Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 12 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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47 lag ick in dem angrenzenden Städtchen Aadziwilow in Garnison; in müßigen Stunden habe ich oft diesen Wald Lurchstricken, allein mit meinem Sckmerzj, mit nttinen Gedanken, und so fanv ick eines Tages hier ein schweres Packet weggeworfener Schmuggelwaaren, jderen Träger, um sich schneller vor den verfolgenden Kosaken zu retten, sie iveggelegt haben mochte, obnv daß Jene sie baben finden können; ich batte diesen Fund, ohr e Zeugen gemackt, behalten und verwertben können, je>er Andere an meiner Stelle batte sich ein kleines Dermöc en daraus gemacht: mir aber, was'lag mir in‘ meinem kummervollen Dasein, in meinem schmerzbeladenen Leben an den Mitteln; mir Beauemlickkeiren zu verschaffen für die ich stumpf geworden, mir Genüsse zu kaufen für die ich längst den Sinn verloren? Ich trug den jiemUA werthvoller; Fund in'S Grenzaml, wo ick ihn un rerührr abgab; ick that. was kaum meine Pstickt, denn ich bin kein Grenzwächter, sondern ein Soldat der üinie gewesen, und man meinte meine Redlichkeit am bef en dadurch zu belohnen, indem man mich ausnahmsweise als Juden zum Kosaken machte. Srit Jahren lebe ick nun in diesen finstern Tannenwäldern, die schweren Trttl'i der Zeit zählend, die mich so langsam hinscklepvk.' „Armer, armer Barer!" — Und in die Augen des jungen Mannes traten Thronen. ..Du, armer Knabe wirst einige Morale eingefperrr und dann als vermeintlicher Oestcrreicher den österreichischen Behörden ärrsgeliesertaber hüte Dich wodl, zu gestehen, Du wärest in Rußland geboren worden, sonst ist Dein Loos das traurigste." ..Ich werde mich büren. Und. Jbr — „Was soll ick, mein Kind?" „Werde ich Euch nimmer rvieder 'eher „Gewiß nein, mein Sobn. Ich bur ist bald verronnen, und ick werde in n Bürde meines LebenS abstreifcn, oder kar n ich entlassen werden und bin ich meines Eides entbundeisi dann schleiche ich auf denselben mir wohlbekannten Weg-n, auf denen ich jetzt den Tritten der Schmuggler aütlaure, hinüber in jenes Land, in dem Du ein Asyl gefunrer, um mir Dir zu leben; arm und erwcrbloS werde ich me ne alten Tage, wie Dll Deine Jugend, d>r Rächt und beii Sturme auSfeyen, mich durch diese Wälder stehlen, die ich jetzt büke, und der Kosak als Schmuggler den Rest feines müden LebenS fristen." Der Tag begann schwach zu dämmern l urch die schneegeschwängerten Wolken, die den ganzen H rrizonr umklei-, deren. Der zweite Kosak, der eben seinen Cursus in der Waarenkunde beendigte, stand jetzt aus. schiürte das Gepackt und wendete sich zu seinem Kamerad n. „Holla! Ausbrechen'." ries er. „Tra^e Du Deinen Pack, Bursche, und Du bindest den Mann an Dein Pserv, Wassilj. Auf, nach Radziwilow! 1 Seinen Ranzen auf dem gebeugten Rücken, die Hände gebunden und an das Roß seines vernickle en Vaters gefesselt, während Iwan veranritl, wurde )!aphtalie nach Rarziwilow geführt, umdem Grrnzamre überliefert zu werden, durch die Hände seines eigenen B tters, der ihn nicht nennen, nickt anrercn, nickt bemitleii en durste, um sein LooS nicht noch trauriger zu machend Zinige Monate werden vorübergehen, eine lange Kerkern »cht, und der gebüßte Schmuggler wird mit halb rasirtem Kopfe, ge, fesselt, abgehärmt, durch lange» Leiden, den österreichischen Behörden, dem Carte! gemäß, auSgefolgt und entlassen werden. Die Feuerprobe wird-er überst«nden hübey und wieder kommen und wieder und mit besserem Glücke durch den dunkeln-Wald schleichen, er wird in» silbernen Lichte des Mondes unter den dunklen Tannen!die Hütte sehe», in der sein ,Vater wacht, und später! ober sich wohl hüten, fickst ihr zu nahen,, weil Iwan mit Wassilj die Warte bäkt! Unterhaltungs 'Pilley. Mlkzefhtllt von L- Lehmann in Bad Homburg? " lr. mein Leben enig Zeit die Eine Frau, die durch, ihre Bosheit ^schon drei Männer dem Tode zugefübrt, beirarherc den! vierten. Dieser war aber Niemand ander», als der To^ selbst, der üus Curiofilät auch einmal probiren thollre, ob er mit dieser Frau rerl/g werden können Es ging aber nicht; trotz seines eifernen HerzenS und feiner sonstigen Gleichgültigkeit konnte er mit diesem Weibe nicht leben, ja, wäre er nicht selbst der Tod gewesen er hätte denselben, gleich den drei ersten Männern, herbeigewüfischt, um von einer solchen Frau befreit zu sein. Er faßte daher den Entschluß, aus seinen Geistesschwmgen zu entfliehend vorher aber ries er den einzigen Sohn, den. die Frau von ihrem ersten Manne harre, zu sich, indem er Folgende» zu ihmsprach: „Weil Du ein so kluger und liebenswürdiger junger Mann uizd treu als Sohn be« Abschiede entdecken unv bist und mich so freundschaftlich handeltest, will ich mich Dir.beim _ Dir dabei Etwas lehren, ^was vrS Glück Deine» Lebens begründen wird. Erschrick nicht ttnd wisse, daß ich-kern Mrnsch, sondern der Tov bin; ict wollte einmal aus Cu» riositäl probiren , ob ich mit Deirser Mutter leben könnte, aber ick fand, daß der SSJeiftfie | aller Sterblichen, der König Salomo. Recht'hatte, indem er sagte (Kohel. 7, 26.): rr:?: “ja «s'-'E’i „ „Und ich fand das Weib bitterer als den Tod,"" denn wäre ich nicht selbst der Tob, ick hätte als Mann nickt so lange ausgehalten. Dich aber will ich belohnen, indem ich Dick fähig mache, mich als Geist zu erschauen und Dir dabei einen—Rath exlheile; Du giebst Dich nämlich -von nun an als Arzt auS und hast Folgendes dabei zu bemerken. Wehn Du zu eine« Kranken gerufen wirst und siebst mich zrz Häupten desselben stehen, so verschreibe nichts, jdenn dem Kranken wird keine Medicin mehr halsen, ich bin da, um shnabzuholen,— siebst Du mich aber zu Füßen de» Kranken stehen, so kannst" Du verschreibin waS Du willst,!der Kranke wird geriefr». — Durch die Beobachtung dieses wirst Du Dein - Glück gründen, indem Du keim Eintritt ins Krankenzimmer immer bemerl.n kannst, ob Deisie Hülfe versprechen, oder ablehmn sollst. unss. dieselbe jim elfteren Falle immer sich glänzend bewahren wird. Und^nun lebe wohl!" Hiermit drückte der Tod seinem Ehemaligen Stiefsohn die Hand und verschwand. — Der junge Mann befolgte den vernommenen Rath, gab sich-al!s Doctör au», und sein Ruf wuchs mit jedem Tage..'— Einst wurde die ckunge Prinzessin, des Fürsten einzige Techttr. Von einer heßligett- Krankheit befallen, alle angewandte ärztliche Hülfe^war