Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 2 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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6 ich will Dick pflegen und ehren und Dir dienen, Du sollst im Sonnenschein, leben, auch mein Weib —„Jehova segne sie, wenn sie mich werth hält mit der Innigkeit der Kinder unser- Gramme-!" — „Ich bin ein Christ geworden.. nur so konnte ich Ansehn gewinnen, wie ich'« verlangte. den ..Judenjung" sollte mir Niemand mehr vorwerfen!— „Sei reich und geachtet, mich aber laß -arm und verackket sterben!" — „Aber da- Weib, daS, entzückt von meinem Spiel, Hand und Herz mir^gab, .wird Dich, meine Mutter, lieben. „Deine Mutier vielleicht. die arme Jüdin aber nimmermehr!" Jakob schwiP und dachte an die aristokratische, Irma mit den kaltep Augen und stolzen Manieren, an ihre hockmüthigen Der» wandten, und er seufzte und knirschte mit den Zähnen. ..Geh, mein Sohn," sagte nach langem Schweigen die alte Frau, „laß mich ruhig einschlafen! Mein heißersehnter Sabbatb wird ja auch Hereinbrechen über mein gebeugte« Haupt mit seinem Glanz und seinem Frieden; ich harre geduldig!" — „In drei Tagen-Hob^-ichTmein Eoncert \-Unfcjpm Morgen nachber komme ich wiever'zu Dir^dann mußt Du mir -folgen!" Sarah schüttelte sanft den Kopf, legte still.ihre Hand auf den Scheitel de- Sohne-, murmelte einen Segenswunsch, und Jakob verließ daS Kämmerchen. Er ging zum Rabbi, entdeckte sich ihm und gab ' ibpi Geld für die Murler. Sie sollte fortan in einem schönen Zimmer wohnen, in weichen^Bekten schlafen, Pflege und Bedienung baben wie eine vornehme Frau, und dagleich am morgenden Tage. Der Rabbi versprach Alle-. Schweren Herzenkehrt« Jakob in sein Hotel zurück. Die junge Frau lag graziös hingestrkckt in einer Chaise iongue, , sie blätterte in Heine'- Buch der Lieder. „Hast Du Dich gut unterhalten, Irma?" fragte ihr Mann zerstreut. „Avec ce petit juif lä! Fi donc!“ („Mit diesem kleinen . Juden? Pfui doch!") antwortete sie und warf da- Buch vkiachtlich aus den Tisch. t Da- Eoncert des Herrn Giacomo S. war. wie es stch erwarten ließ, bis aus-den letzten Platz gefüllt, der Virtuose wurde mir. rauschendem Applaus empfangen und die fast fürstliche Toilette seiner jungen Frau zog alle Blicke auf sich. Er spielte eine glanzende Phantasie über Themata auS Meverbee'rS Propheten. Keiner wagte laut zu athmen, als der Künstler im bezauberndsten Piano den Bettlergesanz des. armen FideS anstimmre. — Wahrend dierührende Lied verschwebre und die entzückten Zuhörer 6a oapo riefen, fuhr draußen vor der Stadt ein schlichter Leichenkarrell der.jüdischen Begräbnisstätte zu. Es war auch eine Bettlerin, die man da zur Ruhe brachte: der Sabbath der geduldigen Sarah .war endlich hereingebrochen, sie ging ein in die ewige Wahrheit. Einige Auszüge aus: Cinq annees de voyage ent Orient, par Israel Joseph Benjamin. DieieS Reisewerk, welche« de« wissenschaftlichen CharakterS völlig baar ist, zeigt unS jedoch abermals fo rech^. wie zerstreut der Stamm Juda's; und wie feine Splitter in allen Theilen Asiens finden find. Leider! ist jm Allgemeinen sein Zustand dort der bedauernSwerthefie. Heben wir, wie wir schon in No. 49. devorigen Jahrgangs gerbau, einige Züge l'ier hervor. 