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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 54 (1857) · p. Seite 214

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
54 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 214 (sequence 2)
Language
German
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essen Ruf al- Gelehrter. Staatsmann und Schriftsteller mir schon bekannt war. Ich ersuche Sie u. s. f. Der General der Infanterie: Baron CbiWve. Ferner ein Schreiben deS Krieg-minister-: ^Der General-Director de- Krieges erklärt durch GegenwartigeS auf Verlangen deS Herrn S. P. Lipman. Ritter deS niederländischen LöwenordenS und Advocaten zu Amsterdam: daß nicht allein auf Grund der Anordnungen deS Grundgesetzes deS Königreichs und der Gesetze über die Nationalmiliz. die Israeliten dieses Landes ibre militärischen Verbindlichkeiten mit derselben Treue erfüllen, wie alle andern Bewohner deS Königreichs, sondern baß sie auch sehr häufig freiwillige Dienste nehmen, so daß es letzterer Art gegenwärtig in aktivem Dienste Officiere und viele Unterofficiere und Militäruntern Ranges in den verschiedenen CorpS der Armee, sowie auch Militärärzte. sowobl . in den Niederlanden als auch in Ost- und Weft.Indien giebt; daß sie sich stetgut und lobenSwerth in ibrem verschiedenen Rang und Aemtern betragen, ohne jemals Ursache zu mehreren Klagen oder zur Unzufriedenheit zu geben, als andere Militärs von anderem GlaubenSbekenntniß. so daß man in der niederländischen Armee keinen Unterschied, keine Ausnahme in Betracht ihrer macht, und junge Leute jüdischer Religion, sobald sie die Befähigung und nothwendigen Eigenschaften besitzen* auf gleichen Fuß mit andern jungen Leuten. Söhnen von Bewohnern des Königreichs, um Zulassung zu der konigl. Militärakademie, bestimmt Officiere im Armeedienst und Beamte in der Marine zu bilden, im Königreich und in den Colonien concurriren. 3« Haag, de» i3. Avril List." ' AuS Rußland ist bekannt, daß die Zahl der jüdischen Soldaten bei der Beschaffenheit der früheren Gesetze darüber eine sehr große sein muß. Doch kommt Bestimmtes hierüber nicht in die Oeffentlichkeit. Bekannt' ist nur. daß ein großer Theil der russischen, als höchst tapfer gerühmten Matrosen und Marinefoldaten Jude« sind, daß in Kronstadt die Besatzung so viele Juden zählt, daß ihnen erlaubt ward, einen eigenen Rabbiner zu halten. Ueber die Zahl der im k. k. österreichischen Heere dienenden Juden und die verbältnißmäßig große Anzahl von Rang darunter, wurde vor einem Jahre berichtet. . So haben 'Juden in neuerer Zeit fast in allen Weltgegenden als Soldaten ibr Blut vergossen, und den Ruhst der Tapferke.it sich erworben. In dem Kriege Nordamei rika'S gegen TeraS hatte sich eine große Schaar Freiwild lig« jüdischen Glaubens einreihen lassen. Selbst im Kaßernkriege 1845 trank der Boden deS CapS jüdisches Blut, indem der Capitan der Aeomanry, Joftia D. Norden. im Kampfe fiel und feierlich nach jüdischem RituS beerdigt ward. Briefe nach und MS der Heimath. v. Ihre Zuschrift, mein würdiger Freund, hat mich vielfach angeregt. Sie! weckte eine Fülle von Gedanken und Gefühlen in mir. die sich über alle- Düstere tiÄe- Freudige erstreckten, waS sich an unsrem Glauben und unsrer GlaubenSgenoffenschaft.in dem gewaltigen Conflict, welchem die Neuzeit sie auSgesetzt. dargethan hat. Mit Ihrem Briefe in der Tasche ging ich in den herrlichen Park und versenkte mich in den Wald, an den er stößt, und mit welchem er wie zu einem Ganzen verbunden ist. DaS welke Laub rauschte bei meinen Schritten auf dem dünner gewordenen Rasen, dessen glätrzeadeS Grün bereits geschwunden, während dennoch ein noch immer dichteS Blätterwerk herbstlich in verschiedenen Karben prangend einen angenehmen Schatten gegen die heißen Strahlen der Sonne bereitete. Ich verfolgte einen schmalen Fußpfad, der in immer dichter werdendes Gebüsch hineinsührte. Als ich einmal aufschaut«, gewahrte ich ein prächtiges» schlanke- Reh. damit neugierigen Blicken über da- Gebüsch hinweg mich ansah und beobachtete. Warum so scheu, liebliches Thier? trug ich ein Gedanken; kannst da den harmlosen Wanderer nicht von deinem Feinde unterscheiden. der daS tödtliche Geschoß in deine schlanken Glieder schleudert? Ich raufte eine Hand voll frischen Graseab. streckte edem Thiere entgegen, und sprach mit sanftester Stimme: komm, liebes Thier, laß unS Bekanntschaft machen, wir wollen Freunde werden. Aber schon diese Handbewegung brachte daS Thier in Allarm, wie ein Blitz wandte es sich um, galoppirte einen Hügel hinan, und war verschwunden. Wenige Minuten darauf donnerte ein Knall durch den Wald, der SchmerzenSruf eines ThiereS. daS Zusammenbrechen eines Körperwurde durch die Stille de- Waldehörbar; sicherlich hatte mein scheue- Reh durch die Büchse einelauernden JägerS den Tod gefunden. Diesekleine Ereigniß brachte mich auf die Frage in Ihrem Briefe wieder zurück, und obgleich ich jenedurchaus nicht alein schlagendes Gleichniß geben will, so machte eS mir doch die Antwort klar, die ich Ihnen zu geben. Der Jude findet überall noch etweder Dorurtheil oder Gehässigkeit, glücklich genug, wenn er nicht Beidezugleich. einander stützend «nd verstärkend anlrifft. WaS auch die Gesittung »nd größere Humanität unsre- Zeitalterbereitgebessert hat; wieviel auch die zahlreichen Beispiele würdiger*Jftaeliten hinwegräumen, immer ist noch von diesem durch die Geschichte so festgewurzelten Uebel eine unendliche Masse übrig. Oft kommt eS mir vor «ie ein Gletscher, an welchem zwar unten ziemliche Ei-Haufen durch die Macht der sommerliche« Sonnenstrahlen abschmelzen, während oben fie in vollem Maße durch de« Kwsthauch der Firnen wieder ersetzt werden — kurze Zeit, und die Arbeit Iti Sommerwar vergeben-. Indeß wir wollen cf nicht so schlimm ansehe», wir Walen zugeben, daß bereitviel gethan nnd allerdings gleichen sich die Zustande, wie sie durch ein halbe» Juhrhvnderl getrennt stad, wenig, aber wir müssen dach m» ringestehen, daß Barurkheik »ntz Gehässig*«» mäf überaus grast sind, und fällte» sie nur dam» ßa groß erscheine«, weil

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