Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 55 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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218 und übergroße- Glück macht unzufrieden.! Glücklicher Weise kommt da Dein ehrwürdiger Vormund, um Dich zu schelten und kiesen thörickten Launen Schweigen zu gebieten. Wie viele Vermählungen wie diefeHat enicht schon gegeben, und wird enoch geben? Kojnm, .lächle, Liebe, wahrend ich Deinen Schleier ordne."! Almah gehorchte, obgleich ihr Lächeln erzwungen war, als ob die Seele trotz ihrer Freude doch erbdbte. Beim Eintritt ihres Vormundes .GonzaloS (sie war eine ' Waise) wurde ihr Schleier über sie geworfen, so daß er Gesicht und Gestalt vollständig verhüllte, «einen Arm nebmcnd und von ihrer ganzen weiblichen Umgebung begleitet.!wprde sie schnell und schweigend in eine Art Vo» ». zimmert oder Cablnet geführt, das durch eine verborgene Tapetesttbür mit den Zimmern in Verbindung stand, die zum Privat'gebrauche de- Kaufmannes und seiner Familie dienten. Dort erwarteten' sie Alvar und seine Freunde. Ein B-lbackin, von vier der jüngsten männlichen Anwe» senden getragen, wurde über Braut und Bräutigam ge« halten, alS sie mit dem Gesichte yach Osten gewandt da« standen. Gin silberner Credenzteller stand zu ihren Füßen, und vor ihnen stand ein alter Mann, mik/inem kleinen, kostbar gebundenen Buche in der Hand. ES war geöffnet. und ließ Scktiftzüg« von ungewöhnlicher Form erkennen Ein anderer von Alvar- Freunden stand in der Näbe. mit einem Becher geweihten Weites; und einem dritten wurde ein feines venezianische- Trinkglas gegeben. Nack einer kurzen feierlichen Pause laS oder sang vielmehr der alte Mann auS feinem Buche, und viele der Umstehenden stimmten mit ihm ein; darauf kostete er den geweibren Wein und reichte dann den Becher der Braut und dem 'Bräutigam. Almah'S Schleier wurde zurückgeschlagen, damit sie den Becker mit ihren jetzt vor Be- . wegung zitternden Libyen berühren konnte, und dann nickt wieder berabgelassen. Und Alvar — wo war jetzt der Ausdruck des SrottcS und der Verachtung, der vorbin auf seiner kühnen Stirne und um seine gekräuselten Lippen gespielt hatte? Verschwunden — untergegangen in der mächtige^ Gemüthßbewegullg. welche ihm kaum erlaubte, den Becher ei« zweite- Mal aa seine Lippen zu führen. AlSdann davenezianische Glanehmend, zerbrach er eauf.dem Teller zu feinen Füßen, und käs seltsame Ecremottiel war zu Ende. Aber keine Warte der Beglückwünschung folgten. . Die Gesellschaft zog sich enger zusammen, während Alvar die jetzt fast ohnmächtige Almah an seinen Busen drückte und im Tone deS tiefsten Gefühlihr zuflüsterte: »Mein. mein jetzt für immerdar — mein vor dem Angesichte Gotte-, kcs GottrS der Verbannten und Getreuen; unser Schicksal, welcheeauch sei. ist fortan nur eineS." Dann crbob der alte Mann feine gefalteten Hände und betete. »Gott der Namenlosen und Heimatblosen." sprach er. unp cS war in derselben fremd aber feierlich klingenden Sprache »wie zuvor, »habe Mitleid mit diesen deinen Dienern, die in keinem heiligen Namen verbunden sind, um da- Geschick , auf Erden zu theilen. dadein Wille ihnen bestimmt, mit ehiem Herzen und einer Seele. Stärke sip, da- Gebeimniß ihre- Glaubens uny^reS Geschlechtzu bewahren. eS ihren - Nachkommen zu lehren, wie sie es von ihren Vätern empfingen. Verzeihe ihnen und unS die Täuschung, deren wir unS schuldig machen. um dein Gesetz und dein Erbe zu bewahren. 3m Lande des Verfolger-, deS DerderberS sei du ihr Schild und rette sie, um deines heiligen Namenwillen. Aber wenn Entdeckung und ihre schreckliche Frfgen — Kerker. Folter, Tod — sie erwarten, stärke du ne in ihren Leiden, damit sie sterben, wie sie für dich leben würden. Vater, höre uns! heimathlo- und namenlos auf Erden sind wir stetdein eigen!" »Ja. starke mich für ihn. meinen Gatten; wandle meine Weibesschwäche für ihn in dein« Stärke, allmächtiger Vater," war' daS stumme Gebet, mit welchem Almah ihr bleicheS Antlitz von ihres Gatten Busen erhob, an dem eS «ährend jenes furchtbaren Gebetes geruht hatte; und in der Beruhigung, diein ihr pochendes Herz einzog. laS sie feine Srhörung. Es bauerte einige Minuten, bis die erregten Gemüther der frommen Versammlung, der Männer wie der Frauen, der Herren wie der Diener, ihre gewohnte Fassung wiederfanven. Aber solche Scenen. solche Gefühle waren nichts Seltenes; und ehe Rodriguez'S Diener zurückkebrten, war weder in dem Haufe noch an seinen Bewohnern wahrzunehmen, daß während ihrer Abwesenheit etwa- Ungewöhnliches sich ereignet batte. Die Portugiesen sind zu keiner Zeit Freunde von Gesellschaft, so daß eS kein Befremden erregte, daß Alvar und feine Neuvermählte, nachdem eine Woche in Gastereien verflossen war. fast ganz in stiller Zurückgezogenheit lebten. Alvar besuchte sein Geschäftshaus in MonteS.mie gewöhnlich, und wer ihn eben auf seinem schönen Landsitze besuchte, war entzückt über seine Dewirthuug und seine Wirthe. so daß der Kaufmann Alvar weit und breit bekannt war durch seine Gastfreiheit und den streng orthodoien KathokicismoS, mit dem er seinen Haushalt führte. (Foriithung folgt.) Die Landwirthschaft bei den Juden in Oesterreich. Da- »Wertbeimer'sche Jahrbuch für Israeliten. 5618" (Wien. 1857) bringt über die von Juden im Kaiserstaal betriebene Landwirthschaft interessante Notizen, die wir hier wiedergeben, weil sie dazu dienen können, nach innen und außen Vorurtheile zu vermindern, die in dieser Beziehung noch gang und gäbe sind: Eine bedeutende Oekonomie wurde in Steinamanger von zwei Israeliten gepachtet, und der rationellere Betrieb gestattet ihnen, ihre Erzeugnisse billiger abzugeben, aldies unter der früheren Pachtung der Fall war. Auch eine in dortiger Umgegend gelegene Fürst Esterhazy'sche Domäne ging an einen israelitischen Pächter über. In Niederungarn und namentlich im Szarvarder Bezirke ist die Landwirthschaft unter den Israeliten stark verbreitet.;Die dem Wiener Großhändler KönigSwarter gehörige 7000 Joch große Pußta-Cjsba-Ezüd ist an Juden verpachtet. In trefflich geleiteter musterhafter Weise betreiben die Herren Eduard Berger und Leopold Engel ihreUDirthschaften, der erstere in einem 2000 Joch, der letztere in einem 1300 Joch umfassenden Eigenthume.