Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 58 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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231 ein Kracken, so laut, so betäubend, so entsetzlich, alob ganz Lissabon in Trümmer dahinstbrzte, und «in Schrei, oder vielmehr tausende und abertausend« von menschlichen Stimmen, die sich zu einem herzzerreißendem Schrei de- Entsetzens und der Todesangst vereinigten,! schienen sich in demselben Augenblick« auf allen Seiten! zu erheben, allgemeine Zerstörung verkündend. Die Gebjude ringsum wankten, wie von einem mächtigen Wirbelwinld erschüttert, obgleich kein solcher -aut gehört wurde. Die Erde hob sich, spaltete sich, schloß sich wieder und erbebte, wie die Wogen de- Ocean» tm Sturme. ES war ein Augenblick unsäglichen Schrecken-. Die versammelte Menge zerstob wild schreiend nach allen Selten. Auf dem schüttelnden Boden zerstreut lagen die rauchenden Holzscheitk. unfähig ru schaden-, die Fesseln der Märtyrer waren jerriffen, ihre Wächter entflohen. Ein Sprung brachte Alvar zu seinem Weibe und sie lag in seinen Armen. „(Statt, Gott de» Erbarmen-, errette unS noch! Sei mit unbizu Ende!" rief er, und der Glaube beschwingte sein Gebet. Fort, fort eilte er; hinauf, hinauf, den Höhen zu, wo er wußte, daß er größere Sicherheit finden würde; aber ehe er fle erreichte, welche unzählige Anblicke und Töne de- Schreckentraten ihm entgegen! Jede Straße, jeder Plhtz, jeder Zugang lag voller Trümmer; Häuser. Kirchen boten dafurchtbarste Bild der Zerstörung, während alle Augenblicke neue Erdstöße die noch unversehrten Häuser erschütterten und niederwarfen. Große Steine, die aujedeiu Riß berabstelen, zerschmetterten unglücklich« Flüchtlinge, die Schutz suchten, aber nicht wußten wo. Die Balken der Dächer, auß ihren Fugen gerissen, schwebten einen Augenblick aufrecht in der Luft, und stürzten dann, hundert zugleich, mit betäubendem Geschmetter zu Boden. Die Bande der Natur selbst waren gelöst in dem wilden Streben nach Rettung. Daeigene Leben allein schien de- Erhaltenwerth. Keiner wagte ait da- Schicksal der Seinigen zu denken — keiner wagte zu fragen, „Wer lebt?" in dieser SchreckenSserne allgemeinen! Tode-. (Schluß folgt.)! Ein frommer Wunsch. Die alten jüdischen Literaturwerke sind in früheren Jahrhunderten bekanntlich ebenso häufig wit die Juden se l b st und ihr Glaube Gegenstand bo-hafter Verfolgungen und Zerstörungen geworden. Und nachdem die vandaltfche Wuth in ihrem Derntchtung-werke gegen jüdische Schrift müde geworden, traf diese Schriften ein anderer noch kräftiger wirkender Berdammung-tod. jener nämlich, der im Namen der Wissenschaft ausgesprochen und von ihr mit Fug und Vollmacht au-gestattet zu sein vorgab. Mag nun auch der Sturm gewaltsarper Zerstörung zermalmend über die Denkmale geistiger Btstrebungen unserer Altvordern dahin gefahren sein und vermögen wir zahlreiche Schriften zu bedauern haben, die in aUgemeinen Verfolgungen zu Boden getreten wofden, oder deS Flammentodegestorben sind, gewiß sind dieselben weder ihrer Zahl noch ihrem Werthe nach über jene andern zu setzen, die in neuerer Zeit au» Uqkenntniß ihre» WertheS und auS Mißachtung alle» Juderfthümltchen dem Moder und der Verwesung Preis gegeben! werden. Doch da» wirklich Große, da» innerlich Wesenbane, und Wahre soll nicht untergehn, wenn eS aäicb eine Zeirlang in der äußern Erscheinung zurücktritt. Wer erkennt nicht den Umschwung, der bereitin vielen jüdischen Geistern vorgegangen ist. wer gewahrt nicht die Bewegung, die ihre Kreise immer weiter und weiter schlägt, um allmählig Alle» wieder zu umfassen, waS in Verblendern Haft über Bord geworfen und dem Untergange gewrivt worden. Selbst die eiftigsten Bewunderer einer nickljüdischen Literatur sehen eia. daß da» jüdische Schrift; thum mit kritischem und verständigem Sinne aufgefaßt und beurtheilt, weder der Größe noch der Originalität ermangeln, daß wir auch in ihr Geist, Scharftian und GemüthStiefe begegnen; sie der Eregefe nicht nur, sondern auch der Geschichteter Juden zur Quelle dienen, daß na. westlich unsere Theologen ihre Musterbilder der jüdischen Literatur zu entnehme» haben, also die jüd. Literatur« ktnalaiß i« weitern Umfange nicht mehr in den Hintergrund geschoben werde» dürfte, ste nicht «ehr von dem Studium christlich.ihrologifcher Werke verdrängt werden kann. WaS nun aber jüdischen Gelehrten und Theologen zu gründlicheren umfassenderen Studien aus rein jüdischem Gebiete hindernd entgegen steht, ist der Mangel an der betr. Literatur. der Mangel an jüdischen Bibliotheken und die ungeheure Schwierigkeit, zum Besttze einer ausreichenden Schriftensammlung der Juden zu gelangen. Die jüdischen Werke eristiren zwar noch und in unzählbarer Menge, aber ste befinden stch zerstreut in den Händen von Privatpersonen, von denen sie von Einem oder Anberm. weil sie deren Werth nicht zu schätzen wissen, vernichtet oder in einen Winkel de- Hause-, wohin kein menschliche- Auge blickt, verdammt werden, losere Damen namentlich sind auf die «eist unästhetisch au»- sehenden alten jüdischen Werke nicht gut zu sprechen. Sie nun au» deren Händen zu erhalten, dürfte nicht schwer sein, ja viele ließen stch'S vielleicht nock ein Erkleckliche» kosten, wenn man ihr modern elegaot hergestelltes Hau» von dem alten Plunder befreien würde. Würde stch deshalb in größer« jüdischen Gemeinden, wie in Frankfurt. Fürth, BreSlau. Prag re. ein sachkundige» Comit« bildend dae» sich zu seiner Aufgabe stellte, alte jüdische Werke re. in Empfang zu mehmen, zu sammeln und zu einer jüd.;§u vereinigen, würde der Rabbiner solcher Städte enicht alunwürdig und unnütz halten, sich an die Spitze eine» solchen Comite'S zu stellen. durch eine einfache Aufforderung da» Wohlthätige der betr. Sache aa'S Licht zu ziehen^ so dürfte stch unstreitig ohne viele Mühe eine schöne Sammlung ergaben, die den Studien der Ort-rabbtner zuerst, dann den Studierenden und Gelehrten dieser Orte und endlich auch dann der Umgegend zum Segen gereichen würde. Die Autoren,' Verleger. Antiquare und Rereqfenten, wie andere Privatgelehrten. dürften nicht minder bereit sei»/', mit dem Linen oder Andern derlei Bibliotheken zu bereichern. Durch gegenseitige Ablaffung vosi Doublette« an derlei Bibliotheken anderer Gemeinden werden nicht minder Ergänzungen und Bereicherungen hergestellt. __