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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 54 (1857) · p. Seite 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
54 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 216 (sequence 4)
Language
German
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tu \ Wer könnte durch die Dornbecken de- Lebenstreichen, ebne etwavon seiner Wolle bangen zu lassen! Wie schlimm müssen solche Zeilen sein.wo man da- Edle nach Maßgabe des Spotte-, der ibm zu Theil wird, zu schätzen und das Schlechte nach dem Grade deihm gespendeten Lobezu verachten bar. Wer eilten Schriftsteller liest, der seine gebaltvollen Gedanten in einen'unbeboltenen Stvl kleidet, mag wohl dasselbe Gefühl haben, wie ein Wanderer, der im Be, griffe eine schöne Aussicht zu genießen, jeden Augenblick über eine Baumwurzel stolpert. Unter allen heidnischen Lehren, die biauf unge, kommen sind, giebr es eine, welche besondervon manchen Krauen gewissenhaft beobachtet wird; eist nämlich die Vorschrift des Sokrate-, der, wabrscheialich ausittlichen Gründen, seinen Schülern rietb, sich oft im Spiegel zu betrachten. Emöchte wobl schwerlich Jemand zu finden sein, der mir feinen äußeren Verhältnissen auch sein eigene- Selbst gegen ein anderes hingeben würde, auch wenn ein Königreich gegen ein Detteltbum einzutaufchen wäre. Willst Du nicht, daß man die Geißel.der Satpre über Deine Fehler schwiuge, so suche erst selbst Deine Gebrechen emsig auf und mache sie zum Gegenstand der 'Ironie und Du wirst einen doppelten Zweck erreichen: Durch klare Zergliederung Deine- Willens und Strebendick selbst bessern und zugleich der Verleumdung die Sriye abbrechcn. Unterhaltungs-Pillen. Bon L. Lehmann in Bad Homburg. Wenn Meier-au- Engeltbal nach'Homburg kömmt, da ist es immer schön zu sehen, besonderwenn e- Samstag oder Feiertag ist. wie Alt und Jung um ihn steht, um feine Späße und Erzählungen zu hören. - Und , sonderbar,' die Art und Weise.seine- Erzählens zeigt, haß! kein eigner Witz bei ihm vorbanden, daß Alles einstudirt j ist. denn in einem Tone wird Allebunt durcheinander ' vorgetragen. Aber gleichviel, er erzählt viel und manches Schöne. kommt in der ganzen Gegend herum und ist überall beliebt.. Originell ist seine Art und Weise, die Leute zu besuchen und seine Gaben zu sammeln. Er ttitt in die Stube, ziebr artig die Mütze ab und bittet ein Luach (jüd. Kalenden an. von denen er einen ganzen Pack bei sich trägt, indem er Folgendedabei sagt: .nehmen Sie mir ein Luach ab. denn ich bin mehr wie Mosckeb rabbenu. Mosched hatte blos zwei Luach-, ick dab' aber mebr wie 30." — Ein andre-mal kömmt er, bietet ein Luach an und sagt dabei: .Sie dürfen sich von so einem kleinen Kalenderchen keine so großen. Osios (Buchstaben) erwarten, wie man sie hier gewohnt ist." .Warum Meier hat man denn hier in Homburg größere Lsios wie anderswo?" Dawill ich meinen, antwortet derselbe. Eure n (,-Höb") sah ich schon von Weitem! (Bekanntlich heißt dä- Taunu-gebirg hier auch ,,Höhe, daher auch Hamburg vor der Höhe.)" Biauf ein einziges sehr unwissende- Mitglied einer Gemeinde hatte Jeder den Ehober-Titel und diekrankte dessen Frau sehr, wenn der Betreffende so ohne Titel zur Thora gerufen ward« Sie redete daher ihrem Manne so lange zu. darüber mit dem Rabbiner zu sprechen, bidieser sich entschloß, dahin zu gehen und den Letzteren um die Ercherlung des Titels zu ersuchen. Dieser sagte, er würde ibm gerne seinen Wunsch erfüllen, wenn eginge, aber es könnte nur stattfinden, wenn der Bittsteller durch eine Frage, die Thora betreffend, darthue, daß er in derselben bewandert und dadurch de- Titelwürdig sei. — Der Mann ging wieder nach Hau- und stattete seiner Frau darüber Bericht' ab. Diese besann sich nun den ganzen Tag über auf eine paffende Frage, aber vergeben-; endlich um Mitternacht weckte sie ihren Mann und raunte ihm in s Obr: Nun bin ich glücklich, ich habe eine Frage gefunden, morgen gehst Du damit zum Rabbiner." — Den andern Vormittag ging unser würdiger Ehemann zum jüdischen Geistlichen und legre ihm die von seiner Frau erdachte Frage vor: Er sagte nämlich: „Rabbi, ^ch habe nachgedackt, und etwas sehr Wichtigezu fragen: Dar Krida- Schema ist dock io schön, wie kommt aber Esav dazu?" .Warum Esav?" fragte erstaunt und gespannt der Rabbiner: Steht denn nicht darin: wenosatbi Esav besodcho iifhemtecho?" — .Sehr gut gefragt. " antwortete der Rabbiner sich das Lachen verbeißend, „jetzt! müssen Sie nur aber noch den Thires der Frage auf, suchen. unk wenn Sie den richtig auffinken, dann sind Sie Besitzer degewünschten Titels." Der Mann ging erstem nach Hause, sich aut seine Frau verlassend. Diese; dachte nun. den ganzen Tag wieder nach, warf sich bis Mitternacht im Bette herum, aber der 'I'bjrsr wollte sick . nickt finden lassen. Endlich Morgens als ihr Mann auf- . gewacht, thrilte sie demselben hocherfreut da« endlich Eri dackte mit. Dieser eilte zum Rabbi und sagte: „Lieber Rabbi, wir finden geschrieben, daß da- Eetoress (Rau cherwerk) auS lauter feinen Specereien bestand, mit einziger Ausnahme de- Cbelbenoh, daeinen stinkenden Geruch batte, nun ist dasselbe auch mit dem Schema der Fall, wadock von so wichtigem und schönem Inhalt ist. dessenungeachtet sich aber Esav bineingedrängl hat: Esav ist da- Cbelbenoh.“ — .Sehr gut beantwortet," erwiederte der Rabbiner, nun sollen Sie auch den Chober-Tttel haben so gm wie die Anderen, damit unter denselben auch ein Cbelbenoh sich befindet. Allgemeine Zeitung de* Iudenthum». No. 40. 1837. Leitende Artikel: Der Sieg der Gewissenssteiheit i« Orient. — Zwei sehr verbreitete, aber doch irrige Ansichten, l. — Literarischer Wochenbericht. Zeilung-nachrtchkeu. Deutschland: Worms. Leipzig. Merchingen. Preußen: Aus Schlesien. Oestrrreichtscher Kaiserstaat: Wara-di«. Marburg. Frankreich: Pari-. Italien: Rai« 1a»d. Indien. 9tr:a« Ptn f «aatirtntr'« — vrrck »o» »lt?«oder Wie»» u« t

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