Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 1 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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ihn nicht ich muß Erster» hatte sich dicht an die Kaffe gedrängt und zählte voller Staunen mir den Augen die Einnahme bjj Billet- Verkäufers. „Wer eS auch so wett bringen könnte!'" sagte er halblaut zu seinem Drud/r. „Wir wollen bitten, vielleicht läßt man unS Vinter der Thür lauschen." ^rwiederte dieser, den AuSruf anderdeutend. Die Knaben baten den Portier, der Wächter der Psortc wollte ab?r Nichtdavon hören und NichiS erlauben. ,.WaS veriehl Ihr Judenjungen von Musik!" sagte er rob, „waS kann Euch daran gelegen sein, hier-hinter der Thür zu friecen?"— ,.O, für die Musik könnt, ich noch mehr als d»S," rief David. „Nein, daS ist wahr, hinter der Thür hilft'- mir nichts," setzte Jakob hinzu- ..da kann ich spielen sehen, und ick muß eS ihm abgugen, reich werden, wie er!" „Hier stnd zwei Karten für die Kinder." sagte ein feiner blaffer Herr, der unbemerkt herauf gekommen und einen Theil deS Gesprächs gehört halt,; und »ach dem Concerte wartet auf mich, ich will noch mit Euch reden!" Der Castellan verbeugte fich-tief: „DaS war Er," sagte er nach einer Pause fast feierlich zu den erstaunten Knaben. „Er sieht auS wie andere Menschen auch." murmelte Jakob, „seine Kunst kann also kein Herenwerk sein!" David küßte die Karte und preßte sie fest zwischen seine Hände, ängstlich um sich blickend, ob auch Niemand den Schatz ihm zu entreißen trachte. — DaS Concert begann mit Mozarl'S Ouvertüre zum Don Jua/ff. Jakob hatte dreist seinen Platz dicht am Orchester gewählt, er wollte durchaus den Künstler spielen sehen^mehr verlangte er nicht. David war von ihm weggevrängl worden und saß hinter einer Säule am Ende deS SaaleS. Al^ nun die großartige Musik daher geschritten kam und wielein Simson an der Säule rüttelte, die den bebenden Knaben verbarg, 'da zerriß der Schleier vor seinen Augen; daS ist wahre Mufik, fühlteer, erkannte er. Seine Hände fielen zitternd ineinander, fein erschütterter Körper lehnte sich gegen die Säule; so empfing er den Gruß L^S hehren Mozort-GeniuS. — ES giebt bevorzugte Seelen, denen in einem Momente der Entzückung daS Verständnis von Ditgen aufgeht, über denen die meisten Änderen ein Mentchenlrben lang vergebens brüten. Ho David. Er Ügriff die Herrlichkeit Mozart'S, dessen Namen er mühsam lauf dem Programm zu entziffern vermochte, Dank sei seiner Zudenschule. „Solche Wunder schaffen, wie er!" dachte er immer, unv hörte nicht, wie der fremde Virtuose in kunstvollen Gängen auf- und niederwogte. stürmte, säuselte unv flog, er hörte nicht den Beifallssturm der Menge, er kam erst wieder zu sich in hen warnten Wellen reS blumengeschmückten Stromes der Pastoralshmphonie Beethoven-'. Träumend ließ er sich am Schluffe deS (Son* cerlS voaCBruder fortziehen, träumend hörte er die Frage deS fremden Künstlers: ..WaS wollt Ihr den» werden, Ihr armen Schelme?" Da überfluthete,ihn plötzlich eine Helle Begeisterung und er hob die wunderschönen Augen auf zu dem Frager und sagte fest: „Ich will ein Mozart werden!" — „Und ich will spielen lernen und iGeld verdienen, wie Ihr!" ries Jakob. Und der reiche berühmte Virtuose lachte und erbot sich, beide Knabe,» nach Berlin zu bringen, dort einem tüchtigen Lehrer zu übergeben und auf seine Kosten ste zwei Jahr lang in der Mufik unterrichten zu affen. Man erstaune nicht tllzusehr, eS rhar kein Edelmeth, der den Künstler zu dieser allerdings auffallende» Hmdlung trieb, auch kein wahretrefeS Mufiktntereffe: eS war eben nur eiüe Laune. Der große Herr wünschte arf eine recht pjkan(e. Weise ein stürmische- Interesse zu eregen und griff zu diesem ihm in den Weg tretenden Diktel. Sein Zweck wurde vollständig erreicht, waS ihn fe»r vergnügt machte; .die romantische Geschichte machte die Rund« durch alle- Zeitungen, begleitet von den ganghattestm Zusätzen und Randglossen, die alle seiner erfiaunenSiV-rthen Großmuth galten. „In zwei Jahren komme ich ßlbst nach Berlin," harte er zu den Knaben gesagt, ..dam werde-ich sehen. waS Ihr gelernt; für hen, der fleißig var, «erde ich ipeiter sorgen!" Rach d-r armen Sarah fragte natürlich 'Niemand. „DaS Zudem,,ib wird froh sein, die Kinder loS zu werden, dergleihen Gesindel »erschachert U AlleSk" hieß eS. — Sie strärbte sich auch freilich nicht, die treue Mutter, als man sie von dem Plane des grvßmüthlgen Künstlerin Kenntniß fetzte... „Ihr werdet'- besser habe«, als bei mir," sagte ste heim Abschiede und weinte auch nicht. Gott aber sch ihre heißen Thränen, sah ihr Händeringen, alS ste nun einsam war, er hörte den Schrei deschmerzzucke,den MutierherzenS. Nachher ging ste wie sonst und verkaufte alle Aleiver, lies hin und her, nur alterte ste rasch, trug sich gebückier und -ihre Augen waren immer roth. ES fragte Ire aber kein Mettfch-^veShalb. —^ ,Ln zwei Jahren bin ich Mözan geworden, und dann komme ich und hole Dich!" batte David beim Abschied gesagt;, daran dachte Sarah immer und immer. — Zwei Jahre waren vorbei, da brachte der Pastete der armen Jüdin in ihr engeI, dunkles Kämmerchen einen Brief. Sie steche, zitternd über dies wunderbare Ereig. niß. ein Lämpchen an. öffnete und erkannte an der mühsa„ entzifferten Unlerschrift, daß ihr Liebling David hen Brief geschrieben..' Lange, länge konnte sie vor Thrä»en nicht lesen. endlich entwirrten sich die Buchstaben. Sa^ah laS langsam, die halbe Natt ging darüber hin, und al» sie die letzte Zeile, beendet, siel sie ohnmächtig mit dem müden Kopf auf den harten Tisch. Hier ist der >BriH. „Man har mir gesagt, liebe Mutter, daß ich bald w^eit, weit Wegreisen soll, von der Rückkehr aber weiß ich Nicht-. Nur möchte ich Dich beruhige«, über die neue Trennung und daß ich kein Mozart geworden bin, arme.Mutter, damit Du Dich nicht zu sehr um Dein Kind grämst. Solltest Du nun 2ange, lange nichtvon David hören, so traure nicht, »tan wird Dir bald sagen, wohin er gangen. — ©if; viele..viele Tagt stnd gewesen, seit Dich zum letzten Mal geküßt, wie gern möchl' ich me Wangen an Dein. gukeS Gesicht drücken. Ob Du wohl viel geweint hast über uns? Ich habe auch geweint um Dich, und ich bin unglücklich gewesen, nun aber ist AlleS vorüber und ich hin glücklicher, wie .ich Dir beschreiben kann. Sieb, liebe Mutter, da wollten sie mich zwingjen, allerlei sonderbare Dinge zu lernen; ich wollte ja ein Mozarl^werven^ sagten sie. Die Roten sollte ich l>rrnen, Generalbaß studiren. eine Schule, durchmachen, und d» schraubten ste meine Hände fest an die Tasten, und da durfte ich nicht mrbr spielen als fünf Töne, und end ich acht u. f. w. Musik durfte »Leucht bören, d»S zerstreue nur, meinte unser Lehrer. Er^ß mich auch nicht hina»S- B'* ich ne