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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 55 (1857) · p. Seite 219

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
55 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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Nebst diesen giebt eS noch andere israelitische Oekonomen, die theils eig'enthümlichen, theils gepachteten Wirtschaften vorsteben. Die Anzahl der Lanbbau treibenden Israeliten diese- Bezirkes belauft sich auf etwa 30 Familien, und der Flächeninhalt deS Von Ihnen bearbeiteten BodenS auf 11—12,000 Joch. Der Oekonomie und dem Handwerk zusammengenommcn widmet sich wohl ein Drittheil der Israeliten dieses Bezirks. Ueberhaupt zeigt der Jude Niederungarns eine starke Vorliebe fowol für schwere- Handwerk als für Landbau. und man sieht Juden, die allen Observanzen genaue Rechnung tragen, und dennoch Pflug und Sense befftr führen, als mancher Bauer. , Die letzlgedachte Wahrnehmung wird unS auch auS der Hegyalja — die bekanntlich den köstlichen Tokayer erzeugt — mitgetheilt. Der Weinbau wird im Hegyaljagebirgff mit solchem Eifer betrieben, daß in jedem Oertchen diesiu Gebirgsgegend Israeliten sich daran betheiligen. In Ma6l, JolSva, Pattak, Ujhely, Szanto rc. leben Hunderte von Israeliten, die sich dem Weinbau widmen. Diele von ihnen bebauen ihre eigenen Weinberge, andere kaufen in der Weinlese Trockenbeeren, um den selbstgezogenen Wein zu veredeln, andere reisen nach Warschau, um ihr Product zu verwerrhen. Gleich nach dem Purtmfeste begtnnenl die Arbeiten. daS weibliche Geschlecht nimmt daran Theik, und meist sind eS junge Mädchen, die die Rebe singend einfrtzen. Innrer Regel wird die Weinlese mir einem Mahle eingeleitet. daS am Sabbath nach dem Laubhüttenfeste siaitfindet. In S. A. Ujhely verdienen die Herren JonaS Bürger und David Schwarz wegen der Sorgfalt, die sie. dem Weinbau zuwenden, öffentliche Anerkennung. Jüdische Pächter giebt eS sehr viele; mit besonderem Lobe finden wir zu erwähnen die Herren Aron Clar aub Szamotor. Schwarz in Pelejte, Adler in Patzing. Im Szobolczer Comitate leben manche jüdische Familien, die sich schon seit einem halben Jahrhundert mit Agricultu^ beschäftigen^ Hartstein in Ujvaros. ein Greis von 70 Jahren, steht noch recht rüstig seiner Wirthfchaft vor, sein>Sohn Jakob ist Pächter einegroßen Gutes in T. Dalla. und der Enkel ist eS in NanaS. I Durch die dankenSwerthe Güte des Herr» Dr. David Pillitz in Dößprim erhalten wir die Zuschrift eines geach»- teien israelitischen Gutsbesitzers aus Sz. Gäl nächst Deßprim. Es gereicht unS zur verstärkten BeftieLigung. auS dem einst wegen seiner Unsicherheit berüchtigt,« Bukonyer- Wald berichten zu können, daß eS Juden sind, die von gleichwie zur .Verbesserung deS BodenS. auch^ zu jener der Sitten ihr Schärflein beigetragen haben. ' 3m Dößprimer Comitate giebt eS bedeutend^ israelitische Oekonomen. Zu den bekanntesten zählen: Salomon Neumann auS Papa. Eigenthümer eines ansehnlichen Gute-, und^seit vielen Jahren Pächter der ausgedehnten GlaS-, Spiritus- und Pottasckefabriken deS Grafen ^sterhaty zu Sombegy, Gebrüder Rechnitzer, Pächter der fprstl. Esterhazy'schen Herrschaft Gyulazözy mit bedeutenden Schäfereien, Heinrich Sigmund zu St. Gul. David Fischet. Sohn deSrühmlich bekannten Porzellanfabrikanten. Mortz Stern und Moritz Neumann, der Wiener Großhändler Eduard TodeSco. Besitzer eines bedeutenden