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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 50 (1856) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
50 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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198 jeder mit cen betreffenden fcienlisischen HülsSapparalen ausgerüstet und den zu deren Transport nöthigen Maulrbieren, Dienern und Wegwei/era. von Trapezunk auf, nm, im höheren wie im buchstäblichen Sinne de- Wortes, die Cul» lur des fernen tbeurea Vaterlandes nach Mittelasien zu tragen. — Der k. k. österreichische Konsul begleitete die Rci'enoen biS zur Gebirgssohle; hier wurde zum Abschiede Oesterreicherhabenem Monarchen rin Lebehoch gebracht. der Hnmazb ein zärtlicher Gruß zugefenp-t; dann gingweiter durch die steil ansteigenden, zerklüfteten Gebirgspässe deS armenischen AlpealandeS. auf dem schma». len, un^ebabalen Caravaneaweg. oft an tiefen Abgründen vorbei, über Beiburtb nach Erzerum, wo man an 1. 0cto* der anlangre. Don Vieser 7000 Fuß über dem Spie» gel des schwarzen MeereS in einer Hochebene gelegenen Stabt machte Vr. Polak einen Abstecher zu dem 8000 Fuß dohen Giaur-Dagb, um die daselbst entspringenden Herrlichen einundzwanzig Quellen des Euphrat zu besuchen, und stieß dann zwei Tage spater wieder zu seiner Gesell: schaft. Der weitere 'Weg führte, durch da- Land der räuberischen Kurden, vorüber an den kolossalen Ei-pyramlden deS Ararat, sünkstutdlichen Angedenkens. überKopri- Ehoi. am Urmia.See vorbei nach Tabris (25. October), wo die Steifenden während der zehn Rasttage ein kleine- Erdbeben mitmachten und den Vorgeschmack dieser, asiati» fchen Landplage bekamen. — Endlich am 24. Stovrmber kam vr. Pelak, tief erschöpft '-vm seiner siebenundneun- ' zigrägigen Reise und namentlich dem mehrwöchentlichen Ritte, in Teheran. der Hauptstadt PerfienS. an. Drei Tage nach ibrer Ankunft worden pnfre Land-- teure von Seiner Majestät NaSbreddin-Schah, dem ge- . gentkllrllgM'Milden Beherrscher HranS, in feierlicher Au- ' dienz empfangen und ibr Versprechen treuer Pstichlerfüllung in ihren respectiven Staatsamlern entgegengenommen. Durch die ungewohnten Strapazen der langen Reise, durch die einen jeden noch nicht acclimatisirren Europäer in jenen Ländern erwartenden Krankheiten war vr. Polak ö Gesundheit in den ersten Monaten seines dortigen Aufenthaltes so erschüttert, daß er ia seinem Beruf noch wenig wirken konnte; überdies verging bis zur vollständigen Organisation der Militärschule ein halbe- Zabr. welche Frist er zur .Erlernung der Landessprache' vonress, lud benutzte. Von nun an begann seine Tbätigkeil als Lehrer und ausübender Arzt. — Zu den Vorträgen über Anatomie bediente er sich anfangs der.französischen Sprache, welche von den meisten seiner - Zuhörer so ziemlich vprstanken wurde; eia von der Regierung' beigegebener ..Mulergim" verdolmetschte die minder verständlichen Stellen inö Persische, vr. Polak sah wohl daS Unver« läßliche und llnzureichenbe dieser Lehrmethode ein, aber er gebrauchte sie provisorisch; zum Vortrag in persischer Sprach« war die bald erworbene Gewandtheit in der Konversation ohnebin allein nicht hinreichend. •*— Bei unS haben die Studenten aller Nationen, wenn sie zu den naturwissenschaftlichen Studien kommen, wenig Schwierig» keit mit der Aneignung und Verarbeitung der aus -den classtschen Sprachen entnommenen termini tecboici (Kunst» auSdrück,), diesem