Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 46 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i8a jede Hoffnung auf Reifung dahin, so kann $ keine gute Handlung vollbringen.'^ ' „Aber hast Du nicht schon eine gekhan? Wenn auch die Menschen nur nach dem Erfolge nrlheilen, so sieht doch Gott aus den Willen und VaS Herz. <e gesegnet, dreimal gesegnet, daß Ihr Kickt zögertet. Euren Fuß in diesen schrecklichen Kerker zu setzen, unk einem Unglück» lichcn zu Hülse zu kommen. Ihr habet die ^lackstenlicbe begriffen, die Liebe, die nicht blos den Glftubensbruder umfaßt, sondern sich auf alle Menschen als Br rder erstreckt; Ihr schmücket Euer Volk und Eure Familie Ihr lcbret mich, baß auch unter den Heiden Tugend und Gefühl lebenseid gesegnet, daß Ihr mir diese süße sleberzeugung gegeben habt." „Was habe ick denn getban. was so viel Dankbarkeit verdient? Ich wollte viel thun und bii^ so schwach'. Ich werde noch einen versuch machen. Eur^ Richter zu bewegen . . : Ibr wertet nicht sterben!" ' In diesem Augenblicke knarrte die Thür des Gesang» niffcS in ihren Angeln; Lucia wandte sich erschreckt und sagte leise: „Ich bin verraiben!" - > „Fliehet, stiehet, mein Kind, bleibet nick länger, Ibr sollt nickt un» meinetwillen in's Perderben ei en. Adieu!" Lucia S leichter Fuß sckien kaum den 4 öden zu berühren: noch einmal sab Rabbi IsmacI die Falten ibreS GewanoeS, dann verschwand die reizende Er> Meinung und der Kerker war dunkel wie vorher. Der frühe Morgen beleuchtete mit einen ersten Strahlen einen Scheiterhaufen: Rabbi Ismael sollreden Martyrtod sterben. Er war rubig» eine h'ilige Freude glanzte auf seiner Stirn, er dachte nur roch an Gott.. Was hatte er noch auf Erven?' Seine Kiüdtr waren ibm im Tode vorangezangen, nach einer Trennung von vielen Jabrcn sollte der Tod sie wieder vereinen, i Zwar verlor Israel in ihm einen treuen Hirten, aber be fer als einige" Lebensjahre wird sein.Tod ihnen ein Beispel, wie man dem Herrn dienen solle, sein, seine letzte Stunde setzt seinem ganzen Lebenswandel die Krone auf Man öffnete die Pforten des Gefängnisse. ein selige- Lackeln strahlte auf dem Antlitze deS Gefangnen, er war bereit zu sterben. Man löste ihn aus"feine> Fesseln, aber er war so erschöpft, so schwach, daß er sich auf zwei Wächter stützen niußte. Man führte ihn .... nicht auf den Scheiterhaufen, wie er erwartete, sontcrn in einen reichmöblirtcn Saal, wo ein so heller Tag herrschte, daß Ben Elisa s Augen, an die Finsterniß gewöhnt, davon geblendet waren. Woher kam dieser Wechsel seines Schicksals? Hatte Lucia für ihn gebeten und seine Befreiung erhalten? Seine Ungewißheit wurde bald beendet. Einen Augenblick spater sah man einen Mann mit majestätischer Haltung rintrercn. der das. lange Gewand der Priester trug. „Rabbi Ismael," sagte er. ,.Du weißt, laß Du sterben mußt, wenn Du bei Deinem Entschlüsse hjharrst." „Ich weiß eS!" — , „Deine Richter sind nicht so uumentchlich alS Du glaubst. Bis jetzt haben sie /die Drohung angewendet, letzt fragen sie Dich: Was Klangst Du für Deinen Glauben? Nenne eine Summe, so groß jße sei, sie soll Dir bewilligt werden." „Mensch," rief Rabbi Ismael entrüstet, „kann man die Ucberzeugüng für Gold verkaufen?', J „Höre mich mit Ged.uld," sagte der Priester „und denkel reiflich über Deine Antwort nach, denn piem Anerbieten ist bedeutend und wird nicht' wiederhott. Wenn Du Deinen Glauben abschwörst, wirst Du g^oß und mächtig unter unS sein. Du wirst' der Erste r^ach RufuS sein. Erfasse diesen Augenblick, wo eS-Dir n^ch gegönnt ist. zwischen Ebre und Größe und dem schrecklichsten Tpke zu wählen." - [ - „Dieses Anerbieten kann mich Nicht Dankend machen; ich zögere keinen Augenblick und wähle Iden Tod. < Der Herr mein Gott hat gesagt: „Du sollest-keine andern Götter haben neben mir!" Und ick sölltg ihn verleugnen, ick sollte den Staub anbeten, ich sollte der Sclave des . Ehrgeizes werten und nach irdischen Güljern streben, "ick sollte mein Glück bicnieden suchen und rf»ejn himmlisches Heil vergcffen!" „Du kannst Deine Worte noch widerrufen, und sie werden wie nie gesprochen sein. Rabbi Jsmael. Du darfst nicht an Dich allein denken; Du mußtauch das Heil Aller vor Augen babcn. Wenn Du so hoch steigst, wenn 'Deine Stimme nach, der des Landpfiegerfl die meiste Geltung bat. denke, wie nützlich Du dann Deinem Volke sein kannst; Du kannst es vor Tod. Plünderung und > Verfolgung bewahren, und sie werden den Abtrünnigen segnen." „Sie werden ihn verfluchen, oder glaubt Ihr, daß das Unglück ibr Gefübl abgestumpft hat, daß der Gott"- ihrer Väter ihnen gleichgültig geworden ist. weil er sie züchtigt? Denkt Ihr, daß das Beispiel und die Dora schritten deS Rabbinen fo wenig -Einfluß auf sie üben. ' daß sie einem Meineide., einer Entheiligung ihren Beifall zollen könnten? Dann kennst.Du njcht den Geist des Volkes auS Judäa.; lange bat f? gesündigt und de» Zern Gottes gereizt, aber eS^ehrt büßend zu.Gott zurück, cs füblt sich noch groß, obgleich gefallen, cS kann durch die Sklaverei nickt erniedrigt werden; wir i sind die Träger der Offenbarung Gottes unter deu Völkern, die Lampe Davids kann' schwanken aber niemals herlöschen. Nach Jahrhunderten, wenn Völker und Generationen einander folgten, wenn die Zeit alle jetzige Gröj er zerstört haben wirb, wenn von Rom nicklS als der Name inmitten allgemeiner Zerstörung bleibt, dann noch w rd Iakob'S Szme die einzige und erhabene Wahrheit verkünden und ungeachtet der Verfolgung und Sklaverei wird es immer sein Banner entfalten, aufdem mit Flammenzügcn steht: „Der Ewige, unser Gott ist einzig!" Rabbi Ismael hatte diese Worte soll prophetischer Begeisterung ausgesprochen. Da stand er, Haupt und Hand erhoben, den Blick von übernatürlichem "Lickte strahlend, man hätte sagen können, daß der Schleier der Zukunft vor ihm gelüftet sei. Er sah die Mission Israels vollendet, er sah alle feind Wi nsche, alle seine Träume in Erfüllung geben. Für ihn war der Tag angebrochen. an dem daS reine Licht der Wahrheit die Finsterniß des ZrrthumS und deS Götzendienstes durchbringt, wo alle GkschLvfe, im Staube liegend, tzie Einheit Gotte-S erkennen. * j Aber weit entfernt. diesen Mann zu achten, welcher in allen Stürmen des LebenS immer feinen Blick $um