Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 7 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 leriun. 3ßa6 liegt- Dir auf? Du!bist reich, ich bin nicht reich, zahl aber g'rad so viel, ^wte Du. 3ch sag' Dir, Khol muß fiyen und der Schäme» muß fort, und ich zahl' nicht einen Bleich und furchtalter Mann. der neue Lehrer muß fort, oder Groschen mehr, Punktum!" Und Punktum war'S, d. h. der BolkSreduer sah fich in feiner Tirade unterbrochen, denn der eine Gegenstand seines Haffekam daher: der Schämesam kam er daher. ..Der Schlüssel! Der Schlüssel!" frtönte eauheiser» und Hellen. auS kräftigen und jugendlichen kehlen im Ebor. ..Sind mir Deine Hund?" schrie tznser kleiner Mann über Allehinaus. ..Ich rinde den Schlüssel nicht," erkürte der Schämerund heraus und mit fester Stimme:!doch schienen diese Worte einen harten Kampf bestanden zu haben, bisie zum Durchbruch gekommen.? ..Du mußt ihn haben)" rief ein .Du mußt ihn haben," wiederiholte dabittere Männlein hohnlachend, „er muß ihn!haben. Da-ganze Jahr ist er schicker, soll er wissen, wh der Schlüssel ist. Den Kellerschlüssel, ja. den nnd't er besser. Ich Hab'- ja schon gesagt. Khol muß fitzen!" ^Jch stnde den Schlüssel nicht," ssagte beherzt Reb Salme; „stellt Euch auf die Köpf, ichl kann nicht helfen. Schon eine halbe Stunde suche ich uijd mein Weib alle Winkel auS. wer aber nicht da ist. istlder Schulschlüffel. Und wann Hab' ich ein Mal den Schlüssel zu suchen gehabt? Hängt er ritfy immer an seinem Nagel? Ich weiß nickt, wie-- — Der Sckames wurde in seiner VerjheivigungSrede unbrochen. Ein arge- Getöse ließ fich audem Innern Tempelvernehmen, ein fürchterliche- Getöse, ein IlicheS Krachen und Donnern wa^ e-, welchedie enden und Zürnenden auihres Fassung brachte, alsei der ganze Tempel zustmmengestürzt. rute ein neugieriger Junge ivurch daS Schlüs- Tempellhüre. I n;c Decke ist eingefallen." schrie er laut, in- '»r Versammlung kehrte. Idie ganze Decke." ingte fich natürlich hinzu! um fich von der 'er AuSsage zu überzeuge, und als die- ''atten und bewahrheitet sehen haben, stürzten fanden, wader mehrere handfeste 'iforte und drückten sie! ein, daß sie kra» 'lick! e war in der Tha> -mor. Allevon nur der Oren eingestürzt; der einen. Sand und Üakodesch war ver. verwundert, ergri s n Laut ließ sich Schlüssel!" 'er. Salme'- n vermißten and ballend. »en Alle einstiii vrrcte dre Fraß C en und bewältigt vernehmen, Alles rief eine weibliche 1 Leib kam auf den (Gegenstand wie im ivng. „Ich gehe auf -en Boden und suche ihn da — vielleicht, denk' ich, ist er zufällig da htngekommen. eine ganze Viertelstunde Hab' ich gesucht und Nichtgefunden. Da geh' ich wieder ' die Stub' und seh' an den Nagel und Hab' den Schlüssel. Die v/rsammelte Gemeinde erkannte da- Wunder, durch welchefie vo« dem gräßlichsten Unglücke gerettet worden, und unter freiem Himmel, im Anblicke de- Schürte-, schlugen stihre Gebetbücher auf und flüstertet, thrä» nenden Augeheiße Worte gen Himmel. ^77' „Khol muß fitzend" — Khol saß auch, nicht aber, um den Schäme- und den neuen Lehrer audem Amte zu schicken, sondern eine milde Stiftung zu erricht«», die ewiglich, für alle Zeiten an. diesen Tag und diese Stunde erinnern sollte. . " C u r i o s a. ■ Dieser Tage ereignete fich in ü n ch e »^folgender sonderbare Zufall. Ein Israelit, Rechnungslehrer Skutfch,! verunglückte in seiner neu bezogenen Wohnung durch einen I Sturz über die Stiege und ward unerkannt auf -en christlichen Golte-acker gebracht und beigesetzt; erst später, erlangte man über seine 'Person Au-kunsl. worauf die Leiche auf den israelitischen Friedhof geschafft wurde. Im Ghetto (Zudenvießtel) zu Rom ereignete sich ge. gen Ende v. M. folgende tragische Geschichte. Ein jüvücher Lumpenhändler in der Straß« dell' Azjimelle hatte einen Sohn: ein wohlhabender )uve in der Via Rua batte eine Tochter, und beide jnnge Lem<,waren m--. ein zärtliche- Perhäüniß zu einander gerieten. welches aber von ibren beiderseitigen Familien entschieden gemiß» billigt wurve, nicht etwa deswegen', weil jene dr- Liebhaberarm, jene de- Mädchenaber wohlhabend ist. sondern weil fie seit .Zahlen in gegenseitiger großer Feinrschast lebten, daher entstanden, baß der alte Lumpenhänvler, welcher einst bessere Tage gesehen, behauptete,, sein Vermögen durch einen an ihm verübten. von dem Pater de- Mädchens ersonyenen Betrug Orerloren zu .haben. Ganz vergeblich waren die Bemühungen der Liebjenden. _ eine Versöhnung des Einen mit dem Ändern herbeizuführen: der Lumpenhändler drohteseinem Sohn« , mir . Verfluchung, falldieser ferner noch seine Bewerbungen j um die Geliebte fortsetzen würde; letztere aber ward von ihrem Vater eingesperrl und zur Verlobung mit einem reichen Glaubensgenossen gezwungen) «och in derselben Nacht aber entfloh fie dem väterlichen Hause, u»d am anderen Morgen warf die Tiber die Leichen beider gebenden an den Strang. Um vereint zu sterben, hatten sie fich mittelst eine-!Shawlzusammengebunden. Die Väter deunglücklichen Paare-, an den Leichen! ihrer. Kinder zusammentreffend, wichen zuerst vor einander zurück; aber wa-.die Bitten ihrer Lieblinge nicht vermocht, alS-dlese noch am Lebien waren, dagelang nun den . Todten. Ueberwaltigt von. dem Anblicke der -in treuer Vereinigung Hingeschiedenen, gefoltert von-Hmeren Vorwürfen und erschüttert durch die ernsten FriedenSo« gen eine-anwesenden Rabbiner», reichten die beiden greiser: