Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 55 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
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220 Vene USittbftfcatt aui tmi Graf Samberg schcn Gute Gillenberg gerübmt. Daß tic geringe Anzahl der in österreichisch Schlesien ansässigen Israeliten sich mit besonderer Vorliebe dem Ackerbau zuwendel, kam ebenfalls schon früher vor. Aber ein edler Zug von einem jüdischen Gutsbesitzer in Schlesien' ist hier.wob! an. seiner Stelle. Hin Unecht in DomaSlowitz, KreiS Teschrn. zündete dem dasigen jüdischen Gutsbesitzer die Scheunen an. Das Motiv seiner Thal war Nacke. indem kurz vorder der Gutsbesitzer den Knecht wegen Waldfrevel mit einer Geldbuße bestraft hatte, Die gerichtliche Untersuchung stellte auch den betreffenden Knecht als dfn wirklichcU-Tbätcr heraus, und das Unheil lautete laut Standrecht auf Todesstrafe. Der jüdische Gutsbesitzer jedoch sandte an den Kaiser ein Begnadigungsgesuch für den Brandstifter ein. worin er das Verbrechen durch Hervorhebung aller mindernden Umstände in das gelindeste Licht zu setzen suchte, was denn auch wirklich zur Folge batte, , daß die Todesstrafe in mehrjährigen Kerker verwandt ld wurde. Tie zahlreiche Familie deS Derurtheilten bat dci Gutsbesitzer ebenfalls in feine Versorgung genom- Hs mag diebezeugen, daß daS mosaische Gebot der iFdinkesliebe (das sich bis aus däS verirrte Dieb des F^itrdcs ansdebnt) auch in Saft und Blut übergegangen ist. ' >»Die jüngst in Venedig starkgefundene allgemeine Aus» stejllung har Anlaß gegeben, auch die agronomischen Verdienste der dortigen Israeliten ins Licht zu setzen. In dem bezüglichen Artikel der Gazzetta ufficiaie di Venezia wirb Folgendes gesagt: Nabe am Strande des adriariscken Meeres, dem Hafen von Gn.occa gegenüber, haben die Anschwemmungen des Do sebr ausgedehntes Erdreich erzeugt, das von den Higenthümern als Sand oder Sumpfland ganz vernachlässigt, durchaus keinen Ertrag abwarf. DaS hat sich jedoch gänzlich geändert. seitdem H. Sullam aus Venedig und H. Ravenna aus Adria einen großen Theil dieser Landstrccke erstanden. Wie durch Zauber verwandelten sich diese unfruchtbaren und ungesunden Ebenen in urbares Land, in Reisfelder.-in Wiesen, in Weinbau.- Durch Damme sor Ueberschwemmung geschützt, wird sowohl die Bewässerung als-die. Entwässerung in äußerst sinnreicher Weile. in Anwendung gebracht. In ebenso rationeller «Weise ist für die Erhaltung unv Dermcbrung deS Vieb- ^standes gesorgt. Zahlreiche und -gut gebaute Baurrnbanser-gewäbrcn den Bauern und Chausseewächtern gesunde Wohnungen, und Wohlstand verbreitet sich in diesen Gegenden immer mebr. Allerdings mußten zur Erlangung solcher Resultate ebenso Geisteswit Gelrkräste aufgebolen werden, aber der feste und ausdauernde Wille, womit dies ins Werk gesetzt wurde, bat am Ende auch die größttn Schwierigkeiten überwunden. Wie jetzt an die Herren Sullam und Ravenna, batte schon früher daS agronomische Institut an mehrere iti gleicher Beziehung verdienre^Israeliten Preise auszetheilr, namentlich an die Herren Levi und Lattis. Der von rem letzteren unternommene Versuch in Vgvxrcn. zwei Reisernten rm Iabre statt einer zu ermöglichen, ist nach den neuesten Nachrichten mit dem glänzendsten Erfolge gekrönt worden. Auch bei der von der k. k. Landwirthschafts-Gefellschaft in Wien im Mai 1857 veranstalteten land- und forstwirtbschaftlichen Ausstellung waren österreichische Juden, mit Berücksichtigung der ihnen auferlegten Beschränkungen, in ehrenwertber Weise vertreten. Dem Gutsbesitzer Ferdinand Wertheimer zu Ramshofen in Oberbsterreich wurde die große silberne Medaille für das von ihm ausgestellte schöne Rindvieh, Allgäuer Rare, zuerkannt. Ebenso erwarben sich die von demselben ausgestellten landwirthschaftlichcn Preducle, sowie daS schöne, von Braun in Preßburg ausgestellte Mastvieh allgemeine Anerkennung. Abrabam Zwrllinger aus Hollesckau in Mähren hatte künstlichen Guano — den billigsten aller bisher erzeugten — ausgestellt. Derselbe hatte ferner einen Eifenofen mit RauchverbrennungSapparat ausgestellt, wofür er durch Verleihung der bronzenen Ausstellungsmcdaille ausgezeichnet wurde. DaS von Moriz Diamant auS Maisstroh dargestellte Papier gehörte zu den interessantesten Gegenständen der Ausstellung. Gleichzeitig waren in der Brigittenau auch die Maschinen des strebsamen Wiener Großhändlers Carl Kanitz zu Hanfl und Flachsbereitung ohne Rösten ausgestellt. Diese Maschinen haben die größte Aufmerksamkeit sowohl der Landwinhe als der Industriellen, auf sich gezogen. Hr. Carl Kanitz bat nach jahrelangen Studien übep die Anwendung des Maschinensystems zur Verarbeitung dieser zartfaserigen Pflanzen die Picciotto'sche Erfindung a!S die namentlich durch außerordentlichen Zeitgewinn geeignetste erkannt, und praktisch vor Augen geführt. Bewährt sich dieses Maschinensystem, wie wir nicht den geringsten Grund zu zweifeln haben, so kann eineö der hauptsächlichsten Dodenproducte Oesterreichs, der Hanf- und Leinstengel, auf'diese Weise rasch zum WeltbandelSartikel herangezogen werden, und dem großen Industriezweige der Spinner. Weber und Seiler steht ein neuer Aufschwung durch die maschinenartige Bereitung dieses Rohmaterials bevor. Anekdote aus dem Leben. Auf der vorjährigen.Lebrerconferen; zu Crefeld fragte ein junger Lebrer. der wohl zum ersten Male in seinem Leben hier eine Gaseinrichkung sah, einen Amtsbrudcr: „Lieber Herr College, wie drstniren Eie „Gasometer?" Obne sich lange zu besinnen, erwiederte der Gefragte: Gasometer heißt-Gascrebbe (maitrc). L—n in B—n. Allgemein« Zeitung de» JudenthumS. No. 41. 1857. Leitende .Artikel: Dr. Spitzer, wirklicher Gesandter in Nearet. — Die Real-Encyclooäti« (ConversationS-Lericon) de» Iudentbvms. — Literarischer Wochenbericht. ZeikungSnachrichren. Deutschland: Kreis Eschwege. Oesterreichischer Kaiserstaat: Liplo Szt. MiklüS, Wien. Rußland: Petersburg. 3U deritbeu durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. viertttjäbrlich */4 Tbaler. LerantwonUcher Redakteur: K. Nabe. Aerla, von IN fcmjig. — Lr««e vv» »ttka,dir Vier» u,