Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 56 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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223 nicht, sinken Sie nicht? O Gott des Erbarmens, stütze sic!" fügte er hinzu, indem er -sich vor ihr auf die Knie warf, als Alinah mit einem unterdrückten 'Schrei einen Augenblick cmporsprang und den nächsten starr wie Mar» iiior auf ibren Sitz zurücksank. ES bedurfte keines Wortemehr. Hassan dachte sie vorzubereiten, ihr seine SchreckenSkunde allstrählig beizubringen, aber er hatte schon genug gesagt. Aufgefordert zu'leiden. und für ihn. ihren Gott — in d esen wenigen Worten war ibr Geschick enthüllt. Einer Augenblick kämpfte es in ihrem Innern, alS ob Seele und Körper sich trennen wollten, aber dann raffte.siö Weib und Mutter wieder empv^, um zu handeln.^ L>ppe, Wange und Stirn waren weiß wie ihr Gewands ihre blauen Adern schwollen, und die Stimme — hat^e Hassan sie nicht angeschaut, er hätte nicht gewußt, daß eS die ihrige war. -p- Sie gebot ihm, ihr in Kürze A-lleS zu sagen, und selbst während er sprach, schien sie im Geiste den Entschluß zu berathen, den sie nicht ganz vier und zwanzig Stunden nach HassanS Mitthcilung zur Ausführung brachte. ES war wie Ben Ahmed gefürchtet hat e. Die allgemeine Beliebtheit und der gepriesene Reich chum AlvarS chatten den Neid jenes geheimen und schrecklichen Tribunals. der Inquisition, erregt/und einer ihrer unzähligen Spione hatte sich unter dem falschen Namen Leyra in AlvarS gastlichen Mauern Zutritt verschafft. Eli ne unüberlegte Aeußerung oder Bewegung, der geringste Schein von Heimlichkeit oder Vorsicht war genügen!; ja, selbst ohne diese bedurfte eS nur eineS mehr als gewöhnlichen Reichthums oder GlückeS, und daS unschuldige Schlachtopfer war auSersehen, aufgespürt und ergriffen, unvorbereitet und ohne Ahnung seines Geschickes. Alvar hatte zufällig von seiner Reise nach Lissabon gesprochen; um daher seine Verhaftung' desto sicherer zu machen, warteten sie, bis er dorthin kam, ersahen eine günstige Gelegenheit, ergriffen ihn und führten ihn in eine jener Zellen, auS denen wenige lebend zurückkamen, indem sie heimliches Judcnthum als die Ursache seiner Verhaftung auSgaben. ES war eine zu gewöhnliche, Anklage, um Befremden zu erregen, und die Behörde, v^pn der sie auSging, zu mächtig, um auf Widerstand zu stoßen. Der Auflauf, den feine Verhaftung nichtsdestoweniger veranlaßie, legte sich daher bald wieder; aber er dauerte lange genug, daß der treue Hassan entkommen konnte, dem eS durch ungeheure Anstrengung gelang, Montezu erreichen, ehe sein Herr j noch vier Stunden im Kerker war. Sie hallen also den Tag vor sich, und Hassan ließ nicht ab, seine Gebieterin zu beschwören, sofort zu fliehen, da die Difner der Inauisition schwerlich vor Abend da sein könnten. -„Du mußt diese Zeit benutzen, Hassan, hnd ihr alle, die ihr mich liebt. Mein Kind, mein Küabe" — sie hatte ibn an ihre Brust geschloffen, und schmerz entstellte ihre schönen Züge, wie sie sprach — „©u mußt für ihn sorgen, bringe ihn nach Holland oder England. Nimm Juwelen und Gold in Menge, und «— lehre ihn. seine Eltern zu lieben — er mag vielleicht Heide nie Wiedersehen. Hassan, Hassan, schwöre, mein Kind zu beschütze^!" fügte sie hinzu, mit einem AuSbrvche so plötzlichen und deftigen Schmerzes, daß man hßtte glauben sollen, ihr Leben oder ihr Verstand müßtest ihm unterliegen. Erschreckt durch ihre Worte, und bestürzt durch ihre tiefe Gemütsbewegung, nahm Ben Ahmed daS zitternde Kind auS den liebenden Armen, die zu schwach waren eS za halten, ga^ es schnell der Amme.!die auch eine Jüdin war, erklärte ihr in wenig hebräischen Worten, was vorgef^llen/ond bat sie dringend, sich zur Flucht zu rüsten; dann kehrte n! zu seiner Gebieterin zurück. Dia Nachwirkungen jener niederschmetternden Seelenqual waren geblieben, aber sis hatte sie so weit besiegt, daß sie äußerlich ruhig erschien, und o^lö Antwort auf seine ehrerbietigen und ängstlichen Blicke.iaHle ihn. nicht um sie! besorgt zu sein, oder sie von ihxem Vorhaben abbringen!zu wollen. sondern ihr in der jAuSführung desselben brizustehen. Sie versammelte darauf ihr Hausgesinde um sich, Erklärte, was geschehen war, unv rieth ihnen, ihr Heiz in der Flucht zu suchen; und ulfie unter Thränen und Wehklagen sie verließen, und! nur die von ihrem eigenen Glauben bei ihr blieben, übedgab sie ihnen feierlich ihr Kind und erklärte, daß sie s lbft entschlossen sei, sofort nach Lissabon zu gehen. DeigebenS beschwor fie Haffast Ben Ahmed, ein Vorhaben aüfzugebe«. daS an Wahnsinn grenze. Wie könne fie seinem Gebieter nützen? Warum wolle sie nicht auf ihrd eigene. Sicherheit bedacht fein, damit, wenn er ja «rettet werden sollt», daS Gluck ihrer Liebe ihn erhalten bl^b^? ' „Fürchte nicht für deinen-Gebieter, Hassan," war die ruhige Antwort; „forsche nicht nach meinen Plänen, denn in diesem Augenblicke find sie mir selbst noch nicht klar; aber dessen sei gewiß, mir leben oder sterben zusammen. folg«.) Anfragen A. in B. Ich bin allsabathlich zwxi religiö und Antworten. ein angehender Lehrer und habe e Vorträge zu Hallen. Um diese - zuerst aufzufchreiben und dann zu memvriren, fehlt mir die Zeit, da ich täglich außer den 6 Schulstunden auch noch Privatunterricht erlheile; ferner geht mir auch die Uebung in solchen Aufsätzen ab. Ich bitte Sie daher, mir einige hebr. Schrift m; welche zu solches Vorträgen geeignet, resp. für solch« eingerichtet find, zu empfehlen. Dieselben sollen aber keine deutschen Abhandlungen enthalten, da ein solches Handbuch einem Lebrer hier zum Anstoß gereichen^würde L obgleich nicht ein Einziger in hiesiger Gemeinde Hebräisch versteht. . Antwort: Wir können dem Fragesteller zu obigem Zwecke die Schriften Unsres Hartwig Weffely'S empfehlen, dessen Comm« Gan Noül tf. H. in SB. Welchefür die Kinder in der sie unter Aufsicht cineS zu bringen? odersie i überlassen? , Tiefe Frage,ist sch worden, und wir wollen sen Gegenstand auSspreH zweckmäßigsten ist, die ist die angemessenste Placirung Synagoge? Ist eS angemessener, LehrerS auf eine besondere Stelle' tuen Eltern auf deren Plätzen zu )vr ntär zu Chochmath Schelomoh, S mehrere Male an unS gerichtet diesmal unsere Ansicht über die- «n. Wir glauben, daß eS am Kinder bei ihren Ellern während »