Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 50 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4908862-5999341-6000776--0834-4909499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
199 Vertreter Der modernen vaterländischen Heilkunde und mehr alS fünfzig glücklich entfernte Harnblasenfleine sind die Trophäen seiner operativen Praris. Im Anfang de- Jahre- 1855 verfiel £>r. Polak, vermuthlich angegriffen durch die enormen geistigen Anstrengungen , in eine mehrwöchentliche typhöse Krankheit und mußte dann zu seiner Stärkung die warmey Quellen von A-k besuchen. — Schon früher pflegte er die Ferienmonate zu Ausflügen in die verschiedenen Provinzen depersischen Reichezu benutzen; so besuchte er vie vulkanische Demavendkette, Hamadan, ' Maffenderan, Saridschan und die südlichen Küstenlandschasten decaspischen Meere-, und sammelte in jenen noch von keinem deutschen Wissenschafter besuchten Gegenden mit naturkundige^n Auge Data, die einst dir medicinische Geographie, die Fwra und Geologie jener Erdstriche bereichern werden; *|rr Schutt der alten Denkmäler und die Ueberreste der verschiedenen entschwundenen Culturperioden entging eben so wenig alder sittliche und gesellschaftliche Zustand unserer dortigen Glaubensgenossen feiner denkenden Aufmerkspmkcit. So harte vr. Pola^ beseelt von dem Feuereifer, dem Staate, dem er seine Dienste angeboren, wahrhaft zu nützen und eine bleibende Spur seine- «Amtlichen Wirkenzurückzulassen, in dem kurzen Zeitraum von 3'/, Jabren jener Nation verhältnismäßig sehr ^roße Dienste geleistet. Er batte nach einer Frist, die gewöhnlich kaum genügt, dem Fremdling den Bau und bie| Umgang-for« men der völlig fremden Sprachen geläufig zu machen, die neuperfifche Literatur mit einem nützlichen Hehrbuche und das persische Idiom durch eine Masse von.Neubildungen bereichert: er hatte in der nenpersischen Sprache einen naturwissenschaftlichen Stil angebahnt, indem er eine von den dichterischen Arabe-ken befreite, einer deskriptiven Lehre angemessene Schreibart lieferte, er bat die Einstige rationelle Kultur der Heilkunde vorbereitet und ermöglicht. Er hat den Grund zu einer ärztlichen Ächule gelegt, deren Zöglinge durch seine ärztliche Lehrtüchtigkeit und seine ferneren linguistischen Bemühungen eiinst mit den wissenschaftlichen Instituten uns Leistungen > Europain intellectuellen Verkehr treten können. Diese-! redliche und verdienstvolle Streben erwarb ibm auch die j warme Anerkennung der persischen Staatsmänner und endlich auch die besondere Huld und Gnade depersischen Monarchen. Nach Erscheinen der „Anatomie" erhielt er' von Seiner Majestät Na-hredbin-Sck'ah den Sonnenorden und den Rang eine- Obersten zweiter Classe, und als im November 1855 der bisherige Leibarzt vcS Schahs, ein Franzose, gestorben war, wurde Dr. Polfrk auf diesen hohen Dienste-posten befördert. Die dortige Hof- und Amt-zeitung meldet dirmit folgenden Wortes. „Teheran, den 4. Rabih-ulawvfal 1272. „Da in diesen Tagen Dr. Cloquet, welcher bei „Seiner Majestät das Amt de- Leibärzte!? verwaltete, „mit dem Tode abging und zur Besetzung dieser hohen „Würde ein Mann nothwenvig war, welcher Befähigung „und Kenntnisse befitzt: so wurde von der tyr anwe- .,senden fränkischen Aerzten Seine Hochgeboren ,,Dr. Polak,^welcher durch seine Geiste-Kaft, Talent, „Geschicklichkeit und Erfahrung in der Kedicin und „Chirurg« berühmt und anerkannt ist und"^chon seit „mehreren Jahren im Dienste der hohen Regierung „steht 'und. während dieser Zeit sowohl im Unterrichte „im Collegium alS auch in seinen Euren durch Berstand. Befähigung und Fleiß daS Wohlwollen Ssi- ' „ner Majestät und der Würdenträger erregte, ln die- „sen Tagen wir der Würde eine- Leibärzte- „beehrt und ein Gürtel mir Diamanten besetzt, ein "„Kaschmirshawl und ein Turkomanenroß von Seiten “ „Seiner königlichen Majestät ibm verliehen, und der „Ferman mit hem gesegneten Znfiegel jm deck Sinne „au-gestellt, daß er von nun an immer wählend de- ,.Frühstückde- Königanwesmd sei." ' ■ Hoffen wir, baß unser trefflicher Land-mann U seiner seit dem Mittelalter nicht dagewesenen Ehrenstellei mit der Gunst deperfischen Hoferecht lange beglückt iperde! - Einige Fabeln und Erzählungen der Älter» i aus der Thienvclt. e2cvlu«. > 19. . Der Löwe lud einst alle Thiere zu ein^n festlichen Mable. Eine, weite Ebene war zur Festwatte ge« - wählt, und um der Sonnenhitze zu begegnen, ließ der König her Thiere große Zelte errichten, deren Decke aus den Häuten solcher Thiere bestand, welche der Lowe erlegt hatte, und unter welchen sich sogar die Fjlle von Löwen und Wölfen, befanden. — Die munteve I Gesell* schafl wollte auch die Würze de- Gesanges genieHm und Herr Reineke mußte gegen feinen Willen im Esten .fich stören und-den Herren ein. Liedchen fingen. Doch sollten sie eine bittere Pille bekommen?" „Werdet 2hr> auch," fragte zuvor der Fuchö, „in meinen Gesang mit einstimmen?" — „3a," erscholl eS von allen Seiten; hierauf begann der Sänger: Dreimal Hoch! dem edlen Wirtbe,! Er hud uns ein zum Feste, Voller Lieb' und Freundlichkeit j Reicht er unS daS. Beste: Bärenschinken. Eberkeul', . Panterzung' und Löwenbrust Und WoltSgekröS noch obendrein — , O Freunde, welche Erdenlust!! Doch werdet nicht so grämlich schier, Schauet nur nach oben- Glücklich wer behend zu vier AnderSwo den Wirth mag loben. . Alles entfloh und Herr Reineke genoß daS Dessen. (Nach dem Midrasch Rabba zu Ester fol. 125. d). I 20, Eiliem Vogel, der an einem Meeresufer triftete, zerstörte eine Brandung daS Nest. „Das soll demjMeere lheuer zu siehtn kommen," schwor der Vogel; er! nahm mit dem Schnabel einen Tropfen und goß ihn avf das Trockene, während ,er abwechselnd einen Schnabil voll Erde in da- Wasser warf. „Thor," rief ihm eip Kamerad zu, .gesetzt. es. gelänge Dir Deine Absicht, hast