Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 12 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur j , _ Belehrung und Anterhattung auf jüdischem gebiete. HcrauSgegebkn von Rabbiner:vr. Ludwig Philippsoq üt Magdeburg. | lRo. 12. 1856] Lon bieier z«> stangt 1 £blr. ifcrift erttbemt »M>enllt<b eint Numnci. $rei# des Aadr- $ti<rfHj4brifl *'/, 9<«r. Olle 4*u£bdntlnii()tn. PoSimne un4 3enunu*e|reMiipnen «ebnen Be-el>ijn«en <n. [4.Ji|rg.l.®SnurtgL] Bilder von L. H. F. t-kk»,'ebung «nv eckluh.) Z. Kosak und Schmuggler. ES sind Jahre seitdem vergangen. Der Winter lag im schneeigen Kleive auf der Erve, das grüne Gewand ersetzend, daS er von ihren Blößen genommen. ES war eine grausige Winternacht, vsr Wind fuhr in dumpfen Stößen, der Schnee siel in nassen Flocken von dem schwarz umfchleierten Himmel, eine j^ner Rächte, die die Wegelagerer und die Schmuggler herbeiwünschen al- Deckmantel für ihr strafbares Beginnen, um hinaus zu gehen, Gefahren und Elementen trotzend, Menschen und Gesetze herausfordernd, dem Leben die karge Nahrung für'S Leben abzuringen. Auf dem Wege, der auS Drovy zun Walde führt, welcher dle Grenzmarke zwischen Oesterreic, und Rußland ist. schritt in dieser stürmischen Nacht zur späten Stunde ein junger Mann; den Rücken gebeugt unter dem Ge« wichte eineschweren Ranzen-, ging er. rasch über die be« eiSten Felder dem Walde zu, immerfort hnurmelnv. alob er betete. Und in der Thal, eS war feine Nacht zum Beten, überdies war eS der erste nächtliche Gang diesrjugenvlichen Schmugglers; er hatte wool das Terrain ersorscht und all' die Windungen degeheimen Pfadestudirt, aber noch nre-trug er verbotene Waare auf dem Rücken, noch nie hatte er sich, der Narbt verrcaut und Kosaken gegenüber gestanden. Was lhu^ man nicht um Broterwerbewillen! Je naher er dem Walde kam. desto inniger und leiser ward sein Geber— e^ ist diedie Au« flucht gläubiger Seelen oder schwacher Gechükher in Furcht oder in Gefahr. ' Die Nacht deS WaldeS nahm den Einsiamen auf. Das Schweigen dieses OrteS, in dem in schönerer JadreSzeit taufend Wesen mit ihren Gesängen, ihrem Gezwitscher und Gewimmel leben, jetzt nur unterbrochen von dem Geknister der einsamen Schritte guf dem tzrflornrn Schnee und dem>fernen Rufe eineirrenden WomS halte erwaS so Furchterregende-, daß auch daS Blut ^es Mukbigeren vereiSl und eine weniger gläubige Serie zur Andacht hätte gestimmt werden können. Oft blieb ^er junge Wan« derer stehen, um hiüter oder vor sich z^ sehen, ob er nicht vom Wege abirre, den keine Menschemüße im Schnee ausgetreten; ©ft stolperten die müden Füße an einem emporragenden Baumstamme, an einem Etzöklumpen, oder sanken in eine schneegrsüllte Grube, au^ der er sich, schwer befrachtet, nur mit Mühe, keuchend unter der. Hier ist der hier in der Nähe Bürde mit Hülfe dedicken KnorenstockS, der ihm zur Stütze und Wehr diente, herau-half. aufseufzte und den beschwerlichen Marsch fortsetzte. Er wgr lange gegangen,' sein Körper zitterte vor Kalte! und 'Angst, seine Füße schwankten : vor Frost und Müdigkeit. — Schribepunst," sagte er zu sich. ..oder muß er sein. Gott stehe mir bei!" Er schollt weiter. Ach, wer gebettet auf Eiderduoen^ sich brüstend im sammtdraplrten Wagen, stürmische Nächte im Freudenkreise durchwachend, stürmische Tage in sicherer Ruhe verschlafend, den Schmerz in Lust ertränkend. die Freude in langen Zügen schlürfend — wer von Jenen, die im Leben nicht- Kennen, alfeinen schnellen Flug, vom Schicksal nichtal-i sein Lächeln, vom chimmelf nichtalfeinen Sonnkitschein — wer denkt da an'- Schicksal eine- Menschen, den!da- Glück au-gestoßen, der^nie an der vollen Tafel faß, der wie die ownschenscheuen Thiere de» Walde» bei Ngcht und Sturm seine Nahrung sucht, um datraurige Leben hinschleppen zu können?— An da- Schicksal eine- Menschen, der vom Leben nichtkennt, alden bleiernen Tritt, vom Schicksale nichtaldaschwere Rollen, vom Himmel nichtalden Sturm, kaum den— Trost des Gebete- und die Linderung der Thräne? Dieser Mann hat doch schon Diesen Weg gemacht — er war noch, ein Kinh — unter Führung älterer Schmuggler. Seit jener Zeit sind viele Jahre hingegangen, er ist seiner dpheich gebsieben,n Famttie fremd geworden, har keine Meldßng erhalten und keine'gegeben, um.seine Spur nicht zu vetrathln und deiy zwischen Oesterreich und seii nem Nachbarstaat, bestehenden Eartel zu verfallen, verlassen und »verwaist, in Elend und SchMuz groß, gewachsen, ohne! Mittel'.'und Erwerb har er dagefährliche Handwerk her Schwärzer »ergrissrn, daihn über eine Grenze bringt. welche er ehemalmit i so wieker Gefähr überschritt, einem Lande entfliehend, das ersetzt al-zweifacher Bcrlrecher aussuchk. j Er schr tt immer weiter vor, und hinter ibm dehnte sich die grauenvolle Finsternis deöden Walde», Schweigen starrte ihm entgegen wie vom Kirchhof um Mitternacht. Der j@$n,e batte alle Spuren verwischt, jede- Anzeichen xerweht und der Wanderer wußte kaum, ob er den rechten Weg gegangen und die Linie überschritten, an der die Kosaken wachen, ober ob er ihn verfehlt bade. Die Ungewißheit und alle Schrecken seiner Lage drängten auf ihn ein:; er blieb stehen, der Schwieiß sammelte sich auf seiner glühenden Stirne, er strengten sein Gesicht an,