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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 2 (1856) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
2 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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7 lichen Nissan-Orden-, eine Auszeichnung, die bis jetzt noch wenige Israeliten tm ottomanischen Reichs erhalten Hatzen. Unter seinen Befehlen verwaltet der Nässt die Angelegenheiten der Gemeinde. Vor der Errichtung de» bedeutenden Amtede- Hakham-Baschi hatte der Naffi, der immer unter den reichsten und einflußreichster Israeliten der Stadt gewählt wurde, eine sehr große stacht, gefährlich nicht allein für seine Glaubensbrüder, n enn er ste mißbrauchen wollte, sondern auch für die Türen selbst; denn nur vom guten Willen de- Pascha'- abhängig, konnte er durch Geld eine vollständige Freiheit im Handeln erlangen, die er zu Gunsten deS einen od«r deandern, je nachdem eS ihm gut bäuchte, nach sein n Launen oder feinen Interessen, auSbeutete. Dareligiöse Wissen ist unter den Zsraeliter Bagdadsehr verbreitet. Eine große Jechtva (Akademie! ist von ihnen auf einem sehr angemessenen Fuß erhalte,. Fünfzig junge Rabbiner oder Theologiestudirende st» Viren unter der Leitung eineunterrichteten Oberhauptes, R. Abdolah ben Abraham Sawekh. der feine schwierij en Pflichten erfüllt ohne irgend eine Dergütigung an unehmen. In der Lhat ist er ein sehr reicher Mann, 1 er sich zu meiner Zeit an der Spitze eineder bedeutendsten Handel-Häuser Bagdads befand; aber anstatt sich persönlich damit zu beschäftigen, überläßt er diese Sorge e nem vertrauten Agenten, um Muße zu haben, seine (anze Zeit dem religiösen Werke, dem er sich so großmüt >ig unterzogen hat, zu weihen. Die Israeliten bewohnen in Bagdad ein Ql artier für sich; aber esteht ihnen frei, sich anzufledeln, wo eihnen beliebt, waS sie auch benutzen, denn eine gro?e Anzahl von ihnen wohnt unter dm Türken. Man zählt dort 9 Synagogen,"von denen 8 in einem und demselben Hofe liegen. Am Eingang diese- Hofe- und bei ein rot hierzu bestimmten Stock stehen einige von unsren' virnehmsten Brüdern, um von den Gläubigen, die Morgen- oder Abend- Vorbeigehen, die dem Armen bestimmte Gabe zu empfangen. Man hat mich versichert, daß die Einnahmen sich im Durchschnitt auf 1000 Piaster Rartz täglich belaufen; sie sind hauptsächlich für die Armen der Gemeinde und zum Unterhalte der Zechiva bestimmt. Da > Koscher« fleisch ist auch mit einer Abgabe zum Borrheil l er Armen belegt. Da- Innere der Synagogen bietet nicht! Bemer» ken-werthe-; der Plafond ist s jour. Die neuite, deren Estrade auf 16 Säulen ruht, und wo,man die Meghila am 14; und 15. de- Monat- Adar liest, ist die größte; man nennt sie Beth Hakeneseth Cheik Gayn Itjaak. Der Name eineberühmten Weifen, der nach her talmudischen Zelt florirte^und dessen Grab sich an einer an die Synagoge stoßenden Stelle befindet. Man steht d!ort einen Katafalk in Manne- Höhe sich erhebend und m^t Fahnen von den glänzendsten Farben geschmückt. Zehn Rabbinen sind dort beständig anwesend, zu beten und die heiligen Bücher zu lesen. Die Israeliten machen eine Wallfahrt dahin. Am Freitag zwischen zwei und drei l^hr Nachmittaghört alle Arbeit bei unfern Brüdern isi Bagdad auf; die jüdischen" Handel-Häuser; Comptoiruiid Magazine sind verödet, jeder geht nach Hause, man beschäftigt sich mit der Toilette und' begiebt sich so früh alp möglich zur Synagoge, um