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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 12 (1856) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
12 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 um besser Ju seben, sein Gebär. um jeden Saut auffanqen zu können: von namenloser Furcht geschüttelt. war ( er kaum noch im Stande, sich auf den schwankenden Füßen zu erhalten. — plötzlich verscheuchte ein Blitz die Finsterniß, ein Knall da- Schweigen der Nackt und des Walde-, eine Kugel sauste an ibm vciübet' und schlug in den nächsten Baum, einige ächrende Raben aufschreckend, und ehe der Mann sich von dem lähmenden Schrecken! bar erholen können, stürmten sich zwei Männer bebendes aus ihn, er ward gebunden in eine Hüne geschleppt und '. «jif ein Lager von verfaultem Stroh und welkem Laub geworfen. . . Die beiden Kosaken danen eine kleme Laterne angezündet, an deren mattem Srrable der Eine die contrebanden Waarei? untersuchte, wäbrend der Andexe neben kem Gefangenen niederkniete und seine Kleidung visitirre. Gr wüblke in den weiten Taschen und fand nichiS als einige Kupfermünzen, die er gierig rinsackke; er suchte im weiten Sedergürtel. den er trug«, m den Fairen ^deS RockeS, fand aber nicklS a'S'ein an rinrr Schnur um den HalS bangendes Amulett, eine kleine Perzamenrrotte in emer blechernen Kapsel. Der^Kosak stutzte. ..Dieses," sagte der Gerangene. ..wurde mir als ein Kind von meiner Mutter angehängr, eö ist von heiligen. Händen geschrieben und schützt vor llnzlück. Ich trage eS -seitdem." — Ter Kosak betrachte aufmerksam das Anhängsel. ' „Deine Mutter bat's Dir gegeben?" „Za. ich wrr damals noch ein junge- Kind, last' mir das, für Dich bar dies keinen Wrrlb." „Wober bist Du?" „Aus Brots." „Jft'S auch wabr?" . ,.Za." ..Sag' mir offen. fürchte Dich nicht, iwri unochi, rch bin Jude." - „'fl?, ein Jude'. Dann babe Mirleiden." „DaS darr ich nichts jedoch sage mir. ich werde Dich nicht rerrakben. so wahr trtt, an den alleinigen Gott glauben." „Du schwörst mir?" „Ich babe es gttban. Bist Du aus Brovv?" „Nein." .„Woher?". „Ich bin verloren, wenn Tu mich verrätbst." „Sei -rubig, ich bin nie ein Verräther und nie ein Meineidiger gewesen." „Ich bin in Rußland geboren." > „Wo?" „In dem Orte K „Jri K ...?!" rier der Kosak. „Was ist Dir?" ..NlchrS. 'Wie lange isi'S,- seitdem Du Dich au-5 K... entfernt hast?" „Fünfzehn Jahre, ich war damals Kdben alt." „llnk wie beißt Dein Barer, Deine Mutter?" trug beinahe albemlos und ln Angst der greife Soldat. Der Schmuggler schwieg uns starrte dann den alten' Mann an. „Mißtraue mir nicht: bei dem Heile Deiner Seele, sage: wie heißt Dein Pater?" „Naphtalie." „Naphtalie!" — DieSmgl war der Ausruf d,S Soldaten ein so lauter und unbedachter, daß sein Kamerad» der noch immer im contrebanden Koffer deS unglücklichen Schmugglers berumstvberte und sich Manchevon den D-uincaillerie - Waaren ausfuchle. empor schaute und fragend ibn anblickre. „ES ist nichrS, Iwan." erwiederle Jener. ..Hast Tu was bei ibm gefunden. Waffilj?" „Einige Kopeken. Willst Du einen SchnappS, Iwan? " „Gieb. bcp." — Und er leerte den Krug und kehrte zum Quincaillerie-Koffer zurück, den Kosaken und den Schmuggler ihrer wunderlichen Unterhaltung überlassend. „Dein Barer hieß Napbtalie, und Deine Mutter?" ~ „Mirjam." „Mein Gott, mein Gott!" rief der^Soldat und schlug die Hände zusammen, „raube mir den Verstand nichts So ist'-, ich babe dies Amulett erkannt, das mir'einst der Rabbi von Mefericz tür mein Kinv gege. ben. — Du bist mein Sohn — mein Sohn — mein Daniel!" llnv er drückte, ohne von seinem Gefährten bemerkt zu werden, seinen Sobn in seine Arme, während über seine gefurchte Wange zwei dicke Thränen herunter rannen. „Jbr. Ihr mein Vater! Nnv in dieser Stellung!" „ES ist der Wille Gottes, mein Sobn." „O. löst mir die Bande, daß ich meinen Vater umarme." „Vst. mein Kind, ich darr nicht: es wäre ein Unglück. wenn dieser Mann dort er/übre. Tu seiest mein Sobn. eS würde Drin Urrbeil sein, weil Du stüchrtg bist und Dich der Mllrräipstichk entzogen; legen wir uns um Deinetwillen Zwang aut. mein unglücklicher Sobn. Laß Dich betrachten, mein Daniel — cs ist so lange, seitdem ich Dich, mein Kind, gesehen. Dll bist ein Mann geworden, mein Knabe, aber Dll scheinst in Mangel und Entbehrung groß geworden zu sein?" „Aber Du Baker — Du — enable mir von Dir." „Was soll'- Dir, laß eS Kink." „Nein, erzähle, wie Du in diese Stellung gekommen, mein armer Vater." „E4 ist schon seit lange. Du siebst mich in diesem Dienste grau geworden. Bald nach Deiner Flucht war's, alick deS Verbrechens, Dich fluchtig gemacht zu haben, gezieben und überwiesen wurde; der Proceß war kur; und ich stall Deiner in die Armee eingereibt. Ich schied meine Frau» Deine Mutter, damit ihr Schicksal nichr an daS eines unglücklichen Mannes, an die Wechselfalle deS f SolkatenlebenS gekettet bleibe, und beugte mich vor Gor. , tes Witten. O. mein Sobn! wie babe ich seitdem gelitttil |n' den Gefahren der Schlackten, in den Starrniffrn unserer Wüsten, die ick durchkreuzte, in den Schrecken deö Norden-, in die ich so viele unglückliche Sünder habe schleppen müssen, daß dort ihre warmen Wallungen ver- Lisen und der Leichtsinn überlegen lerne; ^ch habe viel gelitten. nicht umsonst ist mein Haar grau, mein Körpergebeugt, mein Auge trübe." „Aber Jbr seid Kosak. Vater." — „ES wundert Dich, mein Lohn, daß ich daS geworden, was bier ein Jude nie werden darf, daß ich Kosak geworden? Ich will's Dir erklären. Vor einigen Jahren

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