Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 48 (1856) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
48 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4908862-5999341-6000774--0824-4909491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches BolkMatt Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem flekiete. sRo. 48. 1838-1 HerauSgegeben vou Rabbiner 0r. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. 7- Bon Mtftr 3«ü(iirift trfd-tint nM>tnt(t<b «int Ruvmtr. «kti« ttt# Jäbr< 1 Zblr. »itrieltidrig?>/, Rur. Mt fcuii'hanMunflin, yeRiatirr un» Itimnfltrfrtftticntn arbaitn PffttDntiutn an. Eduard.P!eßn und dieser kleine, in aller den die übriqe Well um Namen auszuweisen, die beit gebonen. ES ist dieS anerkennenSwerrber, als dern. ungeachtet sie allen er, Maurermeister. Zu allen Zeiten, ja selbst unter dem »nertraglichsten Drucke, welcher Jahrhunder bat eS unter ibnen Mänm und Wissen und des Rin ^en» nach Veredlung gegeben. Welt zerstreute! Stamm, auf Geringschätzungberabzublicken « lang auf den Juden gelastet, r von Auszeichnung im Talent aewobn» ist. hat im Gebie e der Kunst ustd Wissenschaft zst den Koryphäen der Mensch» — beiläufig gesagt — um so sie Juden in best meisten Lan» Bürgerpflichten genügen müs» len. durch Anstellung keiste Aufmunterung finden. Für sie blüht kein Amt, keine lharge. keine Professur, keine sine cur«- Pension rc. rc.. und eß gehört lzu den Selten» beiten, wenn von der rei-besetzten Tafel! der zahllosen StaatSamrer und Würden irgend einem Juden ein Titel» chen oder OrvcnSbändchen »IS Brosame zuftllt. Aber nicht nur zur Kunst und Wissenschaft stellt daS Judenjbum im Verhältnis zu den andern Kationen treulich fein Contingent, sondern auch zum Handwerk und zur Industrie. Freilich konnte dieS in früheren Zeiten, wo den Juden die Ausübung eineS jeden ^Handwerks streng verboten war, wo selbst in Preußen, hach dem Judenreglement von 1750 — dieser Rekapitulation aller in Deutschland gang und gebe gewesenen Bedrückungen — ihnhn, außer dem sehr beschränkten Handel,! kein andere- Hundwerk, alS: Petschafkstecherei und Stickerei, gestättrr war, nicht möglich sein. Allein seitdem diese Schranken vod dem erleucht, tern Zeitgeist geschwinden stnd, treten auch ümer den Juden Männn auf, ^i, auf dem Gebiete de- Hand» werkS Vortreffliches und (mfreulicheleisten. In den nachfolgenden Zeilen wollen wir ,S versuchen. da» Leben ei» neS Juden zu schildern, dkr alS Maurermeister sich auS» gezeichnet und der im hohin Grade eS verdient, auch au» ßerhalb deS Kreises seiner zahlreichen Frestnde und Verehrer . gekannt und feinen j Glaub,nSgenoff n als Muster aufgrstellt zu werden. ' ' Eg ist dieS da- Leben des am 28. April v. I. leider zu früh verstorbenen Maurermeister Eduard Pleßner. welcher sowohl wegen seiner Tüchtigkeit in setnem Fache, alS seiner seltenen Geistes» und HerzenSgaben, g^ch Verehrung», werth bleibt und durch dessen Tod dem^Iwentbum eine Zierde entrissen ist. Er verdient diese- Andenken in die» sen Blättern um so mehr, asS er unsere- Wissen-, der Zahl nach, der erste Maurermeister jüdischen Bekenntnissein! Preußen war; denn, wenn eauch, schon früher Lantech. ' ntker diese- Glaubenin Preußen gab. -nämlich die so geschätzten Bauriche Hitzig und SackS, so wären diese, - mehr Theoretiker, al- Praktiker. Vor Pleßner gab eS. soviel wir de-Halb nachgeforschk, keinen Maurermeister jv^ bischer Religion in Preußen. [ Eduard Pleßner wurde den 17. Mai 1811> zu Cosel a. S. geboren und war der Sobn sehr achtbarer Eltern. Cr besuchte die Gornisonschule seiner Vaterstadt biin - sein 12. Jahr. . Dann kam er auf da- Gvmnallrun nach Oppeln, wo er sich durch Fleiß und Lernbegittde au-- zeichnete. Au- Vorliebe für da- Baufach faßje er den > Entschluß, das Maurerbandwerk zu erlernen, unb da da- Edick vom 11. Mär; 1812 den Juden gleiche bürgerliche. Rechte mir den Christen eingeräumt battej so stapd in ge» setzlicher Beziehung diesem Beschlüsse nichtentgegen. Doch obschon die Besetze gegen die Juden ^humaner geworden wäre«, so war daduvch da» sp viele Jckhrhun. drrte, mittelst Ausschließung derselben, gehegte Äorurtbeil keine-wegüberwunden. Nicht so leicht fand sich! ein Mei»^ ster. der. gegen olle- Herkömmliche, einen Juden in die Lehre aufnebmen wollte. Aldieendlich a-ch vieler Müde gelang, zeigte sich bei den Gesellen und Handlangern. in deren Mine Pleßner arbeiten sollte, der Geist der Unduldsamkeit. Sie hörten nicht auf. ihn auf qste Weise 1 zu necken und zu kränken. Ihr Muthwflle artete oft in! Bosheit au-, der ibn zweimal in Leben-gefoh^ brachte; j indem sie ihm aus den Gerüsten Bretter unter djen Füßen, wegzogen. so daß er beide Male mir erheblicher Verletzung herunrerfiel. Aller dieser' Plackereien ungeachtet! b,harrte er bei seinem einmal gefaßten Entschluß, unv Nichtvermochte ihn darin schwankend zu machen. Nach 'und nach gewöhnten sich seine Widersacher und Plagegeistejr an seine Nähe. Ja, die Meisten gewannen den fleißigen und bescheidenen Jüngling lieb, und schützten ihn gegen den Murhwillen.yer Roher». Da er in de« Erholung-stuoden und Feierabenden steteinen griechischen- oder lateini». schen Autor zur Hand hatte, in dem er eifrig! laS. so nannten ibn seine Arbeitögenoffen stet« den Betbruder. Ungeacktet seiner angeborenen Schwächlichkeit arbeitete er stet» unverdrossen und fleißig, und man bewunderte die Beharrlichkeit, mit der e» ihm gelang, seinen Körper ob» zuhärien. Sv fleißig, er den Sommer über praktisch arbeitete, ebenso emsig benutzte ep die Wintermonate auf der könig» lichen Bauschule zu Oppeln, um sich theoretisch für sein- Fach au-zubilden. Bei feiner unermüdlichen Lernbegierde und seltenen Faffung»gabe konnte eihm nicht fehlen, 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.