Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 52 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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MS ■V - - funkelnde Gestirn Deine- Glauben- und die limbtenden Wasser Deiner Lehre nickt auden Angen. Harrest Du anö, so.siebst Du den Morgen anbrecheu, der unendliche- Lickl ergießt über die Gletscher und 'Höhen und in die tiefsten Tiefen hinein. lZinei^kleinen Stab aur dieser Pilgerung sollte auch dic'cs „jüdische Volksblati" chesreundrten Männern unk Frauen in die Hand geben. Viele haben ihn gern ergriffen, unk die meisten derselben seitdem nicht auder Hand gelegt, tfs•_ ifl fern mächtiger Knotenstock; eS ist auch kein künstlich geschnitzter Zierstab; er ist einfach, kräftig jinu Stützen,. geschmeidig zum Fördern der Schritte. Drei Jahre bat er nun auSgebalten. Und da er sich nun also bewährt hat, so stehen wir nicht an, ihn auch zun» Gange durch davierte Zabc anzubieten. Tr wird, das können wir verheißen, durch manche schöne Landschaft Euch führen, durchs manchen Engpaß Euch, geleiten, aur schwerem Pfad«-Euch'stützen'und in mancher Stunde der Mühsal, wenn der Fuß schon wankt und die Hand zittert, willig dienen, Euch aufrecht zu halten.' Haltet ihn fest den Stab, unv verachtet ihn nickt, weil, er unscheinbar, ohne per» Prunk der Welt — ein alter Freund allein ist der wabre. Aus Prag. Die hiesige Juvenstatt ^fetzr Josephstadl genannt), der' alle Kirchhof und die Alkneuschul find schon oft genug beschrieben worden: Man lieft aber immer gern wieder darüber, namentlich wenn es gur geschrieben ist. Daher ^ebeil wir hier folgende Beschreibung, welche jüngst die Vors. Zlg. in ..Bilder aus Prag" brachte. Der alte JuVenNrchhos, welcher jedochseit mehr als siebzig Jahren nlckt mehr benutzt wird, hat eine wahr-. Hane Weltberühmtheit erlangt. Tr li«gt innerhalb Trr- Judenstavt und zwischen den Häusern eingeklemmt. Der älteste Leichenstein darirt aus dem dreizehnten J»brhuii-c derte, wie die noch leserliche Inschrift besagt. Zahllose' Generutionen liegen auf deni schmalen Raume, im Tode wie im Leben zusammengepreßr und eiltgepsercht. Taufende von verwitterten und bemoosten Leichensteinen stehen so dicht neben einander wie Kartenblatter, zum Theil eingesunken und zertrümmert. Leichen ruben hier über Ler^ ckcn, Denkmäler stehen auf ankern Denkmälern und Äraeer aut Gräbern: ein wahres Golgatha, eine wunderbare «chädelstältc, über rpelche die mächtigen Wachholverstammc tbrc grünen Schatten breiten. Hier rubt ein ganze- Volk v.n den Bedrückungen und Leiden deS MiltelalterS und darrt des großen AuserslebungSkageS, darunter Märwrer, ir-elcde mit ihrem Blute ihre GlaubenStreue bestegelten. In den zahlreichen Juveuverfolgilügen sind der Opfer, viele g.'aUcn. Bald wurden ne' beschuldigt, eine Hostie gestohlen. bald elnen Cbristenknaben geschlachtet und sein Blut zu tbrem Osterfeste gebraucht-zu haben, dann drang ^der Pöbel in die Häuter krr Judenftavt und mordete im blinden Fanatismus. Nnfchuloige. In einer Ecke reS BegräbnißplatzeS liegt der berühmte'Rabbi. L ew , ein gelehrter Astrolog ru ken Zeiten Rudolph des Zweiten. ~1>er mit ävcho tf Brahe den» phantastischen Kaiser Nativitäien stellen, Horoskope onsertigen und den Stein der Weisen suchen