3. Die Israeliten in Bagdad. Die israelitische Bevölkerung von Bagdad zählt ungefähr 2O00 Familien. Sie trägt bedeutend durch ihre Intelligenz, ihre HülfSmittell und ihre Thätigkeit zum Ausschwung deS. Handels, zur allgemeinen Thätigkeit und zum Aufblühen dieser wichtigen Provinz bei. In der That findet man dort Kaufleute ersten Ranges, die ihre Handelsgeschäfte biS in die Ferne ausdehnen und muthig gegen die Concurrenz der Eingeborenen wie der Fremden ankämpfen. In keinem Lande AfienS habe ich meine GlaubenSbrüder so glücklich »nd, um ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so würdig diese- Glücke-, gesehen. Den Aberglauben abgerechnet, der eine Frucht der vollständigen Unwissenheit unv daS Resultat alter unv zahlreicher Traditionen ist,^ünd den die Orientalen mit der Muttermilch einzusaugen scheinen, können ste alS daS Ideal der Israeliten deS Orients angesehen werden. Sie stnv großmüthig, gastfrei und haben noble und wohlwollende Manieren; ihr Geist ist ziemlich entwickelt und ihre häufigen Beziehungen mit den Fremden geben ihnen eingewisse- SchicklichkeitSgefühl, eine Artigkeit, eine Lebensart und eine WelrkenntnD, die sie den gebildetsten Europäern annähern. Ihre Rabbiner find sehr unterrichtet und genießen einer wohlverdienten Achtung, Die drei bedeutendsten unter ihnen sslnd mit der richterlichen Macht unter dem Titel Dalamin bekleidet, und die Gemeinde selbst wählt sie und ernennt ste zu diesem wichtigen Posten. Zu meiner Zeit waren diese drei Richter: R. Jakob, Präst» dint, achten-werth durch sein Wissen, seine Frömmigkeit undxseinen edlen Charakter; R. Eliau Obadia, ein reicher und mtterrichteler Mann, der einen bedeutenden Ausfuhrhandel vupch die Karavanen betreibt, und endlich R. Avdola, einer^der ersten Kaufleute von Bagdad. Aber dief^ besagten Richer vollziehen nicht die ausgesprochenen Strafen; dieses Recht^zehört dem Hakham-Baschi, dem Groß- Rabbiner. Er ist oipect durch die Hohe Pforte zu dieser Würde ernannt, und er ist zu gleicher Zeit der officielle Repräsentant der Gemeinde bei der höher» Behörde. Er wacht über die religiösen Interessen und über die DerwaltungSsachen, als auch über die Civilangelegenheiten seiner GlaubenSbrüder. Er ist außerdem noch beauftragt, dqS Einziehen der Beiträgt von Seiten der-^üdischen Bevölkerung zu bewirken, von der jedes männliche Glied i jährlich vom 12. bis 13. Jahre an, eine Abgabe von 15 hiS 120 Piaster, unv zwar in dreimaligen Einzahlungen, entrichten muß. Der Hakham-Baschi wird in seinen Aemrern durch einen Notablen-Rath affistirt, dessen Beistimmung nothwendig ist, um seinen Acten die nothwendige Gültigkeit zu geben. Während meines Aufenthaltein .Bagdad versah dieses bedeutende Amt R. Raphael Kassin. auS Aleppo gebürtig. Dies war ein Mann in den dreißiger Jahren, mit langem, schwarzem Barte, einer imposanten Gestalt voller Adel. Er genießt große Gunst in den Augen deS Pascha, der ihm eine besonder Garde von 4 Gavaz (einer Art Gendarmen) giebt. Sie reiten - vor ihm her, wenn er ausgeht, und er erscheint nur mit «nem fürstlichen Glanze. Er hat unter anderen fünf oder sechisraelitische Geschäft-Wäger zu seinem Dienste, um seine Befehle in Ausführung zu bringen. Als daglänzendste Zeugniß der Achtung und des Vertrauen-, die ihm die Regierung beweist, trägt er die Dekoration deS kaifer-! -