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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 50 (1856) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
50 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. * Zur Belehrung unö Anterhattung auf jüdischem HeKiete. Herautgegeben rcv Radbine : Dr. Ludwig Philippsou 'in Magdeburg. lRo. SV. 18581 -ilickrisi »rlchei»t ■Mwtltd* rint »reis ff* Jflfcr* f a | n . SirrtdiUr]«'V* «»e. »He tiutkaBMunaen, «ofAmtri I a, J|Bf| 4, Ettlltlll 1 1)5, I. E. Polak, Leibarzt de- Schahs von Persien und Professor der Anarenne und Chirurgie an der Militärs« »ule in Teheran. Via« biogravbischr Skizz« von jVleä.Dr. Philip Gold rer g *). Nachdem so viele strebsame Jndustriemänner unsere- Vaterlandes im Jahre 1855 bei dem großen Wettkampfe der Talente aller Nationen da- Lob der Eeiuestadt davon» getragen, freut eö un-, auch von dem wunderbaren Schicksale eineunserer wissenschaftlichen Landsleute berichten zu können * der, den heimischen Boden und die breitgetretene Bahn seiner praktischen Fachgenoffen verlassend, sich im fernen Osten durch Befähigung und Unter« nehmung-muth ein so glänzende- Loo- «schaffen hat, wie ewohl seit Jahrhunderten ohne Beisyrek ist. Jakob Eduard Polak, au- Groß-Morzin in Böhmen, vollendete in Prag und Wien seine medicinischen Studien, wurde m Wien zum Doctor der Medicin und Chirurgie und Magister der Geburt-HAfe promovirt und ging nach einjLhriqer Dienstzeit im k. k. allgemeinen Arankenbause alö Fabrik-arzt der Zuckerraffinerie de» Herrn Rittervon Neuwall nach Klobiauk in Mähren. Nach einem zweijährigen Aufenthalte in diesem Wirkungskreise, der seinem nach einem größeren ThLtigkeitS». felde verlangenden Geiste wenig zusagte, begab er sich wieder nach Wien, und brachte daselbst weitere zwei Jahre mit operativchirurgischen und naturwissenschaftlichen Studien zu. Ein dunkle-, ihm selbst unerklärliche- Vorgefühl baue seit'jeher sein geistige- Auge nach dem Orient geleitet; mit lebhaftestem Interesse laer die denselben behandelnden neuern Reisen und Forschungen, und mitten unter seinen concreten Bestrebungen nach einevt ärztlichen Wirkungskreise im Heimathlande schwebte ihm doch unaufhörlich da- Morgenland wie ein Luftbild vor, da-, ihm selbst unerwartet, sich so bald verwirkllchte. | Im Frühjahre 1851 erschien ein Geschäftsträger der persischen Regierung in Wien, um für die neu zu organistrende Militärschule »n Teheran Jastructoren anzuwerben. Unter mehreren um den ärztli^en Posten concur» rirenden Willlll. Fachmännern meldete sich auch Dr. Polak V) A»« dem Jahrbuch für Israeliten auf 5617 von Josef 2B c rt^Mm e t , daso eben erschienen »oh diesmal an au-ge« zeichneten Arbeiten besonder« reich itz. > Redact. und erhielt die Stelle. Mit Ueberraschung sah er nun jene Ideen verkörpert, die er so lange gleichsam spielend gehegt. Minder erfreut über daehrenvolle Loo-, da» ihm zugefallen, stand er vielmehr erschrocken über die Größe, der'Aufgabe, deren Lösung unübersteigliche Schwierigkei- . ten zu bieten schien. Abgesehen davon. daß nur verwöhnte Bequemlichkeit-menschen jeder Reise in den Orient den Charakter der Abenteuerlichkeit beilegen/ und zwar um so mehr, wenn eine solche eine m ganzen Leben-plane -* zur Bast» dienen soll, hatte daganze Unternehmen für den ersten Anblick etwa- Monströse». De»« ohne je eine orientalische Sprache betrieben zu haben, sollte er nun Anatomie und Chirurgie in persischer Sprache lehren! — Er sollte ferner diese Wissenschaften iu einer (im Morgeniande) im Entstehen begriffenen _ Schule lehren, d. h. an einer Schule, die, gleich mancher nordamerikanischen Stadt, vorläufig erst aus dem Papier stand, ohne anderen Lehrkörper, ohne LehrmÄrrial,*?ohnc Leichname! (Denn der J-lam gestattet keine Sertivn menschlicher Cadaver). Er sollte endlich in die Dienste eine» ' Staate» treten, dessen internationale Derbind»ng mit den europäischen Staaten eine ziemlich lockere ist. — Derartige Verhältnisse würden so Manchen zurückgeschreckt haben; — aber fortes fortona juvat! Dr. Polak faßte den zwar raschen, aber wohl überlegten Entschluß, den Posten anzunehmen und — daselbst etwa- Gutezu leisten. Wir wollen nun sehen, wie er dies« sonderbare Mission auffaßte und au-sührte. Die drei Sommermonate vergingen unter Studium der persischen Sprache und Reisevorbereitungen. Gegen Mitte August waren die nvlhwendigen wissenschaftlichen Objecte, trockene und ift Weingeist in verlötbeten Retaügefäßen conservirie Präparate menschlicher Körpertheile, Jastru» __ mente, Kartenwerke, anatomische und chirurgische Atlanten, kurz der Elementarlehrstoff der zukünftigen Akademie für Feldärzre (wozu die persische Regierung die nölhigen D»rschüffe angewiesen hatte) eingefchisft, und am 17. August 1851 reiste Dr. Polak via Donau nach Konstantinopel und gelangte nach einem viertägigen Aufenthalt daselbst und nach einer fünftägigen Fahrt über daschwarze Meer wohlbehalten nach Trapezunr. Hier hatte» sich die fünf nach Persien angeworbenrn Professoren, nämlich drei k. k. Ossiciere — einer vom G-mecorp», einer vo» der Infanterie und einer von der Cavallerie — ferner ein Roma- «ist und Dr. Polak, sämmtlich geborene Oesterreicher. da» Rendezvvugegeben. Am 22. September »brach unsere wissenschaftliche Caravane, erfüllt vom regsten Beruf-eifeT,

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