Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 1 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4908862-5999343-6000782--0855-4909517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 gehen in'4 Freie einige Minuten^ ein Baum stand und spater nur dann und. wann auf Aber weine nicht deshalb, gilt 'Mutter; a vor dem Fenster meinekeinen Zimmers und so na> , rast ich sie fassen konnte die lieben Blätter, und ra Hatte ich Messer Freiheit gegeben, .-tsäuln,t; - eS must die erlernte, i batte ick' ja genug deS süjen GrünS. -gekernt, so hätte man mir wohl mehr aber ich verdiente die Straff ich war so ungesckickk, so un> ekebrig, nichts, nichts merkte und begriff ich! Ach. die.Äusik, die man so erlernen!ann, muß doch eine andere ein, als die, von der ich immer^-gedoch eine andere Tonkunst jeden, als rnst wäre auch Mozart nibt gewesen, nicht irabr. Mutt r? In mir singt und klingt es unablässig, aber ganz anders, als wje da draußen Diese vielen gelehrten Worte, ach! wer sie versieben Dnnte! diese -.vielen kl.inesi und großen, dicken und dünnen Noten, wie sie mick. verwirrten! Sic tanzten vor mir auf und ab wie Gespenster; sie neckten mich, kletterten-aus den Notenftrichen auf uno nieder und schlugen allerlei Purzelbäume. - Zuweilen verlor ich vor Angst die Besinnung, wenn das -strenge Auge nieines Lrbrcrs mich ansab und nach vielen Zeichen und Namen fragte, die ich nicht wußte. Ach, er sah ja nicht, wie toll sie waren., die schwarzen Dinger, nach-welchen er mich fragte! „Zur Strafe Deiner Faulbeit erhältst Tu beut kefti Abendessen," hieß es oft. Mutter, der Hunger tbai nicht so. weh, wieder Gedanke, »aß ich nimmer, nimmer ein Mozart werden konnel" ..Spät Abends, da war's mir immer am wohlsten, cka setzte ich mick an das kleine Clavier und wußte, das eS Niemand börie. wie ich darauf herunvgriff. Dann Härte tch aber Musik, ja glaube mir's nur! Ob ich spielte »der enrchöhere Macht meine steifen, ungelenken Finger berührt^» ich weiß eS nickt, aber die Orgel tönte yoie damals in dcn Kirchen der Christen, als ich draußen lausöke, u»v ich füblke keine Sckmerzen, keinen' Hunger, keine Traurigkeit u^ld ^keine Sehnsucht. EmeS AbendS krm .aber, mein Lehrer trüber nach Haufe und hörte mich spielen. kam herauf und - schall' -mich einen albernen Träumer und Klinaercr. Am andern Tage ließ er daS kleine j Elävur in fein Zimmer tragen, nun könnt' ich nur dorr I und nie mehr Abends spielen!", »! „Bon meinem Bruder wurde ick gleich anfangs ce--^ tTj^i:tt; er fei viel weiter alS.ich und lerne viel, -sagtet man mir. Die langen, schweren Tage, die stillen, dunkeln Abende machten, mich endlich krank, gute Mutter, und in dieser Krankheit fab ich. Dick deutlich an meinem Bette, und Deine Hanv bat mir die Kissen gerückt uiH die Stirn getrocknet. Du hast sie auch mit mir hören dürfeir/die Mozart.-Musik, die »ick immer hörte! Mutter, lch weiß doch waS Harmonie ist, wenn ich auch die Lehre vom Generalbaß nicht begriff: ich weiß, daß es äckte Musik ist, nach der meine Seele verlangt?," so lang ich denken kann. Und riese Seele' laßt sich nun nicht mehr, ballen, ich gehe dahin, woher der goldne Strom kommt, zu der Töne Urquell. Ich war selbst nur ein verlorner Ton. zu. den) sich bi.r auf der Erde kein Accord finden w'ollie. Nun weißt Du. welche Reise ich meinte, gute Mutter; Du wirst sie mir gönnen. Sie sind jetzt.Alle gut zu mir;-unser Beschützer Herr G. ist da, ich wohne bei ihm, ich sehe auS meinen Fenstern in einen Garten, und nickt gar zu weit liegt eine Kirche, und da kommen oft Orgeltöne zu mir herüber und reden wie Brüder mit mir. Mir ist unendlich wohl, ich fühle, ich werde mich so sanft auflofen, wie ein Klang in weicher Nachtlust. Gute Nacht,__ Mutter. auch Dein Sabbath wird kommen. David." An den Rand des Briefes hakte Jakob mit fester Hand die Worte geschrieben: „Der Bruder ist tovtz eS war daS Beste für ihnz er paßte nicht für Arbeit und Mühe. Wann ich zu Dir komme, weiß ich nicht, aber arm komme ich nicht. Herr G. bat' mir einen Platz in der großen Musikschule verschafft." <2d>fn6 folgt.) Aphorismen. Von Dr. Wahl. „Bringt mit einen Spielmann her," so ries der Prophet, als er sich zur Weissagung erheben wollte (2. Buch .der Könige Cap. 3, 15.). 3ch erinnere mich, daß diese Worte auf meine frühste Zugend einen tiefen Eindruck machten, ohne daß ich den Sinn derselben noch auffasien konnte. Spater erkannte ich erst, daß fvir. ermattet vom Kampfe mir der irdischen Natur, eine Dsusik nöthig haben, die uns) wie ein fernes Alphorn, an unsere heilige Heimatb mahnt und unS wieder zu uns selbst bringt — aber nicht diejenige Musik, die unseren Verirrungen schmeichelt und dle das Herz zerfressenden Leidenschaften mit einem Heiligenschein umgiebt, sondern die wahre, ächlo Kunst, die ihren Pinsel in die Tiefe des Herzens taucht und die Welk, aus ihrem materialistischen Starrkrampf rüttelt. — Eine solche- Musik ist füp uns große Kinder eine umgekehrte Wiege, die uns in beständigem Wachen erhält. Nicht die großen Leiden sind es^ nicht die Gewitterschläge des Schicksals, tit das Glück unseres Lebens zertrümmern; -sondern die kloinen Erbärmlichkeiten, die an den besten Säften unseres Lebens nagen. Nicht der Sturm schadet dem Baume so oft, wie der Wurm, der langsam, aber sicher seine Wurzel zerfrißt. Ällgerneäne Zeitung de» Judentbums. 'No. 39. <866. Leitende Artikel: Die Krönung beö Kaisers von Rußland.— Zeitungsnachrichten: Deutschland' Worms, Ddrmr. Preußen: Bieftfeld. aus der Provinz Posen, aus der Provinz Pcftn. von der Rubr. Oesterreichischer- Kaiserstaat: Prag, aus Mehren■, au« Galizien.- Türkei: Konstantiuopel. — Literarlsche Nachrichten: Mitau. _ yy Au bezirken durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljährig */A Thaler. *-• Beräittwortlicher Redacteur: K. Rabe. Verlag von V » uni^Z rtner'« Vuchdandlung tu — Xrutf een «lexander Wied« In Leipzig.