbeS gewesen, als die gegenwärtige. Biele Monate lang war kaum Regen gefallen, und die Hitze war anfänglich unerträglich gewesen; aber seit den letzten seckS Wochen war die Luft wieder etwa» abgeküblt. und die Erbe neugestärkr. Da eS kein vollständige» Auto da Fe war (Alvar und feine Gattin waren die einzigen Opfer), so sollte die schreckliche Scc^e des Verbrennens auf dem Platze stattflnden. der mit einer Seite «n da- Gebäude der Inquisition stieß. BorTageSanbruchwacin der Kapelle derJnquisition eine rmeffe gelesen worden, welcher die Derurtheilten beiwohnen mußten, und gegen bald acht Ubc verließ der schreckliche Zug die Tbore deS. Inquisitions-Gebäude-. Voran marschirten die Soldaten und die niederen Diener, ei« hohles Viereck bildend. nz reffen Mitte die Pfäble und Reisig» bündcl für den Holzstoß sich befanden. Dann kam da» geweidtc Lireuz. mir einem schwarzen Schleier verhüllt, und seine Wache von Priestern. Die Derurtheilten. einzrln von Mönchen umgeben, erschienen al-danu, hinter ibnen die hvberen Beamten und Inquisitoren, und eine Schaar von fünfzig Männern in reicher Kleidung von .schwarzer Seide und Silber schloß den Zug. Wir wollen bei den Ceremonien nicht verweilen, die mit dem Verbrennen der Jnquisiirions-Gefangenen immer verbunden waren.^ Obgleich sie bei dieser minder feierlichen Gelegenheit sehr abgekürzt wurden, war edoch mehr als eine Halde Stunde nach neun Uhr, als die Unglücklichen an ihre Pfähle gebunden wurden und die Henker sich mit ihren lodernden Feuerbränden näherten. Keine Veränderung war in den Zügen der Gefangenen wabrzunehmen. Bleich waren sie. aber ruhig und gelassen - alle» menschliche Gefühl war in des Märtyrer- Muth und de- Märtyrer» Glauben aufgegangen. Ein Blick waz zwischen ihnen gewechselt worden — ein Blick vergeistigter Liebe, die über da» Grab hinauS. schaute — ein Blick der Ermuthigung, für ihren Gott zu dulden bis zu Ende. Der Himmel war immer noch wolkenlos, die Sonne blickte immer noch auf diese SchreckeaSscene nieder; jetzt entstand eine Stille — eine Pause — die Menge ring-um schien selbst da» Athmen zu unterdrücken. »Höre, Israel, Gott unser Herr. Gott ist einer — der einziqe und heilig Eine; keine Einheit gleicht seiner Einheit!" waren die Worte, welche diese schauerliche Pause unterbrachen, in eitler klaren, festen und wie.immer klangvollen Stimme, und sie wurden wiederholt vpn Frauen lippea, so herzdurchfchauernd, daß selbst die rohesten Naturen erschüttert wurden. ES waren ihre letzten Worte. Die Henker eilten herbei, die Feuerbrände wurden an die Scheiterhaufen gelegt, die Flammen lodenen empor unter ihrer Hand — da kam in demselben Augenblicke ein Stoß, als ob die Erbe in ihren Grundvesten erschüttert, der Himmel selbst vov einander gerissen würde. Ihm folgte