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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 45 (1857) · p. Seite 178

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
45 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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176 Ergriffen von „ Pflicht" aut trockne technische Worte befditanft, dagegen eine schmutzige Leidenschaft zum Gelderwerben bekennt; weil sie ferner alle nolhwendigen und erlaubten Erbeiterungen und^ Genüge verschmäbt. die.in anderen Ländern den ärmste« Elassen der Gesellschaft zugänglich sind. Wir Amerikaner baden gar kerne Festtage. Da wir obne alle Ikealisirung sink, ist dem Amerikaner etne Blume nichts anderes als eben eine Pflanze. Die Folge davon ist. daß. ungeachtet die Mille! keS Glückes in unsren: Lanke allgemeiner verbreiter find, als \t in einem a n kern. mir dennoch unglücklich imt;- — Diese Worte eines Mant nes. welcher das amerikanische Leben so genau kennt, und der aus den Lborswiten seiner Landsleute so großen pccunzären :t;u?kn gezogen, werten aber auch ein helles Licht aut unne Anstände in der allen Welk. ,Dor Mangel an allem Idealen, das alleinige Borwatlen des praktischen . wirk alS das llnglück der Amerlkancr bezeichnet. Der ('"onflicr. den Dü. lieber Bruder, geschildert. unk der nichts anderes alS ein' Wikerstren des -dealen und Praktischen. ist alw eber er» Glück für uns in der alten Welt, denn erzeigt, daß das Reicd'keS -dealen für uns ne» ' nicht vorüber ist. Os wirk daher nn're 'Aufgabe fein, wenn auch bei uns d'L. praktische Leben alte Gewalt an ' sich reißen wsll. daS Ideale, nämlich die Religion. k,e Wissenichatt und die Kunst, 'org'am zu pflegen; anderer-. . ieitS aber das Ideale aus feiner überschwenglichen. Höhe berabtttbolen und dem wirklichen Leben zu näbern. Da. durch.allein kann scner Stiert gelöst werten. Iusbeson. dere ist es die Religion.. welche mir kbrem beseligenden 'Hauche daS wirkliche Leben mebr in sich aurnehmen und dann dtirchdringen muß. S:e tart ine allein aut Ci« GlaubElebre stch werden unk die Pflichtculebre vernachlässigen; ne mnp daS Faniüien-. bürgerliche und gewerbliche Leben immer'orr in ibre Betrachtung rieben unk im echten Geiste keS Mosassmus dieses wirkliche Leben zu einem areßrn Äcker Gottes machen, den die Pstugschaar der Goneslebie «vd t»s GotwSgcsetzes umbrichr MV fruchtbar macht. Indcß ist kies ein so wcitschlchliger -Gegenstand, daß er sich in einer flüchtigen Unkcrbalrung - 'nicht erschöpfen läßt. Lasrt mich lieber bicr noch, eines Gegensatzes gedenken, an den mrch die soeben durchfahrene 'Landschaft lebbaft ennnerk. und der uns die alte und die neue Wel: nachdrücklich charatlerinu. Ich habe des Herrn Barnum erwäbnt. Derselbe bar mir großem Talent, anßkratwö^nltck'cur Geschick t:nk« unermütcker TbätHkejt sein Lebelang die Reugierke und Suckr nach Sonkerdarteiten unk Außcrgewübnltchem in seinen LandSleuten anzuregcn und ru betrietigen gesucht: bald stellte er den kleinen Tont Tbumb. bald Iennn Link ans. bald errichtete er e:n Euriosilären-Museum. t'übrre den Amerikanern . eine Zeejungter oder eine Büsteljagd vor unk wußte dieS allemit brisrielloser G/wandtbeit und Energie durch alle Mittel der Täuschung und 4lnsposaunerci so irr die Mode zu bringen, daß er Millionen gewonnen und jetzr aut einem prächtigen Landsitz aut seinen Lorbeeren rubt.