Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 15 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Der Großvater hielt sie auf ..Wobin willst Du in der Nachtkälke . . ich höre nichts . .und er lau chte gespannt. „Hörst Du denn nicht den Postillon blasen, Großvater, daS ist mein Papa . . Wirklich hörten nun auch die Anderen von F-rneanschwellende Töne eines Postborns, die -schnell vuchsen. ..Und wie so soll dirS Dein Papa sein, Emma?" fragte der Greis. „Weil er eS mir gesagt hat. daß er nicht anders kommen würde, als wenn der Postillon bliese, in einer großen, schönen Kutsche . . . „DaS ist eine von den Träumereien Deines Pa >a . murmelte unwillig der Greis. Aber die lustigen Klänge kamen immer nähet, jetzt schollen sie schon aus der Stadt, über den Marktplatz her, wirklich die Postchaise muH in diese Straße eiigelenkr stehen. Der bangen Ungewißheit machte Emma ei, Ende, sie riß sich von der Hand d,S GrößvaterS loS, stürzte rur Hauöpforle und suchte den schweren Riegel forrzuschieben. Ihre Mutter folgte ihr, die Thüre ging auf. die beiden auf die Straße, Der Großvater folgt, and — stehe! der Wagen fährt — immer unter dem Hellen Blasen des Schwagers — vor, der Schlag wird aufcestoßen, ein Mann springt heraus, und liegt seinem Webe lind Kinde in den Armen .... Schwere- Gepäck in mehreren Koffer» b wurde abgepackt und in die Stube getragen; der st ostillon, gut belohnt, fährt mit der Kutsche ab. Der Gr, einen scharfen Blick auf d^n Sohn gethan — i prächtigen Pelz derselbe gehülltwar. wie nob stehend, iftn ü hatte i welch' -l seine war Kleidung, wie gefüllt die Börse beruhigt, aber nicht seine Gedanken. „Mehr Licht, Lina!" rief der Mann auS, Iden wir jrtzt bei seinem Namen. Joseph nennen können,! da wir ibn wiederholt von den Lippen seines glücklichen! WeibeS in den innigsten, liebevollsten Tönen gehört habe». „Beunruhige Dich meinetwegen nichts ich habe erst auf der letzten Station heißen Kaffee getnistken: nur zür^de noch einige Lichter an." Er hatte gut wünschen, eS jW nur noch eine Küchenlampe ün Hause, und die zündet^ Emma willig an. ,,Jhr"^a^t^uch wohl sehr um mich geängstn," hob er von Neuem an uffd blickte auf seinen Daker. Dieser aber halte ihm nolh nicht, die Hand zull» Willkommen gereicht, und noch nicht ihm geredet^ „Nun. Darer," wandte sich zu'dieses Josepih, „laß eS gut sein, und wende Deine Liebe mir wi der zu. Die Tage der Unruhe sind nun vorüber, und schönere werden beginnen. Ich will Dir einen Beweis tafür iu* fern ..." Der Greis schwieg hartnäckig, und murmelte nur zwü schen den Zähnen: „Wie oft hak er daS verh. ißen. ick bm Tein Narr nicht mehr" — und fetzte fick still ir einen Winkel. Joseph — doch sagen wir dem Leser erst Si rigeS von dessen Erscheinung. Er war ein Mann von MttelgrSKi» de» dreißiger Jahren, stark gebaut, aber mazer; da- AugeScht geröthet, mit hoher Stirn, über und unter d«n- Lippen ein zierliches Bärtchen; die blossden Huare für wohl frisirt, überhaupt Kleidung und Manieren feiner, als sie in dem Landstädtchen erwartet werde!, durfte«. Was aber das Besonderste, daS Auffallendste an ihm, daS waren feine. Augen, glühend wie Kohlen! ein fast unheimliches Feuer ouSströniend, und, wenn er Jemanden anblickte, zufammrngepreßt. theilS als oh sie ihre ganze Gluth nickt verrathen, theilS als ob str in daS Innerste de- Andern sich einbohren wollten. Joseph batte sich in Bewegung gesetzt. Er verlangte-von" seiner Frau ein wcißeS, feine- Tischtuch, daS er über den Tisch breitete; dann eilte er den Koffern, schloß sie auf, nahm bald hier, bald da. ein große- oder kleines Paquet herauS.-iind legte sie auf hen Tisch. Endlich zog er auS -seinem Reisepelz eine starke Brieftasche und legre sie ebenfalls nieder. Dann nahm er fein Töchterchen an die Hand und sprach. „Du, mein theureS Kind, hast Deinen Schlaf-für mich geopfert, D» sollst auch Deine Geschenke zurrst erhalten." Uno er knüpftD die Paquete aus, und da kamen eine Menge schöne Dinge, zum Vorschein, bei deren Anblick da- Kind zuerst wie erstarrt dastand, dann abed in lauten Jubel ausbrach. Da war ein neue-, schon gemachte- Kleid, cjine große Puppe in wunderschönem Putz. Spielsachen aller An, Schürzchen, Krügelchen u. dgl. DaS Kind lief von einem zum andern, faßte bald daS eine, bald daS andere an, schrie vor Freude auf, siel bald dem Vater,! bald her Mutter um den Hals. Aber Joseph begann seine Arbeit von Neuem; dann trat er zu seinem Weibe, «griff ihre Hand und sprach: „Liebe Lina, eS ist eine große Veränderung in unseren Verhältnissen vorgrgangen, »och mehr steht nnS bevor; eS ist mir außerordentlich gelungen, und der Weg reichen Glückeliegt geebnet vor u iS. Dein Herz, Deine Tugend, Deine Liebe müssen u »verändert bleiben, aber Deine äußere Erscheinung mu; anders,^ muß TeineS evleu Wesens würdiger werden." Er hatte aus den Pagueren drei prächtige seidene Gewänder herausgenommen und sie gefällig und gefchmäckvo ({ vor ihr auSgebreike». Lina stand wie von Staunen -gefesselt: ,,WaS ist geschehen?!" sprach sie mit bebend n Lippen, und so sehr ihr Auge an den prächtigen St, ffen hing, schienen Furcht und Freude doch noch auf ihren Angesicht zu kämpfen. Unterdessen war der Sohn zu dem schweigenden Vater getreten: „Lieber Vater," sprach er, „riergiß den Kummer, den ich Dir bereitet, die Sorge soll um letzte» Male auf Deine ehrwürdige Stirn ihre Furche, gezogen haben; Dein Sohn bat viel zu kämpten gehab . aber in seinen schönen Erfolgen übersieh, baß Du mi zukämpfen hattest." Er nahm die Brieftasche zur Hand, zog den widerstrebenden Greis kn die Tafel, und inden er viel, g^oße und buntbevruckre Scheine Herausnahm und auf« zählte, s.'gte er: „Hier sind die 1200 Thal w für die fälligen Wechsel,.hier die 600 Thaler gekündijteS Capital auf das HauS, und hier, Vater, die 2:00 Thlr., die ich nach und nach von Dir erhalten. Sö sind wir quitt bis auf daehemalige PZaarenlager, wofür ich Dir noch restirend bleibe." Jetzt war daS Staunen an. dem Greise. Er blickte bald auf die lange Reihe von werthvollen Sch inen, und"" zählte fie mechanisch einmal und wieder, baljd auf de«: Sohn — afc(t noch immer sah die Liebe nicht -useinem