Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 51 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. 1 i Zur Belehrung unö Unterhaltung aus jüdischem Heüiete. i Heraus-egebe» von Rabbiner llr. Ludwig PhUippson in Magdeburg. J rcrv_ »1 4 n» /* -» 8»n 6itf»r 3tftfarlfi m'foinj »MwnlUA rin» ftummti. Ss»i« te« Jadra **. ■ „ , , lyfO. AI. 1990. I »" « « «dir. S.»«„iLdri« 7',. »>. t>>HbanPiM*r*. P°ßü«..r I 3. Jfljmi 4. fftWUllfll I ,!!! > , — 1 I I Was Dir übrig bleibt? Der Sommer ist zu Ende. Da« Lagb der Dälrer vrrfäibk sich und fällt nieder. Do» Blüihe uud Frucht nirgend mehr eine Spur, kaum daß noch eine stolze Aster sich hoch über die niedrige, duftende Reseda erhebt. Die Fluren stehen leer, und »er rauhe Wind führt nur über Stöppels,Iker und Grummrtwiesen. Am Morgen steigen dichte, weiße Nebel auf und verhüllen die ^erge und be« decken die Ebene, und et wirb der Svnhie schwer gen Mittag die Herrschaft einiger Stunden zu erringen. Es ist Zeit, daS Diaußen zu verlassen. die Herrlichkeiten der Natur sind für uns geschwunden, und d» da kommen, haben ihre Majestät für sich, aber sie wirken zerstörend auf den Menschen. , j Was Dir^da ühziq bleibt? | Die Lieb, in Deinem Hause . . .! Kehr' ein in Tein Haus, schaffe Dir da ein behaglich!,-, trau! ches Heimwesrn — dazu bedarf eh nickt der Ptackt und de» Lurus, nicht deS kostbaren Meuble» und de» weichen Tep« piche . . . Aber empfängt Dich ein liebefeuriges Auge, wenn Du eimritlst, ein zärtlicher Händedrück, ein Ruf freudigen Willkomm-; ist?>ann jede» Wor»,^ das gewechselt wird, der Ausdruck der Liebe, jede Honrlung ein Schaffen treuer Wach» und Sorge — was kümmert Dich alle v-rgangne Schönheit draußen, was vermag Regen und Sturm, Frost und Winterdunkel — Deine Seele ju« belt wie im Frühling. Dein Herz schlägt warm voll Glücke-, wie in Berg und Thal. ] Der Sommer ist zu Ende. Der Sommijr de- Lebens O. die feurige Jugend vell Ideale ist längst vorüber, und die Tage dekräftiget» ManneSalteis voll Streb.nS und Schaffen» folgten nach einander, eine lange Reibe, und sind nicht mebr. Tie Kraft in dem herrlichen Bau de» LrrbeS schwindet allgemach. und ,S melden sich bald hie und da Grbr.chet» uit# Mängel. Die mächtige Kraft deS Geistes, wie sie bald in dem scharfsinnigen Forschen des Verstandes, bald in der gewaltigen Spannkraft des Her« zens zu tragen und zu erringen, auszudarren unv sich em» vorzuschwingen, sich betbätigte, fängt an, sich zu »rindern und immer Atter der Ruhe zu bedürfen Das Auge fckau» immer bäufiger in die Vergangenheit zurück, als in die Zukunft hinaus; es überblickt, was eS gewollt und was ,S erreicht, und siede: dieerscheint ibm sehr gering vor jenem: was eS erstrebt und was es erworben, und siehe! dies ist eitel. Der Kelch der Hoffnung ist geleert, aber der Becher der Täuschung scheint voll bi# an den Rand . . . . "! WaS Dir da übrig «bleibt? ' Der Glaube an meinen Gott .... Dir Zuversicht. die immer stärker wird, »aß mein Sott es gut mit mir vor hak, daß er allotälig uiich lösen will »Sn dieser Erde, um die Schwingen der Seele auezuspa.nnen zu dm l'tzlkn und höchsten Fluge, die Gottftltgkri't, die mein Herz immer mehr erfüllt, und welche die. Güter und Zftle dieses Lebenso gering enchejnen läßt »eben dem Gefühle in Gott, und welche mir ein t'o mildes und doch belle- Licht über meine Vergangenheit breit,i — ncbmttj immerbin Abschied, ihr Genüsse und Leidenschaft,» ttr Erde, ich füble eure Trennung kaum.- Ich bin glücklich, denn ich habe die Liebe in meinem Hause und den Glauben in meinem Herzen . . mir ist übrig eine gdnze Füll.? Eine seelsorgerische Anfrage. voll M. L. i, Zytomyr (Rußlani). In,den sieben Trauertagen, die ich eben verbracht, laich in Ihrem vortr.ffliche» B'belwerke Vas Brrck Jjeb (3tk), in der Hoffnung, darin Trost für Kleinen Schmerz zu finden. — Indem ich Ihrer völlig neu n und von den andern Eregeten abweichend'n Interpretation des Duches ureine volle Anerkennung zolle, gestehe, ich auiri'tig. baß ,ch in derselben kür da» mich betroffene Unglück keinen Trost fand. — Es mag wodl wahr sein, und »er gött» liefern Gerechtigkeit angemessen du» würdig, daß dve Leiten und Unglückrfälle, die ren Menschen hieniedea h.imsuchen, nickt blos Strafe unv strenge B rgeltung für begangene Sünden, sondern, und zwar hauptsächlich, seine Besserung, sittliche Erziehung un» B rvollkommnunq bezwecken. — Diekann zugegeben werken, wenn die Leiden, meinen eignen Körper treffen, wenn der Vrlust nur-irdische Güter, mein leb- und gesüblloies Eiqentbum berührt, auch dann sogar, wenn der Mensch schon >rwacks.ne Kinder durch den Tod verliert, renn die Letztern sind schon Menschen für sich, und könnten »bre Bestimmung im Leben vi'lleich» schon vollbracht baden. — Indem also der Mensch in solchem Falle leide», kann es mäglick sein, daß er seine Fehler einsehe und seinen Wandel b.ff.re. — Aber wenn ich mein kleine» Kind, ein,» Säugling, die deftigsten Schmerzen einer bösartigen Krankheit einige Monate