ComplereS zu Nagy« Däfony und noch viele andere in den Zalaer, Tolnaer und Somogvcr Comitaten, die theils eigene,! theils gepachtete Güter bewirchschaften. AuS den angeführten Thatfachcn geht unwidsrlegUch hervor, wie ersprießlich, die israelitischen Oekonomtn auf ibre Umgebung wirken. „Ich selbst." schreibt tmser Berichterstatter, „durch-HeK öftereintretenden Futtermangel zum Nachdenken angeregt, habe hier die erste Häckselmaschine u«d eine ver- / besserte FütterungSmerhode eingeführt. Beides fand Nach-* ahmung. und gegenwärtig beschäftigt mich der Gedanke, wie man derartige .landwirthschaftliche Maschinen der wentger bemittelten Claffle zugänglich machen kann. Der frühere Pachter in GstSmoS erhielt mit Nolh 3—400 Schafe und einige schlechte Zugochsen, während die jetzigen^ die Herren M. Stern!und M. Neumann, 800—1000 cA Schafe und viele gute, Zugochse« galten. Ebenso T)at Hr. Eduard TodeSco W N. DLsöny beinahe alle in sehr schlechtem Zustande übetnpmmenen WirthschaftSgebäude ' ganz neu hergestellt., großartige Spiritusbrennereien errichtet. und daS früher nur gering zu, verwerthenbe Holz auS __ den benachbarten Waldungen der Stadt Veßprim zugänglich gemacht. l Nicht minder günstig ist die Einflußnahme, welche viele kleinere jüdische Oekonomen durch Nüchternheit, Fleiß und vernünftige Sparsamkeit auf ihre Umgebung üben. Diese Eigenschaften treten, einerseits gegen die Trägheit und Gedankenlhsigkei! deS ungarischen Bauerhervor (der das Sprüchnfort im Münde führt: „A panik is csak igy szoktak** |— unsere Väter haben eS auch nur-so gemacht) . anKrsÄtS gegen die Prunkrrnd Vergnügungssucht -NS' kleiven EdelmannS. Der Indische » Oekonom beauffichtigl sein Gut selbst, müht sich von Früb bis Abend ab, und hält, auch seinen Knecht zu Fleiß und Ordnung an, Nur so läßt sich der Fall "erklären. daß eine Pußta von.1000 Joch, die seither im zehnjährigen Durchschnift Nicht Einen Gulden eintrug, gegenwärtig an einen jüdischen Oekonomen mir 8000 fl. ' verpachtet ist. , Unser wackerer Berichterstatter knüpft hieran Beispiele - TVlrr-kbMft-fahrtsfstgen- ^Verwaltung von Gemeindegründen. ES wäre zu wünschen, fügt er hinzu, daß den ver» ehrlichen ComitatSbLhörden von oben herab ein Wink gegeben würde, an den Orten. woselbst fick israelitische Grundbesitzer vorfinden, sie der Gemeindeverwaltung — wenigstenfür die ökonomische Abcheilung — zuzuziehen. Hieraus dürfte eine viel bessere. Gebahrung deS Gemeindevermögens, eine billigere Repartition der Steuern und eine kräftigere Förderung aller wohlthätigen Institutionen entstehen. — AuS Böhajen und Mähren haben wir im vorigen Jahre Mancherlei-über den Betrieb der Landwirthschaft bei der israelischen Bevölkerung gebracht. Ergänzend hinsichtlich deS letztgedachtev KronlandeS schreibt unan uns aus TreKitsck: Auch hier und in der nächsten ' Umgebung wird di« Oekonomie pachtweise mit Fleiß und Emsigkeit betrieben, und war^ di, BesitzfLbigkeit der Israeliten nicht provisorisch aufgehoben, gewiß würde schon ein bedeutender Theil unftrer wenig bemittelten Gemeindeglieder den sie nur kümmerlich ernährenden Kleinhandel verlassen haben, um so wie ihre Borfahren in Palästina, und ibre Glaubensgenosse« noch jetzt in andern Ländern den Pflug mit Freude zu ergreifen. — Als musterhaft wird die von Herrn Spitz auö PilSling pachtweise betriebene und milj großartiger SpirituSerzeuzung verbun-

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