Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 56 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Geister. auf welchen die Fesseln der Täuschung und der Verstellung schwer lästeren, und .cS , gab Zeilen, wo cS ibm mübfam gewordenwar, seine Verachtung vor jcben äußerlichen Lbiervan^en, zu welchen sein scheinbarster KatholiciSmus ibn nörbigre, zu verbergen. Als er sich, abyr mit Almah verbunden hatte, batte er eine stärkere Veranlag sung dazu, alö seine eigene SicberbLtt; und da die Zeit verging und er Pater wurde, nahmen Vorsicht und Behutsamkeit durch feine innige Zärtlichkeit für Mutter und Kind wo möglich noch zu. Wie der Knabe heranwuchs und gedieh, legten sich die ersten Gefühle der Furcht, welche aber die Liebe, die er erweckte, bei seiner Geburt hervorgerufen hatte, und selbst Almab's ängstliches Gemüth schmeichelte sich mit der Hoffnung, vaß.die Ruche, deren sie sich erfreuten, dauernd sein würde, wiedas Glück so vieler Anderer ihres'Stammes. Obgleich Alvars Geschäfte sowohl in Monres, als auch in Lissabon geführt wurden, so war doch sein eignes und auch seiner Gemahlin Haftvermögen.-än Badajoz angelegt, einer Grenzstadt Spaniens, von wo er es schon oft hatte zurückziehen wogen, aber immer daran verhindert worden war. Run geschah eS, daß früh im Monat Juni Geschäfte ihn nach Lissabon riefen, und jetzt beschloß er, seinen so lang gehegten Dlarz nicht ferner aufzusckiej ben. Seine junge Gemahlin machte Einwendungen,' aber er beschuldigte sie lächelnd des Aberglaubens, eine Beschuldigung, gegen die sie sich auch gar nicht zu vertheidigen suchte. Da trat am Abend vor seiner beabsichtigten ‘ Reife sein junger maurischer Secretär, mit andern Worten. ein Jude.aus der Derberer, mir dem Ausdruck der größten Bestürzung in seinen Zügen in sein geheimes Gemach, und beschwor ihn dringend, 'feine Reise nach Lissabon auszugeben und mit seiner Gemahlin und seinem Sohne nach Badajoz oder Oporto. oder einer andern entlegenen Stadt zu gehen, wenigstens auf kurze Zeit. Ucberraschl fragte Rodriguez nach der Ursache. .Sie elilnicrn sich deö Senor Levra. Ihres Gastes vor acht oder vierzebn Tagen?" .Vollkommen. Was ist.mir ibm?" .Herr, ich traue idm nicht. Wenn wir in Gcsabr geralden» so ist es durch ihn. Ich habe ibn genau beobachtet, und mich jede Stunde mehr vor ibm-gefürchtet. Er war ein Fremder?" „3a, von der Rächt überfallen und verirrt. Es war unmöglich, rhm Gastfreiheit *u versagen. Daß er länger blieb, ate er nötbig baue, gebe ick zu. aber das ist keine Ursache, bdscrgk zu sein — das Onanier gefiel idnu"^ „Herr." rrwietsrte der Mauri ernst, .ich glaube seinem Geschichte nicht. Er war kein zufälliger Reisender. Ich kann ibm nicht krauen." „Das brauchst Du ja auch nicht," sagte Alvar lachend. .Was giadbst Du kenn, daß er ist. da Du mich mit Deiner grundleien Furcht so anstecken möchtest?" Hassan Ben Ahmeds Antwort, welche ne auch sein mochte, denn sie wurde seinem Herrn furchtsam in's Ohr geflüstert, batte die Wirkung, daß sie jeden Blutstropfen von Alvars Gesicht in sein Her;'zurückkrängte. Aber er schütteltedie betäubende Furcht ab. Er bekämpfte die Vorurtbcile seines Dieners als unvernünftig und unbegründet. HassanS Beiorgniß konnte jedoch nur durch die Vorstellung zum Schweigen gebracht werden, daß, wenn er seinen Man so plötzlich ändern würde, dieses nur Verdacht erregen konnte. Wenn Lepra wäre, was er fürchtete, müßte sein Besuch schon jetzt die gewöhnlichen schrecklichen Folgen gehabt haben. Nichtsdestoweniger versprach Alvar, seine Geschäfte in Lissabon so schnell wie möglich abzumachen, und dann Almah und seinen Sohn abzuholen, um sse an einen sicheren Ort zu bringen, biS dievermeintliche Gefahr vorüber wäre. Trotz seiner angenommenen Gleichgültigkeit konnte indessen Rodriguez von Weib und Kind nicht Abschied nehmen, ohne eine geheime Furcht zu empfinden, die schwer zu verbergen war. Die Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Sicherheit ut|t> Verderben war so schmal, daß sie unbewußt überschritten werden konnte, und dann dürften die stärksten Nerven schaudern vor dem tiefsten Abgrunde, der vor ihm lag. Immer und immer wandte er sich zu gehen, und immer wieder kam er zurück, bis er sich endlich voller Verzweiflung losriß. Ein ahnungsvolles Zittern befiel Almah'S Herz, als sie. ihm nachbhckte, aber sie wollte seiner Stimme nicht Gehör geben. . „Es ist Thorheit," sagte sie, sich selbst tadeluv. „Mein Alvar muß dieses pi furchtsame Herz immer schelten. Ich will ihm nicht ungehorsam sein durch Hrrchl und böse Ahnungen in seiner Abwesenheit. Der (SftU der Namenlosen ist mit ihm und mir," und sie erhob ihre Augen zum blauen Gewölbe über ihr mit einem AuSdrucke, der der Worte nicht bedurfte, um zum Gebete zu werden. Etwa eine Woche nach Alvars Abreise saß Almah an der Wiege ihreS Knaben, seinen sanften, rosigen Schlummer bemachend, in stiller, inniger Dankbarkeit, daß solch ein Schatz ihr geworden war. Die Witterung war ungewöhnlich heiß und trocken, aber daS Gemach, in welchem die junge Mutter saß. ging auf einen lieblichen Platz hinaus, tief beschattet von Pomeranzen-, Limonen- und Mandelbaumen, und geschmückt mit hundert andern süßduftenden Pflanzen in voller Blütbenpracht; dazwischen sandte ein Springbrunnen seinen mächtigen Wasserstrahl empor, der plätschernd in ein Marmorbecken zurückfallend, die angenehmste Kühlung verbreitete, und wie Diamanten in der Sonne funkelte. Da erschallten aus dem Garten eilige aber doch schwere Schritte, die darauf plötzlich und mit Mühe in eine weniger rasche Bewegung gebracht zu werken schienen. Ein Schatten fiel zwischen Almah und den Sonnenschein, und erschreckt blickte sie bastig empor. Hassan Ben Ahmed stand vor ihr. seine dunkle Wange leichenblaß, und seine Unterlippe so krampfbaft zusammengezogen, daß eine schmerzlich verhaltne GemüthLbewegung nicht zu verkennen war. „Mein Gemahl! Hassan. Welche Nachrichten bringst Du von ihm? Warum bist Du allein da?" Er legte seine Hand auf ihren Arm und antwortete mit einer Stimme, welche so zitterte, daß nur ein so gespanntes Öhr wie das ihrige seine Worte verstehen konnte. „Gebieterin, tbeuerste Gebieterin, Sie haben ein starkes und treues Herz. O! aus Liebe zu ibm, der jetzt Leiden über Sie verhängt, bieten Sie Ihre ganze Kraft, Jbrc ganze Stärke auf. Gerhrteste Frau, ermatten Sie