Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 2 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Unterstützungen sind regelmäßig jede Woche. Liese strenge Beobachtung der SesetzeSvorschriften har mich, so zu sagen, ergriffen; sie hat meine Kräfte verdoppelt, um meine Forschungen fortzosetzen. Di,» war wie eine wohlthuende Oase inmitten der ungeheuren Wüste, die ich soeben durchzogen, und die noch einmal vor mir ihren unermeßlichen und traurigen Horizont au»breitele. Indem man die Straße^ die da» hebräische Viertel von Bagdad der Länge nach durchschneider, verfolgt, kommt man an eine Moschee, deren Anblick höchst imposant und die von einer Mauer umgeben ist: da» ist da» Grab de» berühmten Marabout Abd-el-Kader, von zahlreichen Pilgern besucht. Die Tradition berichtet, baß diese Moschee ehnpal» eine Synagoge map und daß der Marabout kein Anderer, als der berühmte Talmudist & Zosua Haguelitt fth In der Nähe von Bagdad befindet sich ein« Art besonderer Stadt, getrennt von dieser durch den Tigris. ES ist in der Thal nur ein ungeheurer Markt, eine sehr weite Karavanserai, von den fremden Kausleuten bewohnt. Eine Meile von da.erhebt fick ein kleine» Gebäude, beschattet ' von 8 Dattelbaumen von gigantischem Umfange. Da» Monument besteht au» zwerTheilen, von denen da» eine, reich geschmückt, da» Grab.de» Hohenpriester» Zosua ist, von dem Zacharia spricht, Unter-dem Katafalk sind mehrere Manuskripte niedergelegt, die zu berühren verboten ist. Da» Innere dieser Art Grabhöhle ist durch ein lange», enge» Fenster erleuchtet; die Israeliten begeben sich alle Monate dahin, um'die Schriften de» Hohenpriesters zu lesen. Nach beendeter Lesung stimmen sie Loblieder an, dann versammeln fie sich in. einer gewissen Entfernung vom Vhnumente, um ein Mahl einzunehmen. Unterhaltungs-Pillen. Mitgetheilr von L. Lehman» iu Lad Homburg. ..Vater." so ftirach der große Sohn einer Familie, \ „bei allen Eeremonien betest Du nur hebräisch, warum ebe» bei Hafdolamachen noch deutsch dabei?" — „Da» will ich Dir sagen, lieber Sohn, den ganzen Tag über habe ich Gott auf hebräisch gngerufen und um gute Geschäfte gebeten; jetzt, da die neue Woche da ist, geht mir'» am Kragen — kannst Du mir» verargen, wenn ich nun deutsch mit unser« Herrgott rede?" Jemand besuchte seinen Freund, der gerade im Essen .begriffen waH und erzählte ihm Etwas. Dieser ließ sich aber nicht vftl stören, und sagte bloß: „Hakol Hebel." — „Nein," antwortete der Andere, „Dem unermüdel Essen beweiset dgS Gegentheil, denn Kam (Kauen) ist nicht Hebel." Anekdoten. (Au« Paschel«'- Dolkskalender.) Jemand kam zu einem jüdischen Wrinhändler zu Besuche, und fand ihn nicht zu Hause; er bat den Sohn, den Vater zu holen, er hatte ihn dringend zu sprechen. Der Sohn entfernte sich und kam bald mit der Antwort wieder; .Her Vater kann unmöglich kommen, er ist im Weinkeller und macht Tokaver." Zu einem Schadchen in Prag kam Jemand anftagen, ob er für seinen Sohn eine Partie wüßte. „Was ist Ihr Sohn?" ftagte Jener. „Mein Sohn war fech» Jahre Lehrer, er hat sich etwa» Geld erworben, hat daS Lehramt aufgegeben und ist ein ordentlicher Mensch geworden." Aphorismen. Loa vr. Wahl. Sei erst selbst gut, ebe Du Andere gut machen willst; denn Du kannst versichert sein, daß man, wenn Deine Worte nicht mit Deinen Handlungen übereinstimmen, Tugend und Religion so lange für eine unausgeführte Idee halten wird, als sie sich bei Dir selbst noch nicht verwirklicht haben. _ Man sollte eigentliche Selbstliebe wohl von Selbstsucht unterscheiden. Wer! seinem lieben Ich, wie einem verwöhnten Muttersöhnchen jeden Wunsch zu^ erfüllen sich beeilt, ist selbstsüchtig; wer aber Strenge ausübt gegen sich selbst und da» aufkeimende Unkraut böser Begierden auSzuraufen sich bestrebt, der liebt sich selbst. Wenn man die Wahrbeit nicht mehr sagen darf ohne zu beleidigen, so ist dieS ^immerhin ein Zeichen, daß sich di« Lüge' zur Gesetzlichkeit, erhoben hat. ES giebt der Sage stach Schlangen, die durch ihren gistbetäubenden Hauch die, in ihre Nähe fliegenden Vögel in einen immer engeren Zauberkreis bannen, so daß diese zvketzt dem Rachen derselben zueilen. — Sie sind da» Bild eine- Verführers. Wörter sind Spielmarken der Gedanken; daher läßt sich ein Jdeenstrrit sehr oht nur auf einen Wortstreit zurückführen.! Allgemein« Zeitung de» Judeuthum». No. 40. <866. Leiteude.Arttkel: Die wahre Reform Ul. — vom Inftitat. jut Förderung der israelitische» Literatur. — Rußland. — Der Kirchenstaat. —- Die Jude«ste«eru. — Zeit»ug»uachrichte»: Deurstlaud: MSuche». Preuße»: Schueidemühl. Oesterreichischer Katserstaat: Au« M-Hrr», au» de« Ba»ate, Wien, Wien, Prag. Die Schweiz: Eudiugen. gy Zu beziehe» durch jede» Postamt »ud jede Luchhaudlang. Jährlich 3 Thaler, vierteljährig */« Thaler. vrrautwottttcher Redakteur: K. Rabe.! Verlaz ee* f aiajittnn'l Sud-banHung in gtfpjig. — Cm« een BltjanUr Dt« in 8el»»ig.