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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 47 (1856) · p. Seite 186

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
47 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 Peter schaute feinm Freunde befremdet in'S Grficht. „Meinetwegen wohl," sprach er nach' eintgem Still, schweigen, „mir ist'S recht. Thu' was Du willst'; Dir werden wir gar nicht- LeideS thun; ich will Dir gar nicht zureden. Du bist denn doch auch ein Jud' .... Thu', was Du willst." Markus kamen diese Worte nicht gelegen, er suhlte sich durch dieselben beschämt und schwieg .... Dock er war nickt der Mann, der stch erdrückenden Gefühlen hingab und er sprach: „WaS ihr tdut, tbu' auch ich; ich Hab' immer bei euch gehalten, der. Bettel -Jtzig soll mich kennen lernen. Wann wird die Sitche abgemacht?" . „Je bälver, je besser!" erwiederte Peter, „diese Woche noch. Ick werde morgen selbst nach den Ortschaften fahren und mich mit den Leuten unterreden; ich brauch' dem reichen Löbl sein Gekv und die Andern werden auch waS brauchen können, und Du auch." Der Saus-Graf leerte sein Glas, erhob sich und sprach zu MarkuS: „Jetzt aber, Bruder, .heißl's schweigen:. wenn waS raus kommt, bist Du Schuld und Du mußt'S dann büßen." - , | Markus blieb die Antwort schuldig und begleitete Peter auS der Wirthsstube, und erst dort, wo sich ihre Wege trennten, schieden-Le von einander. Mendel war auf rem Tische^schon eingeschlafen,, da' sein Datei nach Hause kam. MarkuS rüttelte seinen Sobn auf. und als dieser' wieder bei Besinnung war, sagte er;u ihm: „Nur Gohutd, Mendel, sie werden bald anders pfeifen." — „Wer? " fragte der AffeS, den Sinn dieser Worte nicht verstehend. — „Geh jetzt schlafen," sprach MarkuS lächelnd, „Du wirst's schon erfahren." Sohn und Datei begaben sich zu Bette. MarkuS wiegte sich in goldenen Hoffnungen und ergötzte sein Herz an süßen Racheplänen. Gin Weiser sprach einst zu einem Könige: Der Häß wülhet am stärksten, der im Neide wurzelt. ... ^-> - . IV. Purim. Perer ließ es nicht bei seinen Plänen bewendet sein, er sckrin. wie er dem Markts gesagt, eitrigst zu deren Dollfübrung. Gr warb in den obkenannren Ortschaften ' Leute für seine Sacke und fand sie in Massen. Der künftige- Freilag — 5 Tage nach der Besprechung im Dirtbsbause — war dazu bestimmt, die Judengasse zu plündern. Zu plündern, denn sonst war'S doch eigentlich jenen Leuten um NichlS zu thun. Mitternacht wollten sich die Betheiligten zufammenfchaaren. um genteinschastlich ihren Zweck zu erreichen und;u diesem Behufe hatten sich auch an . diesem Abende die Meisten in den umliegenden WirthS- Häusern einzesunden, um beim Glase sich auf den zu er-' hoffenden Reichtbum zu freuen. Wie Mancher trank und trank, ebne einen Groschen zur Bezahlung in der Tasche zu haben. Dies .beschwerte aber das Gewissen dieser Manchen nicht im Geringsten. Morgen hatten sie ja Geld wie Hobelspätte, da konnten sie den Wirth schon schavloS halten. .' Ais ein talentvoller Anführer sah Peter >tzie Nothwendigkeit ein, die Häupter feiner Sache zu einer Besprechung zusammen zu berufen, um gewisse Bestimmungen über die Art deS Angriffe-, die Dertheilung der Leute u. s. w. zu treffen, und hiezu wurde die „Krone" gewählt. Peter hatte als. Präsident die erste Stimme und den Vorsitz inne. - So hatten sich denn jene Edeln irr der „Krone" versammelt und Markus war auch dabei. Sorgfältig verriegelte der Letzte die Thür, damit kein Unberufener das Werk störe. — Lange sprachen sie hin und her, eS ging nicht ohne Wortwechsel, ohne Schimpf und Drohung ab, und namentlich waren eS Peter'und MarkuS, die sich mit ihren Meinungen und Ansprüchen beständig und auf's Heftigste widerstritten. , „Ich sag' h»lt und so bleibt'S dabei!" schrie Peter, den Ort und den Zweck ihres Hierseins vergessend, beim Löbl wird ang'fangen, der ist mein, dann könnt ihr machet,, waS ihr wollt!" „Es ist gescheivler, beim Bettel-Jtzig anzufangen." meinte Markus, „da kenn' ich mich gut aus." „Ja, weil Du den haben willst," entgegnete der Saus-Graf, der schon einen nicht unbedeutenden Anflug von einem Branntweinrausch zur Schau trug, „daraus wird Nicht-, keim Löbl-wird angefangen. Wem'S nicht recht ist, der mag'S anders machen." ..Bist Du der Einzige, der waS zu reden hat?" sprach Markus gereizt zu Peter. s „Freilich," schrie Peter. „Ich bin'der Einzige, ich bin der Erste!" und dabei schlug er mit heftiger Gewalt 'auf seine Brust; „ich bin der Erste, ich bin der Peter und Du bist doch nur ein Jud!" MarkuS sah verlorenes Spiel. Anscheinend beleidigt, .nahm er seine Mütze und wollte sich entfernen. Peter bemerkte dies und stellte sich gleichgültig. Doch sprach er: „Du, Markus, geh' wohin Du willst, wenn Du aber ein Wort ired'st, so ist'S mit Dir g'scheh'n. Merk' Dir'S." „Zucrst'kommt's über Deinen Kops," erwiederte MarkuS mir einer höhnischen Miene. „Was?" schrie Peter mit wüthender Geberde, indem er auf Markus loSkprang und ihm mit dem Brotmesser einen Stich in die Schulter versetzte. „Da hast's!" schnaubte er um —.— Die Versammelten fuhren zusammen und ihre Gesichter erstarrten. — Die Thüre war unter Krachen eingestürzt und Tvni's Vater, der Amman, stand im Zimmer unv hinter ihm noch drei handfeste Knechte. .'Wer har euch gerufen?" schrie der betrunkene Saus- Graf dem Amman in's Gesicht, nachdem er sich von dem ersten Schrecken leidlich erholt hatte. „Mich?" fragte der.Amman. „Mich braucht man nicht zu rufen, ich komme von selbst." „So geht auch —-" . „Schweig'!" sprach Toni's Vater mit ernster Miene. „Geh' in'S Bett, verschlaf Deinen Rausch und morgen werden wir mit einander reden. Ich hätte Dich heute Nacht schon einsperren lassen, Dich und den JudaS da." — Bei diesen Worten zeigte der wackere Mann auf Markus, der halb ohnmächtig auf einem Stuhle saß und aus dessen Kleidern wärme Blutstropfen rieselten — „heute Nacht schon, aber 's ist mir leid um Dein hungriges Weib und um Deine armen Kinder. Wenn ich ihr Unglück verhüten

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