dort da- Abendgebet zu verrichten, daßungefähr eine Stunde vor der Nacht beendet isi. Dann versammelt man sich in der Familie, man fingt hebräisch» j Gesänge und nimmt einige Getränke zu sich. Sowie die letzten Strahlen de- Tage» verschwunden find, sagt man da» Scheuia, dann geht man zum Abendessen, da» sich öfter» bi- Mitternacht verlängert. Am anderen Morgen, am Samstag ftüh, ist Morgengotte-dienst; und nachdem Frühstück wird regelmäßig eine religiöse Vorlesung mit einer AufmeiUamkeit gehalten, die Denjenigen, der nur im Vorbeigehen die Israeliten von Bagdad steht, erbaue» muß. Mehrere versammelte Familien hören in tiefster Sammlung zu; vorzüglich die Propheten studirt man auf diese Weise. ' Die anwesenden Fremden folgen dem Beispiele und unter» _ brechen diese Uebung nicht. Ich kann e» schwer auSdrücken, welche- Glück ich empfand, unsere Glaubensgenossen, die so weit von uns entfernt,' ben heiligen Tag de- Sabbathstreng nach den, Vorschriften de- Gesetzebeobachten zu sehen. Tag der Ruhe und der religiösen Übungen, Du bist in Bagdap mit aller möglichen Salbung und mit jener Wei-hetK beobachtet, .welche in gleicher Weife die düstre Strenge wie die Zerstreuung, die Langeweile wie die Ermüdung fern hält. Die Anwendung deganzen Tageist weislich gekegelt. Nach beendeten Vorlesungenmacht man sich gegenseitig Besuche, und die ganze Welt geht Nachmittag spatzieren, Die reichen Israeliten habet, prachtvolle Landsitze an den Ufern deö Tigris; fie bringen dort den Sommer zu. Ich muß hier einen charakteristischen Zug erwähnen, den ich mit einer wahren Herjen-fteud« wahrgenommen habe; nirgendswo habe ich meine Maicht"8ö*Üder die Feste mir mehr Achtung und Feierlichkeit begehen sehen, keiner Orten habe ich ste so vollkommen baar^iefer schwarzen Sorge, dieser Lüstern und schweigsamen Laune^ dieser Frucht der Unduldsamkeit und der Verfolgung, bedachtet. ES war für mich ein wahrhafter Genuß, diesen brüderlichen Versammlungen beizuwohnen, wo^eine offne und cordiale Freude immer durch ein riese- und wirkliche- Wissen verklärt war; uüd wenn ich diese- Leben der Israeliten in Bagdad mit dem meiner Brüher in den orientalischen hegenden, die ich eben durchwandert bin, vergleiche, so glaubte ich eine glücklichere Zukunft ffc meine Glaubensbrüder vorau-fehen zu dürfen. Ost traurig »nd niedergeschlagen, wenn ich sie unter dem Joch de- De-pöti-mugebeugt, in einer liefen Unwissenheit befangen undX^ wie einige wenige Schalten eine» in der alten Welt großen und berühmten Volkeirren sah, warf ich mÄne Blicke auf die geheimnißvolle Zukunft, die dennoch Glück verheißt. Bei meiner Ankunft in Bagdad sah ich buchstäblich diese Vorschrift befolgt: „Und Du sollst Dich freuen vor dem Ewigen, Deinem Gott, Du, Dein Sohn, Deine Tochter, Dein Knecht, Deine Magd und der Levit, der in Deinen Thoren weilt, der Fremdling, die Waise und die Wi'ttwe, die usiter Euch find, an dem Orte, den der Ewige, Dein Gott, gewählt haben wird, um seinen Namen zu verherrlichen." In der That wurde ich armer Pilger mit jener Beachtung, jener Güte empfangendie vom Herzen kommen, und ich habe mit wahrer Rührung Waisen, Wittwen und hülf-bedürstige Brüder die Gaben der Reichen vor dem. Sabbathtage empfangen sehen, wie am Vorabend der Festtage. Oft find die Armen in den Familien und am Tische der Wohlhabenden ausgenommen. Di,- ist eine besondere Spende, denn die gewöhnlichen

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