Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 48 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
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190 daß er die Aufmerksamkeit rer Lehrer m hohem Grade j auf sich die ihn auch nack Beendigung der Lehrcurse > der königl. Regierung als würdig, aun Skaatskosieil auf daS königl? Gewerbe-Justitur zu Berlin gesendet zu wer- I den. empfohleu. Dieser Empfehlung kam die humane! Regierung, ohne Berücksichtigung des religiösen Bekennt-/ niffeS, nach. ''Wie nützlich Pleßner seine Zeit auf dem > Gewerbe-Institut taugrwender, ^rbellr daraus, daß er im! Jahre -188L unter den Zöglingen den ersten Preis er» j warb, und bei' seinem Abgänge auf Verwendung des' Geheime» Raths?. Beürh die Summe von 800 Thlr. . ut einer .Kunstreise, um di, schönsten Bauwerke zu sehen. ^auS Sraatssenxs erbickr. Eine Begünstigung, die schwer- I ^.ich jemals einem Juden ru Theil wurde. Nack seiner-, Rückkehr elabline er sich in seiner-Barerstadl als Maurer:! lmrister, und kurze Zeit darauf verband er sick mit feiner , turck die Bande rer Liebe und Verwandtschaft ihm gleich; rdezier gewordenen Cousine, der ältesten Tochter des bei! 'einen Glaubensgenossen stets hochverehrten Abraham Muhr > zu Pleß. durch die Ehe, die bis zu seinem Tore das in- : njgste und zärtlichste Verbaltniß bildete. In Cosel lebre; »i durch eine - Reibe von 15 Jahren mit seltenem Eifer; nickt nur seinem Berufe, sondern auch allen Bürgerpstich-; :«rn, den Wissenschaften und der Wohlkbatigkeir, und man ' übertreibt nicht, wenn man sein Lehen als das eines wabi ren Weisen bezeichnet. Bei Pleßner zeigt es sich kkar, i daß das wahre.Verdienst auck in dem Juden nicht ver«! tannk wirk. Seine Leistungen in seinem Zache erwarben __ hm allgemeine Anerkennung. und er wurde nicht nur in | der Stadt und llmzebung vielfältig beschäftigt, sondern j auch von rem hockseligen Fürsten August von Hohenlohe Oehringen auf. Slawentzütz, welchem er persönlich bekannt \ war und der ib» sehr schätzte, mit der Ausführung zahl- > reicher Bauten betraut, -'linker die vielen von ihm aut-! , geführten Bauwerke gehören die Babnböse zu Ratibor, Eosej und Orerber,g rc.» die Zeugniß von seiner Tüchtig?^ keil geben. Trotz seiner strengen Rechtlichkeit und sdlte- | nen Unergelniützigkeit konnte es bei der Menge der von hm ausgrüthrlen Bauten nicht fehlen, daß sich seijie Umstande in gedeihlicher Weise entfalteten, uud daß der Lohn- ''eines Fleißes nicht auSblieb. Er machte hiervon den löbuchsten Gebrauch. Nicht nur übte er an seineul Barer — die Mutter war ftüb verstorben — die seltenste und zärtlichste Kindesliebe und bereitete ihm ein sorgenfreies Dasein. Nicht nur ver- 'vrqle er seine Schwestern und stattete sie aus und sorgte dafür, daß seine Brüder auf seine Kosten nützliche Gewerbe erlernten und sich erablirren, sondern war er stets' bnlfreich gegen die Armutb und milderte Elend, wo er es Vorland. Gleiche Anerkennung verdienen seine Bemühungen, ans die Moralität der unter ihm Arbeitenden .inzuwirken. Seine Lehrlinge erhielten von ihm in freien Stunden llnkerricht in der Mathematik, int Zeichnen und m andern Hülsswissenschaften. Namentlich suchte er Jünglrnge seines Glaubens vom Handel übzulenken und zur Ergreifung von Handwerken anzuleiteu, und nicht gering ist die Zahl derienigen. die er zum Baufach veranlaßt bat. Wer stiuen Umgang zw genießen Gelegenheit.hatte; wer die Milde, Bescheidenheit und. Liebenswürdigkeit seines Charakters kannte, dem wird er stets unvergeßlich bleiben. Es war ein hoher Genüße ihn .