half. Sein Denkmal und das seiner zwei und dreißig Schüler, welche in einer Reihe rnben, steht noch immer hoch in Ehren, er selber wird noch heule von vielen seiner Glaubensgenossen für einen gewalrigrrr'Zauberer und Kabbalisten gehalten. Auch einig, geadelte jüdische Familien—sind hier begraben und ihr Wappen schmückt den Leickensttin. Die Sitte, reiche Juden zu Baronen zu erhehen, ist" in Oesterreich demnach durchaus nicht neu. — Dicht neben dem Begräbnißplay stebl die sogenannte Altneuschul', die älteste Svnagoge in Prag. Unansehnlich und versteckt, gleicht daS Gebäude eher einem Gefängnisse als einem Tempel. Man steigt nicht hinauf, sondern einige Stufen hinab, wie in einen Keller. Durch dre kleine» Fenster dringt kaum das Tageslicht herein. Die.gothische Bauart deutet auf daS dreizehnte Jahrhundert hin, dock die frommen Juden in Prag geben ihr ein weit höheres Alter. Die , Decke wird von mächtigen Steinpfeilern getragen. Die Säulen der BundeSlade von demselben Stein, sind bereits so morsch, daß sie m:t eisernen Ringen nur noch notbdürftig zusammengehalteu werden. Der Bewurf der Wände hat sich ab^ebröckclt, dennoch darf nichts restaurirt und verändert werden, Nack einer Sage ziebt jeder derartige Versuch augenblicklich den Tov nach sich; zweimal stürzten die Arbeiter, welche die Wände weißen wollten, von dem Gerüst herab und starben. Der ehrwürdige Staub von Jahrhunderten und diese fromme Vernachlässigung vermehren den. finsteren .schauervollen Eindruck. So und nickt anders mußte der Tempel eines Volkeaussehu, daS nur mit Zittern und Bangen seinen Gottesdienst begeben konnte, in »rerer Furcht, überfallen, gestört urH vielleicht ermordet zu weiden. Tarum die. niedere, versteckte Tbür, durch die mau nur gebückt eintreten kanrr, die kleinen Fenster, wie MaulwurfSaugen, die Herborgene Lage. — Die Brust fühlt sick- .beengk und der Geist gedrückt in diesem Gottesbause, man glaubt in jedem Augenblick noch den sanatistrren Pöbel zu sehen, wie er die Thüre mir Aerren einschlagt», hineindringt, und die Peter am Altäre mordet. Solche Scenen haben sich hier mehr als einmal zugelragen. — DaS ganze Gebäude ist ein Stück verkörpertes Mittelalter, an den Wänden bangen lange Spinnen-Netze, welche nickt berührt werden dürfen, in den dunkelen Winkeln und Ecken lauschen die Geister der Erschlagenen, bleiche Gestalten in blutbefleckten, weißen Talaren, mit grauen Bärten und unheimlichen Augen. Hier nistet noch die Sage, und-erzählt uns Mährcken und Geschickten auS der alt.» Zeit, von dem hohe« Rabbi Lew. der ein Stuck Tl'on genommen. daraneinen Menschen geformt, unv diesem mittelst seiner kabbalistischen Zauberkraft Leben verliehen hat. Das war der Golem, wir er genannt wird, der seinem Herrn allerlei Dienste leistete, Holz spaltete und Wasser trug, nur am Sonnabend hatte er Ruhe. Sobald am Freitag Abend die Sterne funkelten, mußte der Meister den Zauber lösen, und dann wurde der Golem wie der ein Thonklumpen wie zuvor. Als der bc,üdn>ie Rabbi einmal dies zu thun vergessen, stürzte der Golem auf die Straße und mordete AlleS, waS ihm in den Weg kam. Zum Glück gelang es dem Meister noch) dcn Wnthendei» zu bannen, den er seitden, unbenutzt aus rcni Boden d'tt Altneufchule liegen liest. — So erzählt der