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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 54 (1857) · p. Seite 215

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
54 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 215 (sequence 3)
Language
German
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wir Juden der jetzigen Zeit viel empfindlicher find, s» bleibt sich diefür die Wirkung ganz gleich. Da» Wunder nun. daß sich der einzelne Jude, der sich auf Reisen bezieht, und augenblicklich mit Fremden in Berührung kommt, dadurch einer verächtlichen, oder nur abstoßenden Behandlung zu entziehen sucht, indem er sorgfältig verbüket. sich al- Juden zu erkennen zu geben , wozu ihm ein wirklicher Grund auch nicht vvrliegr? Ich meine natürlich hiermit nicht Diejenigen, welche absichtlich mit christlichen Ausrufen und Redensarten um sich werfen, um nicht allein nicht als Jude erkannt, sondern noch geradezu sich als einen Christen zu bezeichnen. Dies ist eine erbärmlich« schwäche. Zn jedem anderen Kalle aber können wir jene ängstliche Vermeidung «ließ Charakteristischen nicht für eine schuldhafte Verleugnung seines Glau. benS ansehe», sonder« nur als eine gerechtfertigte Verhütung derjenigen UebelstLnde, welche der ungerechtfertigt Haß und daS unmottvirte Borurtheil de« Zuden überall bereiten. Zn der Heimath haben sich die Verhältnisse in bestimmter Weise gestaltet, der Kreiß ist geregelt, die Stellung gewonnen. Aber in der Fremde, wo die Beziehungen der Reisenden ftei und ohne bestimmtes Maß sind, wo nicht die Persönlichkeit in ihrer ZudividualitLt, sondern überhaupt nur der Mensch gelten soll, da ist eS natürlich, daß der Jude fich möglichst den Chikanen und Hintenansetzunge« entziehen will, welche chm durch die einmal verbreiteten Boruriheile selbst bei sonst guten und feinen Menschen entgegen kommen. CS ist also daS besprochene Benehmen der Zuden nichtals ein geheimer Protest gegen die BL-willigkeil der Welt wider seinen Stamm, weil er weiß, daß allerorten dieser Erbfeind seine- Wohlbefinden- und feiner gerechten Ansprüche als Mensch auf ihn lauert. Die-, rheurer Freund, ist die Antwort auf Ihre Frage, die ich Ihnen audem Dickicht de- Walde-. wo dascheue Reh meiner freundlich entgegengestreckten Han» entfloh. heimgebracht habe. LebenSrettun» Kaiser Otto II. durch den Juden Kalonyrnos.*) Bon Dr. BLrvald. Heb« die Schlacht,** welche Kaiser Otto U. am 13. Zult 982 in Calabrien, südlich von Kotrone, gegen die Araber verlor, und die unter dem Namen der Schlacht bei Dafantevo berühmt ist. hat under Bischof Thietmar von Merseburg (starb im Jahre 1018) in seiner Chronik einige ebenso merkwürdige alS glauben-werthe Nachrichten ausbewahrt. Wir heben au» denselbeu die folgende Notiz heraus, durch die jener Bischof die rühmliche Thal eineunserer Glaubensgenossen für immer der Vergessenheit entzogen hat. *) >«- WerthetMer'S Jahr», für Iftaelite». S»ltz. St«. 41L7. S. 74. **) Vergleich« darüber die Chr»«U Thietmar» von Stnft» »■ig, »,ch HI. Ca». 42, bet Per» Hon. Germ. Xea. V. p. 764, feruer Gtefebrecht Gefch. d. deutsch«, KaiftrzeC. Ad. I. v. »»7 v»d 790. Zn jener Schlacht nämlich geschah e-, daß Kaiser Otto, dessen Heer die Araber bereitbesiegt hatten mit seine« Mannen unausgesetzt den Feind verfolgend, plötzlich von unermeßliche» Schwärmen auden' Gebirgen hervorbrechender Araber angegriffen, in die Enge getrieben und umzingelt wurde. Zn dem mörderische» Kämpft, der sich da entspann, wurde die. Blüthe der deutschen Ritterschaft thdilniedergehauen. theilS. gerieth sie in schmähliche Gefangenschaft. Ringvon den wüthenden Feinden umgeben, wäre auch der heldenmüthige, junge Kaiser, daweltliche Oberhaupt der abendländischen Christenheit in die Gewalt der Saraceaen geratben, Hüttenicht einer der untergeordnetsten Diener ihm in der größten Gefahr die gtößte Treue bewiesen und Rettung gebracht, Dieser, ei» Zude Namen- Kalovvmo». eilte, al» die Noth am höchsten war. feine« erschöpften Herrn zu Hülfe und lieh ihm sein Roß. Auf demselben gewann der Kaiser i in beschleunigter Flucht da- MeereSufer .und wie er," fährt Bischof Thietmar fort, .in der Ferne ein Schiff, eint sogenannte Salandrin erblickte, schwamm er auf dem Rosse de- Juden Kalonymodarauf zu. Da- Schiff aber fuhr vorüber, ohne ihn ausnrhmen zu wollen. Aler dann wieder nach de» SchutzwLnde» am Ufer zurücktehrre, fand er den Juden noch 'daselbst stehen, indem er in »»U-"' Itr Angst abwartete, wie eseinem geliebten Herrn ergehen möchte. AlS nun der Kaiser die Feinde herankommen sah, fragte er den Zuden traurig, wanun wohl auihm werden sollte. Zn dem Augenblicke aber erblickte er ei« zweite- Schiff unv bemerkte auf demftlben einen ihm bekannten Ritter. Behend schwang er sich wieder aus daß Roß, daihn zum zweiten Male rettend durch die Wellen an den Bord de- Schiffetrug.- Wirklich erkannte auch der Ritter, auf den ver Kaiser seine Hoffnung gesetzt hatte, seinen Herrn, nahm ihn ehrerbietig auf und bewog die Schiffleute durch große Versprechungen, gen Roffano zu steurt». Al- «au hier angelegt hatte, eilte der Kaiser in die Stadt zu seiner Gemahlin, mit den Seinen Gott für die wunderbare Rettung bankend. Der Kaiser ließ dje Hingebung und Treue de- Zuden, der ihm sein Leben gerettet hatte, nicht »«belohnt, ja er scheint die Familie de- Kalonymonoch der besonder» Gnade seine- Sohne-, denachmaligen Kaiser- Otto III. empfohlen zu haben. Cist wahrscheinlich, daß Kalooy-, mos auf de» Kaiser- Veranlassung au- Italien nach Deutschland überfledelte. Deny hier blühte seit dem Ende dezehnten Zahrhundrrtda- 'Geschlecht derer von Kalonymoben Meschubam, au- Ztalie« stammend, vornehmlich zu Mainz und Speiex;. der erste berühmte Rabbi Deutschlandging audiesem Stamme hervor, der sich in einer ganzen Reihe ausgezeichneter Männer fortpflanzte. Rphortt««. Bo» Dr. JBatM, Coble»-. Wader bedrängte» Tugend jene Heldenkrast zur Au-dauer verleiht, ist Ml Morgenröthe der Grftillnng, die schon ahnung-volk in ihr schmerzliche- Stteben hineinleuchtet.

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