Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 52 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur \ . Belehrung und Antfrhattung aus jüdischem HeKiete. HerauSgegeteu »o»; Rabbiner Vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. sRo.Ss. 1850.J Von dtosrr geitschrisi erscheint »Scheutltch «ine Anmmrr. Wr«i< de» Jahr« ,an«< < Ltzlr. Vie^leljLlirig T/? N«r. All« Wuchdondinngen, PoftLniter ua» geltun-oexpedilwae» neh«ea VeffeUnn««» an. l3.)ahr-.4.<L»achll.^I I« oisere Leser! Zum Schluffe de» dritten Jahrgangs. Eist ein beschwerlicher Weg über dt»S Gebirge. Die Schatten ver Berge fallen über dadunkele Thal. Ein mächtiger Waldstrom brickt sich eine; enge ^Bahn durch die steilen Felsen, und seine Wellen, stürzend von Block zu Block, schäumen um die Kanten und Klippen. Wir erklimmen den steilen Pfad, der auf die Höhe führt, den« droben lagert noch da- Licht mit rostger l Schimmer. Bald gilt es, auf in da- Gestein gehauenen stufen, bald über lose- Gerölle hinauf zu gelangen, bald wieder den Pfad durch dichte- Gestrüpp oder auf feuchtschlühferigem Boden wieder zu erreichen. Wir find oben. Ein' breite- Hbhenploteau. Allerdings fonnenbefchtenen. Bon ihm ausiebt man in die dunkele ^eke, au-^der wir MUS herauf» gearbeitet, uiid ' uui die weißschäumenden Wel en, die ihren Lauf audem Innern de- Gebirge-'we thin in die ferne Ebene verfolgenvon hieraus steht ma l Höhen auf Hoben sich lagern, bis die schneebedeckten Gip el der Gletscher. glühend im Abendroth, in die schwaricn Wolkenschichten der Nacht hinaufragen. Allerdings fbnnenbeschienen, sagen wir. Aber der rauhe Westwind, d^r die Hochebene zu .aller Zeit bestreicht und oft genug zu eisigem Sturme'schwillt, hat fie kahl gefegt^ daß nur niedrige Heide Platz sinder, und die verkrüppelten Hannen ihre wenigen lebendigen Zweige alle nach Osten w-ndlen. sonst aber nur graugrüne Wetterseiten zeigen. Die! Nacht bricht an. Der Wind erhebt sich und läßt sein schneidendes Geheul lauter vernehmen. ' Nebel schleichen von den Höhen herab und breiten ihre weißen Schleier lanzsam immer näher aus. Aber der Himmel wölbt sich lisitblau; über den Firnen und Hörnern steigt der Mono! mit vollem Glanze auf. und umsaumt die dunkelet» Höhen mit silbernem Schimmer. Za, es ist Nachts abehdeS Lichtes ermangeln wir nicht. Drunten zittern die Strahlen auf den ewig rauschenden Wassern deS Stromes, Idroben gießen Mond und Gestirne ihren Glanz und!hr .Gesenkt! über Höhe und Niederung, und selbst von jfnem ewigen Eise strahlt abprallend eine helle Färbung. Heule, Wind; wälle nur, Nebel; wachset, ihr Schatten d'r Nacht — Licht ist da, genug, wenn de- Staubgeboren m unsterbliche- Auge sich öffnet, ,S zu faffen .... ES ist nicht bloS ein schöne- Natukgemälde, ein erhebende- Bild, welche- »vir Dir, freundlicher Leser, vorführen wollten. Denke nach, und ewird Dir aujedem Zuge ein Gleichniß herau-blitzeu. ein Gedanke ent^egenkommen. Wie jene ewigen Gesetze, nach weichest Gott seine Schöpfung werden ließ und immerfort werdest läßt, sich, geistig gefaßt; auch als Gesetze d?S Gersteoffenbaren: so zeichnet un» die Natur oft genug in den Umrissen ihrer großen Bilder und Erscheinungen die Zustände der Menschheit, der Völker, de- Menschenherzens. Äer Pfad, den . ir erklimmen, die Gcenerie, die wir gewahrten, sie ge^en^unS ein Gleichniß — für daheutige Israel. Denn der ewig wallende-Strom, der ausvem Innern de- Gebirgemit unwiderstehlicher Gewalt sich Bahn brach un» bricht ^pritten durch Berge und Felsen ,und Klipp -n in die weite Ebene hinaus, wo ef zum AllebefrrchlenLen Flusse wird, er ist nicht- Andere-, als die Lehre Israel-, welche durch eine viertausstidjährige Geschichte ihren Lauf unaufhaltsam verfolgt, diese Lebre. der«' Wellen die Geschlechter Juda'-.- Aber seit langer Zeit rannen siein beschatteter Tiefe zwischen den drängenden und engenden Felsen. Droben rühre dah Licht. Der Ruf erscholl? Hinauf zum Licht! Der Pfad war schwierig. Waaber hat jemals der Kraft, dem Muthe. der zähen Energie unsere- Stammewiderstanden? Wir sind oben. Unser Huß betritt die wejte Hochebene, wo die Freiheit athmet, un» wir au-schau'en über Höhen und Tiefe». Aber droben wehet ein-eisiger Wind.! Jener Dämon deS Materialismus, jener schaurige Geist, .her daS Herz d,S Menschen, verödet, indem er den Menschbst allein an die Erde zu fesseln sucht, der Erwerb und Geüuß zu j den Idolen der Menschen macht, vor denen alle Krstee sich j beugen sollender, weil er auf der sonnenbefch^enenen f Höhe streicht, alles Sebnen und Verlangen, alles! Stre. [ den und Ringen nach Höherem erdrücken und verwischen will, ja er har auch unS auf dieser Höhe -empfangen und schüttelt seine frostigen Schwingen über unS. Gehet, da blühen'ver Blumen und Gebüsche keine; nur dte niedrige Heide, auS welcher die. emsige Mene Hoistg und Wachs bereitet; keine mächtiges Bäume erheben sich, und^. die wenigen lebendigen Zweige" der verkümmerten Tannen zeigen allein »ach —- Osten-. Unter dem Wehen, dieses Geistes wallen dje verschleiernden Nebel herab ustd die Schatten der Stacht wachsen. . . : Sei wachsam, Sohn Zkkhas, auf der Höhe, hie Du mühsam erklommen hast. Oeffne da- Auge weit, bebe eS empor — denn stehe, das Licht.ist nicht geschwunden, , der Himmel nicht finster und schwarz, und die ^Wellen Deine- Stromehaben nicht aufgehört zu rqufthen. Wandere weiter auf der - Hochebene, aber verliefe dar