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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 14 (1856) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
14 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Jüdisches Bolksblatt. Belehrung und Anlerhatlung aus jüdischem HeKiete. HerauSgegebe« »o» Rabbiner Dr. Ludwig Philippso» in Magdeburg.! - ~ sRo. 14. 1856] flon 3tli(*tHr rr«O«i»I »»ckralUck rin« Mamn. Biett («• SUkr* gao-« 1 tklT. Sirrfctyilkrifl T/, Mot. >»» «»ftäaun [4. ©iirtaLJ •i Die Tünden der Zeit. Aovelieacpcl»« voa Ludwig Schragize. Sine weite Ebene liegt vor un». nur in> der Ferne von Hügeln begrenzt; Ströme durchschneiden fit. Waldungen . ziehen sich hindurch. Der Frühling, »er fie mit Grün und Blumen überzog, ist längst vorüber, und der Winter bat seikle weiße Schneedecke über die Flur, sein EiSjoch über die Flüsse gelegt. Einschneidender Nordwind bat lange Tage und Nächte darüber gestürmt, daß der Schnee unter dem Schritte de» Wanderer» knarrt, und die Luft trocken und scharf geworden. Do» Heit zu Zeit wirbelt neuer Schnee in kleinen eckigen Flocken herab, und verdüstert den kurzen Mittag, und ^oer^unkelr die lange Dämmerung. Zn dem Walde ist es!laut; aber nicht laut vom fröhlichen Geräusche des Leben», sondern bei jedem Windstoß rauschen die spitzen Ej-nadeln in Masse von den Zweigen, in den Stämme« berstet und stöhnt e» vom Froste, daß e» oft wie Gewehtsfeuer durch den öden Forst schallt. Dichte Nebelwolken ziehen am Himmel dabin. senken auf die weiße Erde sich nieder, daß Himmel. Erde, Raum eia einzige» Ganze» bilden, kaum noch zu unterscheiden. Fürwahr, da pilgert nur wem die eiserne Nothwendigkeit gebietet. Beschwerlich ist eS, vorwärts zu kommen, leicht den Pfad unter den Füßen zu verlieren; der verirrte Wanderer we ß Höhe und Tiefe nickt mehr zu unterscheiden, und stützt oft in die vom Schnee verdeckte Grube hinein. Die weißen Nebel, die zitternden Nadeln. die glänzende Schne derke blenden sein Äuge. Die üiseöluft schneidet ihm durch Mark und Dein, seine Glieder erstarren, sein Haupt wird schwer, sein Bewußtsein schlummert ein. Ermüdung bi» zum Tode übrrkömmt ihn — plötzlich aber bricht durch die Dämmerung seiner Seele der Gedanke an Weib und Xtnfe, an die stille Heimath .und den traulichen Herd; dieser Gedanke rüttelt ihH auf, er schlägt die Glieder über einander, um den Umlauf de- Blute» zuernestet', die letzten Kräfte strengt er an, denn er weiß: Rub^ri ist Tod, Nachgeben Verderben; noch arbeitet er sich rüstig durch Schneegestöber und Nordsturm, über den Strom und durch den Wald, und ein guter Gott führt ihn vor Mitternacht zu dem kleinen Hause an den fernen Hügeln, wo da» theure Weib bei der einsamen Lampe wacht, sein harrend und die schlummernden Kindlein hütend. Jetzt vernimmt sie seinen Schritt auf der knarrenden Schneedecke, sie springt auf, öffnet eiligst die Pforte, und er liegt in ihren Armen, gerettet, getröstet, erhoben — et ist vorüber hinter» eine andere Nacht. Auf der weiten Wasserwüste ruht die Finsterniß. Kein Stern am Himmel.,. DaS schwarze Gewölk hängt bi» auf die HäupM der \ rollenden Wogen hinunter, ein furchtbarer Orkan fahrt^ über di, empörten Wellen, wühlt sie bi» in die unter- > sten Tiefen auf. schleudert sie zu Derge»höhe empor, und wirbelt so plötzlich nach allen Seiten um, daß da» einsame Schiff willen- und widerstand»!»» chm hingegeben ist. Mit grauenhafter Schnelligkeit fahrt e» dahin. bald tief in den Busen der Wogen, bald doch auf den Gipfeln de« Wafferschwall». Seine Maste brechen. seine Segel sind zersetzt, seine Spieren geknickt, sein Steuer soNgerissen. Die Wellen schlagen über daß Verdeck, und spühlen hinweg, wa» stch darauf befindet. Aber horch, mit. \ tcn durch den Sturm von ferne rin furchtbare» Getöse, ein Toben und Rasen, bald näher, stärker. Schau, mit. len durch die Nacht die weißen Schlangenlinien, Wellenschaum in weiter Dehnung ... da» iff die Brandung, die Fluth, die an dem scharten Klippenkamm sich bricht .. wehe, hält Nichts da» vorwärts treibende Schiff zurück? ist keine Macht vorbanken, welche e» zum Stillstand bringt oder seinen Lauf verändert, zurück in die große Wafferwüste, minder Gefabr drohend a!» die Felsen der nahen Küste? . . . Nicht», nicht» — hie sich überschlagenden Wellen treiben ,» unaufhaltsam vorwärl», noch ein Wirbel, noch ein Wurf'— e» zersplittert wie Gla». und bald ruht «» auf dem stille» Grunde de» Meere», in der Tiefe, wo von dem Sturme, der droben ras'r, nicht» vernommen wird -. . . . Ich habe Dir, lieber L,s?r. zwei GemLlde vor die Augen de» Geiste» geführt, beide voll Grauen», beide voll Mühsal, aber dennoch sehr verschieden. Sie sollen Dir zwei Bilder au» dem Leben de» Menschen vorstellen, die, wenn sie auch nur in den stillen Kammern de» Menschenherzen» vor sich gehen, de» Schrecken» «ab der Röthen nicht, mindsr in sich tragen, als jene Scenrn der Natur. Aber jene Wanderung durch die beei»te Ebene ist da» Bild menschlicher Bedrängniß, wie fie oft unverschuldet über den Erdensohn kommt, der so schwach iff den Verbäliniffen de» Leben» gegenüber, und so stark, fie zu bekämpfen, mir Muth und Zuversicht au» jeder Ohnmacht sich zu rütteln, bi» er stch wieder hindurch gearbeitet zur friedlichen Heimath. zum traulichen Herd, zum geliebten harrenden Weibe und den süßen schlummernde» Kindlein. Aber jene zweite Nacht, jene finstere auf der

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