- Erinnern wir unS dagegen des großen Iaauard. In-von geboren. Eobn eines Werkmeisters in einer Webesabrjk. stellte er sich alS VaS Ideal seines Lebens aus. die Lage der unglücklichen .Weber dadurch zu verbessern. daß sie nicht allein höhere Lebne erhielten, sondern auch ihre ( Arbeit, werte an den alten Webesiühlen -xon früh bis . spät nur mit den größten Perkrümmungen »des Körperverbracht.werden konnte, erleichtert würde. ..Sein außer- ' ordentliches Genie schuf den Zaguardftuhl. diesen Triumph der menschlichen Erfindungskraft. Mit Schnelligkeit verbreitete sich dieser und als ein anderer Erfolg ergab eS sich, daß Webestoffe und Webearbeiten, welche bis dabin nur die Schultern und Glieder dir fürstlichen Personen bekleiden konnten, bis in die untersten Schichten der Ge-; sellschast sich verbreiteten unv die. Wcbestüble. trotzdem - ei» Mann die Arbeit von zehnen und ein Tag die Arbeit . von Monaten leistete, eine enorm größere Zabl von Ar: beiter» beschästigen und ernäbren. Was war aber der Lobn Iaguarks? Die Arbeiter, für die er so Außerordentliches gerban. waren zuerst in dem Wabne. daß sie durch ftlne Maschine brotlos würden; sie standen witer ibn aut und zu vier Malen war «'ein Leben in der höchsten Getäbr. Die Fabrikanten, die aus seiner Erfindung unermeßlichen Nutzen schöpften. dachten nicht daran, ibm zu lobnen unk so mußte er sich mit der kärglichen Pension von 50t» Francs begnügen. welche ibm Napoleon > ausgeworfen und die folgenden Regierungen Frankreichs nicht entzogen: er lebte fast unbeachtet in einer Vorstadt Lvons unv starb in den.dreißiger Iabrcn. Freilich ward sein Name unsterblich, verehrt in allen Lanken und sein Vaterland setzte ibm nachmals ein Denkmal. Hier babr ' Ivr alte unk neue Welt in ibrem rollen Gegensatz, das Ideale, wie es Unsterbliches schafft, Segen und Reichidum für Millionen, aber unpraktisch den Urbeber verhungern läßt; dorr daS Praktische, wie es Tausende mit blauem Dunst ergötzt und die Quellen deS Reichthnms dem gewandten Handbaber erschließt. Webe uns, wenn wir lauter Idealisttn wären, aber tausendfach Wehe, wenn unsre Welt nur „praktisch" würde!" — — Sobald der Eilzug Easscl verlassen, fallt er in eine ungenirte Langsamkeit: unzäblize Stationen halten den Laut deS DampsrosseS verzögernd au. unk wir kamen mindcsieirS eine Stunde später in der Nacht nach Frank- > furt. Keiner von uns baue diese altberübmte Stadt ' bis jetzt gescben. und um so frischer waren wir des Morgenauf den Beine», um sic kennen zu lernen. Dock' davon im nächsten Briet,. Rabbi Äsmael den Elisa, der Marivrcr. Von M. Hcrtzwelk. Ans kein Holländischen nach den .^rcl». irr. de l'i.) Mehr als Jahre 'waren schon seil der 'Zerstörung des zweiten Tempels vergangen; die unglücklichen Söhne Israels schinachtklen in Fesseln, verjagt aus -Jerusalem, unterdrückt, von der römischen Tyrannei mit Füßen getreten. und beweinten ihre "vernichtete Nationalität. Gott .straste sie bart für ihre Sünden, von Tag zu Tag waren sie mehr rer blinden Wutb der Unterdrücker preisgegeben, man verfolgte sic mit Feuer und Schwert, unzählbar waren die Opfer, schrecklich die Qualen und doch konyten alle diese Schrecken ihren Muth nicht unterdrücken, sie nährten stetdie Hoffnung auf Befreiung, aut eine nahe Erlö-

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