Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 52 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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207 quartier de» Fürsten zurückgekehrt war. bertsttete er, erfahren zu haben, daß elf Wagen feindlicher Munition unter geringer Bedeckung nach Neisse erpeditt wären und daß solche leicht genommen werden kLnntztn.1 Der Fürst beorderte sofort sechzig Mann, worunter auch Freund, welche die ganze Nacht marschirten und den Transport de- Morgenin der Umgegend von Grottkiju erreichten. Derselbe wurde angegriffen, nach kurzem Widerstand genommen und nach Strehlen gebracht. Ein Gleiche» geschah nach einigen Tagen, wo dem Feinde Ebenfalls unter Mitwirkung Freund-, in der Nähe von lDrieg vierzig Ochsen abgenommev wurden. Referent könnte noch von mehreren Affairen berichten, in denen Freund sich au-- zeichnete und von wesentlichem Nutzen war« wenn er sich noch auf alle Einzelheiten erinnern könnte. Doch, waS nützen solche^kleine Dortheile, gegenüber de!n großen de- Feinde-, dessen Uebermacht mir jedem Ta^e ivuchö; ja, wenn — waS eine Schmach für alle Zeiten bleibt — deutsche, namentlich baierifche und würtembe^gische HülfStruppen.seine Reihen fortwährend verstärkten, um dem bereitnievergetretenen Preußen brudernsörverisch den letzten Todesstoß zu versetzen: da- Corp»! de» Fürsten von Pleß, dem eS an Allem gebrach, wur^de endlich bei Strehlen angegriffen und zersprengt. Der Fürst rettete sich nur mit Lebensgefahr nach Oberfchlesie». woselbst ihn die Kunde traf, daß eine polnische Freisch^ar unter An. führung eine- Edelmann-, Namen- Prusjhak, über die Grenze eingefallen wäre in den schlesischen i Grenzstädten, die königlichen Kassen plündere, die Einwohner brand. schätze, enrpörende Gräuelthaten verübe, i^nd schon biin die Nähe von Gleiwitz vorgedrungen wä^e. Der Fürst entsandte sofort von den ihm noch übriggebl^ebenen Mannschaften den damaligen Lieutenants nachmaligen! Oberst von Winow-kp mit einer verhältnißmäßig geringen i Anzahl, welche die Freibeuter zu Paaren trieben, ihnen dageraubte Gut, soviel noch davon vorhanden war, abnahmen, und sie nach Polen zurückdrängten. Freund, welcher sich die Erlaubniß vom Fürsten erheten hatte, att dieser Erpedition Theil zu nehmen, zeichnete sich dabei besonderau-, erhielt jedoch in der Hitze ter Verfolgung einen Lanzenstich in die Schulter, an dem er lange zu laboriren hatte. Aler zum Fürsten von Pleß. welcher damalin Pleß sich befand, zurückgekehrt |mu, eröffnete ihm derselbe mit sichtlicher Bewegung, daß er wegen der Nähe der Franzosen, um seine Person zu retten, ge. zwungen sei, Schlesien, zu verlassen. Er hantle ihm in in den rührendsten Äü-drücken für seine ihm stetbe« wiesene Treue und geleisteten guten Diensse. die er nie zu vergessen versprach. Auch überreichte er ihm ein überaus schmeichelhafte- Zeuguiß seinepatriotischen Wohlverhalten-. Bevor er ihn ganz entließ, bat er ihn noch, einen letzten Auftrag. der ihn sehr am läge, zu übernehmen, zumal er sonst Niemanden wüßte, dem er soviel Umsicht und Geschick zutraue, daß solcher gelinge. Der Auftrag bestand darin: nach der Festung Cosel, — welche von de» Baiern hart belagert, und Äderen Besatzung vom Scorbut und Fieberkrankheiten überau» stark mitgenouunen wurde, und der e» dabei an den nöthigen Re. dicamenten, namentlich Chinarinde, frischem Fleische, Butter u. s. w. ganz gebrach.— einen Transport davon, der in Ratibor in BereirsHaw war, hinzuschaiffe». Die Art unh Weise, auf welche diegeschehen sollte, überließ der Fürst ganz seinem Ermessens Ohne an die grvße Gefahr, zu denken, der er sich durch Annahme diese- Auftrag» au-setzte, versprach Freund sich demselben zu unterziehen. Nachdem der Fürst ihn mit dem hierzu^ erforderlichen Gelbe nur knapp versehe» hatte, entließ er ihn mit der herablassendsten Huld. Freund säumte keinen Augenblick zur Ausführung der erbaltenen Ordre zu schreiten. In einem Dorfe, nabe bei Ratibor. engagirte er einen Schiffer, der nur gegen eineansehnliche Summe, welche die vom Fürsten dazu bestimmte um mehrere Thal« überschritt. sich bereit zeigte, ihn sammt der Ladung nach Cosel zu bringen. Letztere wqrde in einen Kahn gebracht und derselbe segelte bei zufällig sehr stürmischem Wetter nebst Bemannung, die mit Hinzurechnung Freundaudrei Personen bestand, wohlgemuth nach Cosel ab. Die Fahrt durfte nur zur Nachtzeit geschehen, well die Franzosen allenthalben und namentlich in der Umgegend Coseldie Oder durch Patrouillen' überwachten und nicht auden Augen ließen, um jede Verbindung mit der Festung, zu verhindern. Während de» Tagemußten unsere Segler an solchen Stellen anlegen. die im Gebüsch versteckt lagen und nur schwer bemerkt! werden konnten. Ewar diese Fahrt eine sehr gefahrvolle, indem der Kahn wie ein Spielball von dem Sturme hin und der geschleudert wurde ^nd jeden Augenblick umzustürzen drohte; andererseitauch von den Franzosen leicht entdeckt werden konnte, Jndeß langre er. in der dritten Nacht glücklich in Cosel an. (Schluß folgt.) Anfragen! und Antworten. In einer jüdischen Gemeinde Hinterpommernleben zwei Familien, die anihren Kindern männlichen Ge. schlechtden nicht haben vollziehen lassen. Diese UebeNretung deheiligen Bunde- Israelstell« folgende drei Fragen quf: 1) Dürfen solche Kinde« die jüdische Religion besuchen? 2) Dürfen solche Kinder, wenn sie da- 13. Jahr erreicht haben, zur!"nvi auigerufen und eingesegaet werden? 3) Wenn ein solche- Kind mir Tode abgehet, wie hat man sich in solchen ^Fällen zu verhalten? l . S. B. in C. Herr S. D. berührt hin einen Gegenstand, welcher gegenwärtig -n Oesterreich so vielfach ventilirt wird (s. A. Zeit. d. Ilud. No. 37. 38. ff.) ES ist hier nicht der Orr, ihn. erschöpfend zu behandeln, ab« der Fragesteller formulirt so bestimmte Fragen, daß wir sie ihm eben so bestimmt beantworten können, ad 1. Der Religionsunterricht darf Niemandem entzogen werden; ich Gtgeutheil muß dn Religionslehrer gerade einem solchen Knaben seine ganz hesond«e Aufmerksamkeit zuwenden J um ihn im Alter der Selbstbestimmung auf den Wig der Religion zurückzuführen. ad 2. So bestirnt die er.ste Frage zu bejahen, so bestimmt ist die zweite zu verneinen. Welch' ein Hohn auf die hen zu ihr „aufzurusen", an welchem daerste Gesetz deisraelitischen Religion-bunde», da» erste Gesetz dieser n-nn selbst unvollzogen geblieben, einen