Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 15 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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60 — - Auge und daS Vertrauen und das Vergessen so tiefer Kümmernisse. „Lu -kannst sie getrost an Dich nehmen, Vater," fuhr der Sohn fort, „sie sind ehrlieb verdient, .sie sind die j tzrucht herrlich gelungener Geschäfte. aber nur die Dorkoft, , denn es kommt mebr, ungleich mehr. Bist Tu zufrieden, j Vater?"; „Nein, ich bin nicht zufrieven; ich nehme eS auch nur. ' weil t4> muß. Wie Du dies''gewonnen, konntest Du eS: auch verlieren — und dann^ waren wir in' bodenloses Elend geratben. Ich habe, keine Freude daran, so lange i ich nicht weiß, wodurch Du sie erlangt hast." „Sei nicht thvricht. lieber Vater." antwortete ruhig der Sohn, und seine Stimme wurde .nur noch zutrauli« cher und einschmeichelnder; „es waren die sichersten Berech. nungen, eine Spekulation. die gar nicht sehlschlagen konnte; ich werde Dir davon erzählen, so' wie ich Zeit habe. Willst Du mich aber für mein Sorgen und Ringen - in etwas belohnen, w freue Dich damit, denn Deine Freude ist mein Glück. Jedenfalls kannst Du ruhig sein, es hängt kein Seufzer eines Betrogenen, keini Schatten eines Unrechts daran. Ich habe gerban, waS | so viele jctzt lbun: iS habe im Großen gewagt,'und eS; ist geglückt, wie iS es vorausgesehen." j * Der Greis sL'i<n.beruhigter: sein Blick rubete liebe- { voller auf sesnem Sobn. unv als dieser daS Äruxesickk ihm , znwandte. uM auf fernes Bakers Lippen einen Kuß zu i drücken, so Heit er sich nickt länger zurück, umarmte und j brückte ihn an sein Her:, unv legte wie rerstoblln die zitternde Reckte auf da» Haupt deS Sobnes,. um ibm ' schnell seinen värerltcken'Segen zu errbeilen. „Run, Geliebte. „laßt uns noch ein Slündcken ver« plauvexn^ Joseph ließ sich aurdas armUcke Eanape nieder, j Emma sprang ibm auf den Sckooß und legre ihr Köpf- ■ chen' an seine Brust, 'eine Rechte umschlang sein Weib: ' sein Vater setzte sich ihm. gegenüber auf einen Srubl. Es wurde viel geirazt, viel erzählt, und Joseph bedeutete, j 'wenn auch nur in leichten Umrissen, wie er zu seines« . Glücke gekommen. Erde Stunde ging vorüber,, wie im j Rausch; der Freude und unverhoffter Erlösung. „Nun. sagte Joseph, „laßt uns einige Stunden der Ruhe wivmen. Früh um 8 Uhr muß ich wieder fort, Erirapost ist sckoÄ bestellt, es kann nicht "anders fein. Ich gebe nack'V.. wo ich mich' nieberlasse. Ihr. .meine Tbrurcn. verkauft das ganze Wesen hier so gm und schnell eS gebt — in 4 WoLen folget ihr mir nach. Ick habe b/kens eine geräumige. Wohnung im schönsten Stadl« vienr! Igcmietbek. es wird meinem Weib und meinem Väterchen webl gefallen." habe ich recht gehört?" rief der Greis er» schrocken aus. ich soll Urft,in. meine Heim^rb. mein Haus, in meinem Alter verlassen? Nimmermehr."- ..Der GeschäfrLkreiSin den ich getreten., lieber Vater. macht es unumgänqlick nolhwenrig. Ich könnte viel« leickt die Meinen Vierteljahre lang nickt sehen. DaS kannst Du nicht verlangen. Ich muß Weib und Kind bei mir haben . . ." ~ „Und ich kann das Grab Deiner Mutter nicht verlassen," stammelte der GreiS bewegt. „Laßt mich nur, ich kann ja hier allein bleiben . . Ta trat Lina zu ihm: sie faßte mit der einen Hand feine scklass herunlerbängenbe Reckte, legte die andere aus seine Schulter, und sah dem bekümmerten Greise zärtlich in das Antlitz. Mit ihrer süßen, ihm ins Herz klingen, den Stimme sprach sie: „Vater, ick muß mit meinem Kinde meinem Manne folgen, daS gebietet mein Herz uns meine Vftickt — konntest Du Dich aber von mir und Emnut trennen? Hieltest Du eS auS fern von unS? . .. Ter Greis sprach zitternd in sich hinein: „O Joseph, waS rhust Du mir da! .. l^ein'eyuiiA folgt.) < Unterhaltungs - Pillen. Mitgelbeilt von L. Lehmann in Bad Homburg. In einem Städtchen. wo alle angesehenen Gemeindemitglieoer meisten? den "277.Titel batten, mit Ausnahme eines reichen Mannes, der sich wenig um Judenrbum unv Gottesdienst bekümmerte, machte der neu anqekommene Rabbiner einen Vlan. um sich durch dessen Verleihung eine ansehnliche Velol'nung zu verschaffen. Er ging zu dein rnchen Manne, stellte ibm vor, wie er gesonnen sei, ihm den Eboher-Tirel zu enheilen. weil deck sonst jeveS ordentliche Gemrindemitglied denselben besitze re. Der Angeredere fragte aber, auf welchen Grund bin können Eie mir diese religiöse Würde enheilen, da ich doch bekanntlich in 30 Zähren nicht in der Synagoge war, auch während dieser Zeit kein Gebetbuck-angesehen habe?" — „So dolen Sie mir einmal ein solches." erwieverte der Rabbiner, und nachdeur-der Erster« das getban, ließ ihn der Rabbiner darin lesen. Tiefer, der auf jeden Fall hin den Titel enbellen wollte, sagte: „Ich sehe mit dem größten Vergnügen und Erstaunen, daß Sie, obschon Sie 30 Jahre lang eS nicht tharen, noch recht gut hebräisch lesen können, sagen Sie da selbst, ob Ihnen also nicht der Ehober-Titel gebührt?!" Allgemeine Zeituug des Jlideu.^'ümS. Ro. t. <857. "eireade Artikel: Ein Lrundaetanke der ..ASaemelne» Zeilnag de» IvdrnkbumS." — B,n,ens ..Gott in der «*. schichte, orrr der Fortsontl de» Glaubens an eine sittliche Weltordnung." t. Ddei'. — Zeitungsnachrichten: Preußen: AuS der Prinnz Dosen. Destcrreichjscher Kaiserftaat: Alshart. Pra^. Palanka. Großbritannien: London. Frankreich: AuS d«s Elsaß. Italien: Ancona. Dänemark: FriedrichSstadt. Äyland: Bon der rvssischeu Grenze. Zvlomir. — Abhaad- Ungeu verschiedenen InbaltS: Ein bei Milan aufgefund-ner alter bebräischer Leichenftcin. Mitgetheilt von R. I. Dundrbar. Zu brtteben durch jedes Dostamt und jede Buchbandlrng. Jährlich 3 Tbalcr. vierteljährig */« Thaker. Serantwortlicher Redaemr: K. Rabe. Lnlag v»n ku^taoklxii, I« Vnpjig. - rrad pon *lt ja nKr Siet» tn Vtipjig.