wegen seiner Gemeinschaftlichkeit für die ganze europäische Dölkersamilic so wichtigen wissenschaftlichen Stützpunkte; aber in. persischer Sprache waren hie medicinischen Wissenschaften noch nicht abgebandelt, viel weniger gelehrt worden; es konnten daher in derselben die nothwendigen KunstauSvrücke noch gar nicht vorhanden fein. ES mußte daher für die zu lehrende Anatomie und Chirurgie aus. dem Geiste der persischen Sprache «ine Terminologie erst neu geschaffen werden! vr. Polak hatte also schwere Geistesarbeiten zu überwältigen, wenn er, anstatt na!ch An der zahlreichen italienischen, maltesischen und griechischen Abenteurer, die zu Tausenden den Orient mit ihrem Genie beglücken, als Fachmann zu figuriren >^nd zu charlatanistren — vielmehr seiner Amtspflicht auf} eine würdige Art genügen wollte; er hatte, eine Arbeit vor sich, ähnlich jenen Riesenbauten deS AlterthumS und her Neuzeit, bei denen wegen besonderer Terrainschwierigheiten daS Material auS weiter Ent» fernung berbeigefchleppt. und dann erst zu dessen önli» cher Verwendung ein. eigenes Hebelsvstem erfunden werden muß. Noch vor Ablaufs deS ersten DienstjabrS eröffnete vr. Polak daS zweite Semester seiner Vorlesungen in persischer Sprache^ einstweilen noch mit Beibehaltung französischer Kunßauödrücke.— So virl' Mübe er sich auch gab. seinen Ponrägen Klarheit und Eorreccheil und die jener Sprache eigenthümliche Eleganz zu geben, so fühlte er denn doch, daß die bloS mündliche Lehre bei dem gewaltigen Umfang deS Lehrmaterialauch für daglücklichste Gedäwtniß eines Schülers ungenügend sei. Er schritt daher unvierweilt an die Abfassung eines persischen Handbuchs zum Gebrauche für seine Zuhörer. Eine solche Arbeit konnte nur einer so seltenen Com« binarion von Fleiß pnv einem an Genialität grenzenden Sprachtalent in so unglaublich kurzer Zeit gelingen! Mit unermüdlicher Energie betrieb er zu diesem Zwecke von nun an die altpersisiche und arabische Sprache, arbeitete die naturwiffensLafllicbe, Namentlich mevicinische Hinterlassenschaft der Blüthezeil der arabischen Literatur durch, lediglich um auS diesem heut zu Tage obsolet.gewordenen Wüste die bratschbaren Termini, oder wenigstens einige verwandte Wutzelwöner aufzufinden und sie den modernen wissenschaftlichen Gegenständen anzupassen. Zn zwei Zähren hatte er raS Buch vollendet und es erschien im Mai ll$54 in einer Steindruckerei Teherans litbograpbin unter dem Titel: „Handbuch der Anatomie des menschlichen Körpers von vr. Polak". Nack Veröffentlichung deS genannten Werkeging er an die AuSarbeikuntz -eine- „VoeLl-uInrium medicura, persisch. arabisch und! lateinisch", welches für die später zu beginnenden chirurgischen Vorträge die Terminologie fest« stellen sollte, fernch eine- „CompendiumS der Physiologie" in persischer Sprache, welche beiden letztern Werke jetzt ihrer Vollendung nahe fein dürsten. Gleichzeitig wrjrde auf seinen von der dortigen Regierung adoptirren! Vorschlag eine chirurgische Klinik für zwanzig Betten mit einer Abtbeilung für vierzig Betten erbaut und entsprechend eingerichtet, ferner in dieser Schule zum Lehrzwecke eine öffentliche Ordination für chirurgische Ambul nten in- Leben gerufen. Seiw Rur jt batte sich mittlerweile fest begründet: neben seinen dortigen College«, den siisü'i'n Gt>'andt''chastsärzten ein würdiger alS ausübender A vr. Polak wurde französischen und en

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