über Gegenstände von allgemeinem Interesse sprechen zu hören. Da glich seine Suade einem klar sprudelnden Ouell und man war hingerissen von dem llmfange und der Vielseitigkeit feines Wissens'. Ebenso rühmenswerth war seine Anhänglichkeit an die Religion seiner Bäter. Gehörte er auch zu denen, die einer rationellen Auffassung des Judenkbums zugelban sind und die sich von der veralteten Anschauungsweise nicht'beengen lassen, so hing er doch mit Pietät an dem alten Bunde, und gehörte es zu seinen innigsten Wünschen, daß dieses, von seinen Schlack.n gelautert/ zu neuer Herrlichkeit sich entfalte. So lebte Pleßner allgemein geschätzt und geliebt im Verein mir seiner ihm gleichgesinnten Gattin, die, um gleichsam sein Glück zu vollenden, ihm nach neunjähriger kinderloser Ehe mir einem Sohne beschenkte, in glücklicher Zufriedenheit, und kein Wölkchen schien den Horizont ibreS Glücke» zu trüben. Da kam das Jahr 1848. So wie zu allen Zeiten poUtischlr Aufregung und so. cialer Unsicherheit, so geriethen auch damals Handel und Gewerbe in Stockung und Verfall, und am allerwenigsten dachte Jemand anS Bauen. Natürlich gebrach es auck unserem Pleßner in Cosel an Beschäftigung. Da dieser Zustand sich auch aus das Jahr 1840 ausdebnte, gelang»« bei ihm ein Entschluß zur Reife, mit dessen Idee er sich schon jahrelang hrrumgetragen hatte, nämlich: sich nach Berlin zu übersieveln. Der Beweggrund hierzu war einestbeils seine unbegrenzte Liebe für die höhere Baukunst, der in vollem Maße sich zu widmen er in einer kleinen Provinzialstadl wenig Gelegenheit fand, anberntheils wollte er feinem einzigen Kinde in der Hauptstadt eine bessere Erziehung angedeihen lassen. Doch auch in Berlin, wo er zu den damals vorhandenen Neununbneunzig Maurermeistern die Summe von 100 vollzählig machte, gelang es ihm nickt, Beschäftigung zu finden. Diese Stadl glich jener Zeit einem Krater, der mit fortwährenden Ausbrüchen drobere sind 'dessen Nahe man ehe.r meidet, als sucht. Daher Tajusende von dort auswanderlen, wodurch viele Häuser unbewohnt blieben. Da nun unsrem P. nrchtS so lästig war, atS Umhätigkeit, so ergriff er gern die Gelegenheit, um dem im Jahre 1851 größtentheilS nieoergebrannren Krakau seine Kräfte zum Wiederaufbau zu leihen. Obschon sich der daselbst herrschende Zunft- und JnnungSzwang dagegen mächtig auftehnke. so verschaffte» dock die ausgezeichneten Zeugnisse seiner Befähigung bei der österreichischen Regierung, ihm— (dem ausländischen Indens — die Erlaubniß, in Krakau sein Gewerbe betreiben zu dürfen. In Folge dessen wurden ihm nicht nur von Privaten viele Bauten aufgelragen, sondern auch das kaiserl. österreichische Kriegsministerium übertrug ihm den Bau bedeutender Werke zur Befestigung Krakau s. Wiewohl es ibm demnach an einer entsprechenden Erwerbthätigkeiv nicht fehlte, wollte es ibm in Krakau demungeachler nicht gefallen; woran wohl ohne Zweifel sein beginnendes Leiden an einer Herzkrankheit.schuld fein mochte. Dieses Nebel hatte er sich in Folge vieler Mißhelligkeiien und Kränkungen von Seilen seiner Concurrenten in Krakau, die nichts uttvsrsucht ließen, ihm seinen dortigen Auftnkhalt zu verleiden/zugezogen. Er kehrte daher Anfang 1854 nach Berlin zurück, nachdem er zuvor eine ihm angerathene Cur in Nstron im Sommer d. I. 1858 gebraucht