Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 14 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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54 ai'dfffttiüftf, die das zerschellende Fahrzeug auf die Klip, pen und den Grund des Meeres schleudert, die ist mehr, furchtbarer, vernichtender — c6 ist die Nacht der Sünde, es ist die Nacht wüster Leidenschaft, der unbezahmren, welche zu riesiger Gewalt anschwillt, den Willen des Menschen vernichtet, und ihn selbst im Grabe deS Verderben-, bettet .... c . „Webe denen. die das ifictt machen zu Finsterniß und Kinsterniß;u reicht! Webe denen, die da- Böse hei« ßen gut und das Gute böse ..." Scheint eS Dir z» viel zu sein, daß da- Riesensckiff der menschlichen Gesellschaft, bineingeriffen in Len Strudel der Brandung, in Gefabr^sei zu scheitern und mit seinen» köstlicheu Inhalt in die Tiefe zu fabren rettungslos? Nun wohlan, aber daß eine dunkel« Nacht gekommen über das mächtige Fahrzeug, eine Nacht, wo die Sterne deS Himmelsich verdüllen. eine Nacht, die der' Sturm verderbenschwangerer Leiren'chaslen purckras'k — willst Du daS leugnen? Und wird diese Nackt nickt nnsterea. der Smrm Hickr gewaltiger »rervew, biS 'die Blaste drecken, unk das Steuer zerschellt? Soll da, wer tuieukann, ruckt zur Zeit mit aller Macht rufen: wahre daS Schiff. renn das Unheil ist nabe!? „Erhebe laut Deine Stimme, und halte Deinem Willen seine Sünde vor. renn Äb'all mehr.r ücfr!" ., . I Unb^Viele und. welche die Wunden zudecken und d»e bleichen Wangen färben und den stieren Äugen mij Arsenik Glan; geben — aus Stunden, dann brickr der Tos um i'o unaufhaltsamer herein. Die Schäden der Gesellschaft neunen »e ..Aufschwung der.gewerblichen Interessen." ..Verallaemeinerunz des EapiralS," „Vermehrung de- Eonfums ta Vermehrung der Prosuriion," ..je mebr Bedürfnisse, desto mehr Arüeit." ,.;e mehr Genüsse, desto mehr Gesittung'-'-und unter dieser MaSke füllen 'sie daS Gilt in fein geschliffene Phiolen; unter diesem Vorwanre lassen sie HauS und Zamrlit ,u Grunde, gehen'. . . . »vie? der Brand verschont die gestickten Derricke und die Sammerrarere gerade so viel wie die rode Holzwand und das Ltrobdack-löschen, löschen mußt tt». den Brand, soll daS Haus gereuet »werden .... So lasset mich, verehrte Leser, Euch einige Bilder aurem Lehen Vorführer». Sie so^en ein Spiegel win für uns Alle. Ick sage ..für uns Alle" — denn wie tute schwere Seuche Alle bedroht, -den Verlsicbngen »rie den Leichtsinnigen, den Besonnenen wie den Wilden, den Starken wieden Schwachen? nur diew rnesr als jene, »rie sie. w sie rie Lust er'ükft. anr Jedeneinen übley Einssuß übt. nur daß sie in dem Emen keinen Herd r'ür I »ul' sind«, unr vorübergel» — so sind „Sünden rer Zeit" gefährlich für Alle, und Niemand ist ihnen ganz enizogen. Wenn irir hineinblicken in solchen Spiegel, uns wir überwinveis un-Z und schauen nicht 5lo» aus die Änderen, die mi» uns binemschauen, sondern festen AugeS auf uns »elbst — so kann eS doch noch recht heilsam für uns sein ... Das Wort ist ohnmächtig — Du änderst eS doch nickt — die. Leute hören'S nickt gern, u»,d wennsie es hören, zucken sie die« Achseln und haben'» vergessen .... Alles wahr. Lasset aber dennoch dem einsam strebenden Schriftsteller, denr Dichter, der sein Besteauf den Altar der- Menschheit bringt, und ringsum gewahrt etnur kalte Blicke dafür — lasset ihm den Trost: die geistige Saar ist nicht wie die deS LandmannS. der täglich sieht, was ihm auS seiner Arbeit eri'prieß»; aber sie ist doch eine Saar, die nicht blos auf Stein, sondern auf fruchtbaren Boden fällt, und aufgeht bald hie, bald da, und daist daS Gute für ihn. daß er sie nicht sieht, und sie blühet und reifet doch auf. Und darum, mein Leser, laß uns unsren Spaziergang mitsammen »nil. einem warmen Händedruck beginnen .... Jüdische Barmherzigkeit, bist du noch Vorhänden?! Jüdische Barmherzigkeit, bist du noch vorhanden? ' Over weichst auch du allmalig der mvellirenden Hand rer Zeit, die mit scharfer Sichel abschneivet, was eitzsam bervorrag» über den weiten Pflanzenwuchs der allgemeinen Sitte, des allgemeinen Treiben- und Thuns? Du, jüdische Barmherzigkeit, welche das Werl Moscheh'S in die Weil rief, welche er dem Herzen seines Volkes als Morgengabe enlgegenbrachle, welche er als dahöchste Gebot verkündete, als die unbedingteste Pflicht, als daS lebendigste Recht ... jüdische Barmherzigkeit. welche Juda in rie Verbannung folgte und überall den Flüchtlingen eine Zufluchtsstätte, den Gefangenen Befreiung, reu Verfolgten Rettung bereitete, welche schon vor Jahrtausenden re» ehernen Feind Judas. den Römer (TacituS) zwang, diese- Lob, dieses Verdienst den mit Füßen Getretenen zuzuerkennen .... jüdische Barmherzigkeit, welche alle Lebrer Israels, ohne Ausnahme, mit voller Eonseguenz lehrten ünv pflegten, die Propheten, die Sänger, die Rabbiner bis auf den heutigen Tag. womit sie selbst die Verirrkesten und Entferntesten immer wieder zurückriefen und zur aufopferndsten Thar entflammten .... wie? bist du noch vorhanden? nicht abgeschwächt, nicht verkümmert, nnverminverr und unverändert? — — Die jüdische Barmherzigkeit glaubte niemals sich ein Verdienst zu erwerben^ Anerkennung beanspruchen zu können — sie sah sich immer als eine P flickt, als ein Gebot an. unabhängig von der Bewegung des Herzens, unr ihre Vorschrift nickt erfüllte, batte so gut eine „Ueberrretung," eine Sünde getban, wie wer ein anderes Gesetz verletzt. ES ist noch nickt lange her, da wohnten I in Hamburg zwei arme Familienväter, A. und B., auf einer Flur nebeneinander. Sie litten beide Noth unv standen einander bei. wo sie eS konnten. Da, fallt plötzlich, unverhofft, dem A. eine'Erbschaft vo» 10,000 Thlr. zu. Er läuft nicht zu B., und sagt etwa: Freund, jetzt will ick Dir helfen — nein, er weiß, die Religion Juda'S schreibt ihm vor: seinen Erwerb zu verzehnlen. Er packt 1000 Thlr. ein, und sendet sie anonym als Zehenten dem B. zu. Den andern Tag erhält A. einen anonvmen Brief mit 100 Thlr. — denn B. mußte ja eben so gut seine 100 Thlr. verzehnten, und zpußte von dem Glücke A.'s nichts. Das ist jüdische Barmherzigkeit. Die jüdische Barmherzigkeit suchte vor Allem — im Ge he in» en zu geben ("rer 7**2). In meiner Pater