Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 51 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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262 feinbiirffc [ftbrn sehr; wenn keine Thronen, kein Hebet, kerne Ä ue, kein Gelöbniß der Besserung datheure Leben zu erstehen vermag und endlich der loh Diese Zarte LnoSpe knickt — o, dann wäre rer im Buche Ijob dem Unglücke -eigelegte Hobe Zweck eher verfehlt, und ich erhebe vielmehr meine Augen zum Himmel mit der vermessenen, bit. lern Frage: wofür leide« daunschuldige. Lind? wabat ,S verbrochen? War e» denn ein leblose» Ding, dessen Lerpjch/img. ohne ibm Schmerz zu verursachen, einzig zu meiner Besserung und Vervollkommnung bienen soll? .... Man behauptet, der Mensch fe» sich selbst Zweck, und die» mit Recht/ Mein Lind war nun ein menschliche» Wesen, sollte e» zum Mittel'erniedrigt worden fern? Da» Lind, rein wie «in Engel, sollte al» Erziehmittel für seinen sündigen Vater dienen?! o. himmlische Barmherzigkeit, welche Ungerechtigkeit!! ^Verzeihen Sie, geehrrester Herr Docror. den schmerzlichen Erguß -meine» Lummer»; allein Sie sind Philosoph. Theolog, und hauptsächlich jüdischer Geistlicher, dergleichen wir in unsrem Lande nicht haben, dessen heiliger Beruf e» ist. Leidtragende zu trösten. Seelenpein zu lindern. — Haben Sie also irgend eine Erklärung aus meine Fragen, sei e» au» welchem Gesichtspunkte e» will, so erlheilen sie mir gütigst Antwort, wenn Sie wollen, im jüdischen Volk»blatte. — Sowohl ich, altausend andre Familien, die sich in ähnlichem Falle befinden, ober •- jemals kommen werden, werden daraus Trost in ihrem .Schmerze finden, und Ihnen. Herr Rabbiner, eine große, moralisch» Wohlthat zu verdanken haben. Antwort. Geehrtester Herr! Ibr Schreiben konnte nicht ander», .al» die verschiedensten Seiten de» Herzen» anschlagen. 3n der That, e» gieöt keinen tieferen und keinen gerechteren Schmerz, al» > den ein Baker» und Mutterherz-über die Leiden lbre» Linde» empfindet-; an der Wiege eine» unschuldigen Wesen» zu sitzen, die Fortschritte einer unheilbaren Lrankheir zu.beobachten, die Seufze der röchelnden Brust zu hören, die Lrämpfe, in welchen der kleine Lörper auf» unv nieverzückt, zu sehen ugd kaum eine Linderung, vielweniger Hülfe bringen zu können — nur Eine» vermag diese» Wed zu übersteigen: die Leiden eine» erwachsenen Linde», da» irregegangrn und dem Verreiben anheimfiel, sehen zu xpiüffen. Ihre Frage ist daher eine gerechte, und Sie haben vollständigen Anspruch'auf all' -die Antwort, die Ihnen ein Sterblicher zu geben vermag. Auch mich, wie so viele. Andere, bat die göttliche Vorsehung bereit» wiederholt in ähnliche Situationen gebracht, und gleiche Fragen quollen von den zitternde» Lippen.^ Aber in der That, unser Wissen ist Stückwerk, unsere Erkenntniß beschränkt, und so gern ick Ihnen meine Gedanken und Ansichten über die Frage, die Sie Mit so - . vielem Scharfsinne stellen, mittheile, so vermessen wäre e» von mir,'Ihnen eine vollständige und erschöpfende Lösung zu verheißen. Ach, je weiter wir sortschreiten, destomehr drängt e» sich un» auf. daß unser Fortschritt, unser Wach»- thum mehr in der Stellung von Fragen, al» in deren Beanlwormn"g besteht, und daß'die richtige Beantwortung, die wir zu geben vermögen, viel mehr