Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 58 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. 3,1 >!; . - Retehrung uni) Unterhaftung auf jüdischen; HeKiete. HerauS-egedea »o, ' Rabbiner Dr. SnbWifl Phllippsou in Magdeburg. fRo. 58. 1857 ] Bon dieser Ael»s»rUl erkchei»» >»che»»ttch ei»e R»««er. Drei» it* aofcr» lond« 1 Ltzlr. BurtrlHbrl| V/% *gr. Mt *uAb<nibftingen. PokLmrer an» 3tUn«g«r;»(»lt<eiitn »td«e, «cttOuBfltn «. S4. Jahrg. 4. Quartal.!. Pälste Ro. 53—88.1 Die Rettung, im. (Rach et»er Thatsache.) AuS dem Englischen der Miß Graee Aguilar. (Schliß folgt.) Wie lange diese tödtliche Ohnmacht dauerte, wußte Almah nicht, aber alihre Besinnung wiederkehrte, befand sie sich in einem dunkeln, unheimlichen Gemache; ihr Oberkleid und ihr Turban waren abgenommen, und da- Wasser, durch welcheman sie wieder zu sich gebracht batte, hatte zum großen Lhriie die Farbe ^entfernt, welche ihrem Gesichte das maurische Aussehen gegeben hatte. Hätte sie ihre Verstellung sortzusetzen gewünscht, so würde ein Blick auf ihre Umgebung ihr die Vergeblichkeit ihrer Bemühung dargethan haben. Ihr Geschlecht war schon bekannt, und die harten, finstern Gesichter um sie her athmeten nur Bo-beit und Wuth. Einige kurze Fragen nach Namen, Absicht und Glauben wurden an sie gestellt, welche sie ruhig beantwortete. »Wenn ich meinen Namen nenne," sagte sie, »muß meine Absicht auch enthüllt werden. Alvar Rodrtguez' Weib hättt nicht diese Orte der Kolter und de- Todeausgesucht. hätte nicht alle Leiden der Verstellung und der Knechtschaft erduldet, wenn sie nicht die eine Hoffnung, den einen Zweck gehabt hätte — ihren Gatten zu befreien." r .Und so seine Schuld zu beweisen," char die Entgegnung. »Hättest Du ihn unschuldig gewußt, so würdest Du gewartet haben, bidie Gerechtigkeit deheiligen Officiumihm die .Freiheit wiedergegebcn' hätte." »Gerechtigkeit!" wiederholte ste bitter. »Hätte die Unschuld nie gelitten, ich möchte vettraut haben. Aber ich wußte, daß Anklage gleichbedeutend rstir Tod ist. und de-halb kam ich her. Nach meinem Glauben ftagt ihr — der meine- Gatten ist auch der meinige." »Und kennst Du die Strafe derer, welche Flucht versuchen oder dazu->behülflich sind? Tod —- Tob auf dem Scheiterhaufen! chnd diesen hast Du über ihn und Dich selbst gebracht. Nicht daheilige Ofsieiuck, sonder« sein eigene- Weib hat ihn verurtheilt." Und mit höhnendem Spott entfernten sie sich, die eiserne Thür mit schweren Riegeln und Stangen verrammelnd. Almah wollte ihnen nachstürzen, sie bei ihrer Hoffnung auf ihre eigene Seligkeit anstehend, sie zu ihrem Gatten zu führen, sie tausend Klaftern tief unter der Erde einzusperren j wenn sie nur zusammen fein könnten, aber blodahohle Echo ihrer eigenen Stimme antwortete, und daunglückliche Weib sank zurück auf den Boden, durch lange Stunden völliger Bewußtlosigkeit dem augenblicklichen Schmerze entrückt. Alvar Modriguez sind seine heldenmüthige Gattin sahen sich nicht eher wieder^ als bisie auihrem Kerker ge. holt wurden, um daß TodeSurtheil über sich au-sprechen zu hören. ' Man hatte Almah, auf ihre eigene Bitte, Frauen, kleivung gegeben, denn in ihrem geistverwirrenden Schmerze hatte sie da- Mißlingen ihre- Plane-. ihren Gatten zu rette«, ihrem Ungehorsam gegen da- Gesetz Gottezugeschrieben. welcheeiner Frau au-drückftck verbietet, Mannerkleidung anzulegen, weil «S in seinen Augen ein Gräuel ist. waS sie aber in ihrem Eifer, Alvar zu retten, gänzlich übersehen hatte» ünd'fie bebte.jetzt vor dem verbängntßvollen Gewand« mit Schrecken und Abscheu zurück. "Aber trotz deverstöttrn Au-sehen-. daheftiger geistiger und körperlicher Schmerz ihr gaben,, trotzdem sie ihr schöne- Haar kurz abgeschnitten hatte, damit seine Länge und Ueppigkeit sie nicht verriethe, war ihre zarte Lieblichkeit so einnehmend, so rührend, daß selbst ihre Richter, finster und unbeugsam wie sie waren, sie mit einer Bewunderung betrachteten, die ste fast zum Mitleid stimmte. Und jetzt schien Alvarmännliche Fassung ihn zum ersten Male verlasset zu wollen. Auch er hatte gelitten, fast so sehr wie sie, außer daß ihre Aufopferung, ihre Liebe ihm Kraft zu gehen, ihn mit Muth zu erfüllen schien.' um selbst ihr Geschick, dabjetzt mit dem jeinigen vereinigt war, ruhig in'- Auge zu soffen, in festem Der trauen auf die Barmherzigkeit de- Gotte-, der ihn so ftüh zu sich rief. Almah hegte andere Gedanken. Nur ein Bild war ihr stetgegenwärtig, und schien ihren' Schmerz fast zum Wahnsinn zu stacheln. Ihr Unter, nehmen war gescheit«irt; hätte sie ihre- Gatten Befreiung nicht so leidenschastli^ch gesucht — hätte sie nur gewartet — so möchte man i ihn mit der Zeit vielleicht entlassen haben, aber jetzt, »aß war sie anderalfeine Mörderin? Kurz war die Verhandlung zwischen den Gefangenen und ihren Richtern. Ihre Schuld war hinreichend bewiesen durch ihren Nuchtversuch, ..der allein schon ein Verbrechen war, dastetdurch den Tod geahndet wurde, und wegen.dieser mannichfaltigen Sünden und Verbrechen wurden sie verurthestt, lebendig verbrannt zu werden, am Allerhetligentage. anf dem großen JnquifitonS-PIatze, um neun Uhr de- Morgen-; und ewurde in ganz Lissabon bekannt gemacht, daß alle diejenigen, welche der feierlichen