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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 56 (1857) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
56 (1857)
Date
1857-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches VolWlatt. Zur Leiehrung und rinterhaltung auf jüdischem Gebiete. HerauSgrgeden von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. (Ro. S«. 18571 Bon tikktr orl»,«n» eine Nu«»er. Br-i« de» ganq« i tblr. ijumljibrig 71/, Nor. *0« Bu-db-intloo-»». i‘vö und 3tunng*tfr<tittc>nr* u<bm<n B«Kellunu»n ->» 2^'. s4. Jahrg. 4. Quartal. S. Hälfte Ro. 53-SS.I Die Rettung. 1155. i - (Nach einer Thatfache.); AuS dem Englischen der Miß Gracjk Aguilar. <Sor«i«tzung.) r Und war Alvar Rodriguez in der Tbat. waS er zu sein schien? Wenn so. was bedeuteten denn jene fremdartigen. mvsteriösen Gebräuche, mit densn er im Geheimen feine AMWählung feierte? Wozu dienten denn die vielen DorrlEWMgen in seinem Haufe, die verborgenen Gelaffe neben seinem Wohnzimmer, in Welche alle Arten verbotener Speisen von seinem Tische gjrtragen wurden, damit seine Seele nicht befleckt würde dusch Ungehorsam? Wie kam S denn, daß er unter irgend einem geschickten Vorwände jährlich allen seinen Bediensteten «inenTag frei gab — Erlaubniß zur Abwesenheit auf vierundzwan^g Stunden — allen außer denen. welche um Erlaubniß baten, bei ihm zu bleiben? Und daß Alvar, seine Gemahlin, sein maurischer Seeretär und die Dienstboten, welche seiner Vermählung beigewohnt hatten, diesen Tag mit Fasten und Beten zubrachten — daß von Abend bis Abend weder Speise noch Trank über ihre Lippen kam; oder wenn sie zufällig an diesem Tage nicht frei sein konnten, daß ihre Mahlzeiten wie gewöhnlich aufgetragen wurden, sie eS aber so einzurichten wußtein, daß die Speisen auSfaben. als ob von ihnen genossen worden wäre, während doch nicht das Mindeste>"davon berührt worden war? Daß der Sabbath mit^scheinbareq Vorbereitungen für den Sonntag, mit Einstellung jeglicher Arbeit, und unter häufigen Gebeten zugebrachl wurde, war vielleicht weniger auffallend; aber die andern Geheimnisse —• Geheimnisse. die nur Alvar, seiner Gemahlin und fünf vder sechs Personen seines HauShalteS bekannt waren, aber nie durch Wort oder Zeichen verrathen wurde» — wie erklären wir die? ES magEinige geben, denen die Erinnerung an diese Dinge, vle bei ihr^n ^Vorfahren so gewöhnlich waren, noch gegenwärtig ist; atber der bei weitem größten Zähl unserer Leser find sie littet Wahlschein^ lichkeit nach ebtn so unbegreiflich wie ungewöhnlich. Alvar Rodriguez war Jude. Einer! von den vielen, welche in Spanien und Portugal die Gebote ihres großen ^ksetzgeberS MofeS erfüllen, aber äußerlich vor den Heiligenbildern der Katholiken knieten, um die Religion ihrer Väter desto fester in ihren Herzen und ihren Häusern zu bewahren. Don Vater auf Sohn vererbte sich daS Geheimniß ihre-! Glaubens und ihrer Abstammung, so früh und so geheiymißvoll beigebracht. daß die kleinen Kinder eS schon kanü^n; aber sie bewahrten eS so treu und gewissenhaft, >ay fle allen Nachforschungen der 3«- quifition entgingen. lange bevor sie die Hedeutung oder die Gefährlichkeit deSi ihnen Anvertrauten verstanden. Wie dieses möglich war. wie die Religion GottrS mitten unter Unduldsamkeit und Verfolgung so erhalten wurde, wirv ewig i »erklärliche bleiben, da-zum Glücke Israels eine so furchtbare Heimlichkeit nicht mehr nöthig ist. Aber daß sie beland. daß jüdische Kinder, obgleich von Mönchen und ir Klöstern erzogen, doch der Religion ihrer Väter treu blieben, nie durch Wort oder Zeichen HaS ihnen anvertraute Geheimniß verriethen. _iznd selbst Galten und Väter geworden, ihr heiliges und gefährliches Erbtheil ihrer Rachkochmenschaft überlieferten — daß solche Dinge bestanden, wissen noch beute manche unter den jüdischen Bewohnern Englands, deren Vorfahren, noch vor wenigen/Generationen, so geglaubt und so geschwiegen haben. Es war die Macht GotteS, nicht menschliche Macht. DeS Menschen Kraft wäre dazu nicht im Stande gewesen. Folter und Tod würden lange jeden Ueberrest von Israels geweihtem Geschlecht« vertilgt haben. Aber eS sollte nicht sein, denn Gott hatte gesprochen. Und als ein lebende- Wunder, als eich steter Beweis seiner Treue, seiner Gerechtigkeit, ja, seinSü Erbarmens, wurde Israel mitten in Gefahren,/ im Angesichte deS ThdeS selbst erhalten. und wird ferper erhalten werden für und für. ES war keine bloS freudige Ceremome, die der Ehe, unter den heimlichen Israeliten Portugals und Spaniens. Sie verbanden sich, um einen verfolgten Glauben zu erhalten und fortzupflanzen. Sie waren nicht länger seine, einzigen Bewahrer. Wankte die Kraft eine- Einzigen, so war Allezu Ende.! Sie vereinigten sich durch die süßen Fesseln der Liebe' —I schufen sich, neue Bande, neue Hoffnungen, neue Seligkeit in einer einpjKblühenden Familie -rwas Alle» mit qinem Striche zerstört werden konnte. Sie lebten in einer Atmosphäre deS Tode», aber sie lebten und waren sslülckllch. In einer solchen Lage jedoch war eS kein Wupdet, daß diese Gedanken in Alvar und seiner Braut an ihrem Hochzeitstage vorherrschend waren, und daß die feierliche Stunde, die vor dem Angesichte ihres GotteS ihre Geschicke auf immer zu einem einzigen verband, mit einem Schrecken und einem Schaudern erfüllt war. von welchen jüdische Liebende im freien und glücklichen England keinen Begriff haben können. Alvar Rodriguez war einer jener hohen und idlen v ■ i

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