in dem Nachweise liegt, wa» eigentlich fraglich und wie weit . . . Unv ich habe die» niemals beklagt. Denn, wenn irgendwo un» die Bürgschaft für die Unsterblichkeit de» Geiste», der Beweis für die weiter« Entwickelung und Vollendung in einem jenseitigen Leben gegeben ist. so ist die» darin, daß wir immermehr fragen, aber nicht beantworten lernen, daß unser Geist immer klarer schaut, wa» wir nicht wissen, unv so die ganze Anlage und der volle Anspruch unsere» Geiste» auf da» Ienseil» veriveis't. Diese Anschauung stimme auch völlig mit der Lehre der heiligen Schrift und mit dein' Glauben an eine göttliche Offenbarung überein. Immerfort ist meine Seele von'dem Worte Mosche'» durchdrungen, der an der Grenze de» heiligen Lande», an dem Ende »ine» vierzigjährigen Prophetenleben» auSxufr: „Du hast angefangen, Deine Größe und Herrlichkeit mich schauen zu lassen . . Die göttliche Offenbarung wollte dem Menschen nicht vollkommene Erkenntniß übergeben, wollte ihn nicht über alle Zweifel unv Fragen hinauSbeben,, wollte nicht da» Gebiet de» forschen» unv^ Prüfen» für ihn abschließen. Nur die Pforte bat sie ihm geöffnet, nur den Weg gezeigt, nur aus ebenen Boven ihn gesetzt, daß er nicht strauchle, sich nicht verirre, sich nicht in die düstren Nebel de» Wabn». de» Irrglauben», der Verzweiflung verliere; daß er den-frsten Glauben an Gon, den Lenker sein,» Geschicke», den Führer durch die Irrgänge de» Leben», die strahlende Sonne am Himmel unsere» Dasein», mitten in den schmerzlichsten Trübsalen und in den drängendsten Zweifeln nicht verliere. Doch, geebrker Herr, ich bin nicht willens. Sie und Jbre Frage hiermit abzufenig^n. <$jt nach hem Becher des Tröste» verlangen, will ich Ihnen nicht die leere Schale barbieten. Sie auf"- die Mangelhaftigkeit unserer Erkenntnisse verweisend. Ich wollte im Vorau» nur andeuten, daß, , wenn Sie von dem. was ich Ihnen zu sagen habe, nicht völlig befriedigt, wenn Ihnen noch Vieles fraglich sein unv bleiben wsirde, Sie darum nicht an der Wahrheit der Lehre, an der Richtigkeit unserer Glaubenssätze zu zweifeln hätten. E» kommt darauf an. daß der Mensch Höhe nach Höhe ersteige — aber auch aus dem erhabensten Gipfel, von dem au» er weil über Land und M>er schaut, ist da» Firmament noch hoch und fern über ihm und sein Gesichtskreis beschränkt. Sie geben selbst zu. daß der große Lehrsatz: die Leiden und' Schnrerzen de» Menschen find die Mittel Gotte», um ihn zum Lichte de» Leben» zu erziehen, um ibn nicht blo» zu läutern.^ sondern auch di< Kräfte seine» Geiste» in dem gewaltigen Kampfe zu entwickeln, daß dieser Lehrsatz, wie ich ihn in meinem Commenrar zum Buche Ijob au» diesem nachgewiesen habe, wahr und begründet sei, so lange fie auf sich, aus den erwachsenen, reifenden, selbstbewußten Menschen blicken. Ihre Frage ist nur: wie kommen wir mit diesem Lehrsatz bei den Leiden und Schmerzen eine» unschuldigen,—unentwickelten, sein selbst unbewußten Linde» durch? Ibr Herz empört sich mit Recht, daß diese» Lind upd sein Leid nur Werkzeug für Ihre Erziehung, Ihre Läuterung, Ihre Sühnung fei. Der Mensch ist sich selbst Zweck und kann nicht blo» um eine» Anderen willen da sein, leiden, sterben. Aber sehen Sie nicht, daß hiermit die Frage eigentlich eine ganz andere geworden? Sie müssen vielmehr