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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 14 (1856) · p. Seite 55

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
14 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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55 T ftjtt war fint Gesellschaft, welch, allen Äöchnertnnen. ohne Unterschied. zwei Büchsen, die eine vot^, die andre leer, ins Hauschickte, und nach dem ertlen ..Schulgang" durch ihren Vorsteher selbst abholen! ließ. Die Bemittelten schickten — beide Büchsen gefüllt zurück; die Unbemittelten beide leer. Niemand erfuhr'-, >wer sie ge» füllt, wer sie geleert.! Die jüdische Barmherzigkeit maß nicht ntr die dringendsten Bedürfnisse ab, ne stillte nicht blossen Hunger, deckte nicht allein die Blöße — sondern ne Bielt den Armen auch auf etwas mehr, auf etwa- Genu« des Lebenberechtigt. Wenn der Festtag kam, wurde ^den Armen nicht blo- Brot, Österlichen u. dgl. — sondern auch Fleisch und Wein auSgetheilt; am Sabbaih war auch de- Armen Tisch gut bestellt; .wen» Rausch thschono und Purim kamen, sollten sich Alle freuen. <5d wurde nicht bemessen, die kann die allen Arme noch rühren, der noch die steifen Füße bewegen, sondern ne Alle «ekame» und wurden versorgt. 'Da siebt die Hau-frau, uid theilt die Gaben aus dem Gclde. daibr ihr Man^ zum Dertbeilen übergeben , ab, , und rollt sie in Pichen, und schreibt die Ramen auf — vrr Sohn de- 4-use- (nicht die Magd oder der Diener) 'oll ne überdüngen. Da springt die Tochter herbei: „Mutter, Du hl ist die Frau vergessen, die alte, die unten in der ...gaffe den ganzen Tag zum Fenster 'rausguckl mit der schlorwi^ißen Nachtmütze .... wie beißt sie koch? . . . ." — ^.Ach, Zipperchen. die immer sagt: „„Rendlichkeit (Re ilichkeit) ist meine kleinste Tugend"" . . Du hast Recht, die Hab' ich vergessen . . . nun, da ist auch für sie . .. .' Die jüdische Barmherzigkeit wartete auch nicht, bieiiit Familie ganz heruntergekommen, biS eine Hülfe mehr da war, als — Almosen; sie suchte hem Sturze zuvorzukommen, und den Stab vor dem lBrechen zu hüten. In einer großen Stadt >var ein würdiger Familienvater unverschuldet in die Gefahr gerathen, wenn er nicht binnen 24 Stunden 1500 Thlr. hatte, sein Brot und seine .Ehre auf immer zu verlieren. Zwei anerkannte Männer, denen er sich offenbarte, übernahmen es, ne gingen zu 15 Reichen» von jedem lOOTblr. fordernd, ohne den Namen zu nennen ... in zwei Sunden harten sie 1500 Thlr. — .Keiner hatte sie ih »en verweigert . . . (ES ist all' DieS wörtlich wahr.) Die jüdische Barmherzigkeit dachte nicht >loS an die Waisen, an die Kranken, an die Traurenten, an die Gefangenen, an die Allen — — sie dachte euch an die Jugend, und eine arme Braut ouSstatten, laß das gute Pärchen zum Ziele seiner Wünsche gelange war-eine theure Pflicht, daS Brautpaar am Hochzeitötaze erfreuen, war eine Vorschrift, der selbst die Beobachtung der strengen Tranergesetze weichen mußte .... Welch' ein Himmel von Liebe, von wahrer, demülhi« ' ger Liebe! Und nun frage ich: bist Du noch vorband n, jüdische Barmherzigkeit? Oder sind auch die Reicher Juda'S so vornehm geworden, daß die Armuth nicht me!'r zu ihnen hinautreicht? so ehrgeizig, daß nur die V rkündigung ihrer Gaben in den Zeitungen sie reizt? so veltbürgerlick. daß sie sich nur für die Armenkassen dir allgemeinen Behörden verpffichtet halten? Und ist >ti Mittelstand der Juden so kalt, so herzlos geworden, daß er sich eben zu Nichtverpflichtet,hält. alS waS als Steuer ihm auferlegt ist? Bei den alten Juden warf sogar der Arme seinen Pfennig in den Armenkaßew, und gelobte seine Dreier vor der Thora, und waS er nicht im Gelde leisten konnte, dasuchte er durch Hülsleistung' im Krankenwarten, Todtenbestaite» ic. zu ersetzen .... Bist Du noch in voller Kraft, jüdische Barmherzig, keil, oder ninnnst auch Du ab? ... ES wäre ein traurige- Opfer, daS unser Stamm cher „Ciollisarion", der „Cultur" brächte — statt daß )r berufen wäre, seine „jüdische Barmherzigkeit" atS eine der herrlichsten Tauschgaben der Welt zu überliefern! ' , Bei Leipzig 1813. Er hat ihn gut getroffen, „! Der kleine Amschel Kvhn, j „Für Dich bleibt Nichtzu hoffen! „Du stirbst, Franzosensohn!" > Hinsinkt auf brachen Acker Der Andre, kantpfesmatt, Was hilft'- ihm. daß er wacker Und brav gefochten hat. “ WaS helfen ihm dir Orden Von Jena, Austerlitz,! . Er ist geschlagen wedd«^ ' j Getroffen wie vom Blitz? I Geschlagen und gefangen "! De- Kaiser- Officier». Zu sterben sein Verlangen — Sein Auge dunkelt schier. Auf blutgetränkter Erde, Voll Schmerz, dem Ende nah, Doch trotziger Geberde, So liegt der Franzmann da. > Und ob die Lippen beben. Der bleiche Mund noch spricht — j Laß ab Lvn Deinem Streben, Amschel versteht dienicht. Ob Jener Eltern grüßet. Ob Kinder, Gattin, Braut, Ob eine Schuld er büßet — Wer kennt so fremden Laut? > r ' Jetzt, da er unverstanden, Verlasse,» sich erkannt — Pie Thranen sich einfanden. Der Schmerz ihn übermannr — ' Und stemmt sich auf — gen Morgen Da- Antlitz zugewandt. Und unterm Rock verborgen ' Nach Etwatappt die Hand.

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