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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 47 (1856) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
47 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Belehrung und AnterhaNung aus jüdischem gebiete. HerruSgegebrn von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. sRo. 47. 188«. I «on dieser gnischrlf, erfcb«int wtckenUi» eine Kummer. 9rril de« Jahr gang* 4 Iblr.! SierteljSbrig 7*/, . --»*—• unf 3«itung#r;rr*itt*n»B ptdjenUt® rin* Kummer. Gr«» de« Jahr. M t Kgr. «De euibbanHuBgen, PoKürnrer •>. jfiDri. 4. WMfllL reuen nefcmeu keSevuvaeu an. I *• W*W*^**J Das Lunte Haus. Boa Dilhela Frei ia ffiten. iSortse» ug und Gchlntz.) „Wer ist Schuld dann?" fragte wiederum Markus. „Ich weiß nicht." ern lederte Mendel. „Wir und beim Ehometzfeuer gestanden utd da ist Markuerhob fich, nphm feine Mütze und schickte sich an, fort zu gehen. „Bleib' da, biich knnme, ich bin bald wieder da," sagte er zu seinem Sobne und entfernte sich. Und ater im erst«» Stocke bei der Thür zu de- Bettel-Ztzig'S Zimmer v<rüber ging, murmelte er vor fich hin: „Der Peffach soll dir bekommen!^- Der Peffach schien «Iber unserm tzriunde Ztzig denn doch zu bekommen, wenigstendie erste Heder- Nacht, denn in ungetrübter Fr ude saß seine Familie um den sam Dem Dortrage auS der Ha- -Jtzig damit zu Ende war. auch er in seiner Äugend mißhandelt wurde. Die Tisch und folgte aufmerk gadah. Und alS Bette mußte er auch feine eigehe Leidensgeschichte erzählen, wie hintangesetzt, verstoßen und oft Binder und namentlich Herschel wußten riese Geschichte auswendig, sie kannten die unbe» deukendste Einzelheit auS dem Zugendleben ihres VaterS, trotzdem aber lauschten sie immer mit neuer Aufmerksamkeit und eS genügte ihn^n, wenn eS sich der Erzähler nur angelegen sein ließ, ei^ bischen Schreck. Hunger und Thränen mehr hinzugeben; im Wesentlichen aber, d. h. in den Jahreszahlen, Normen u. s. w. mußte er getreu bleiben, sonst wäre eS vcin den Kindern I unverzüglich berichtigt worben, und diqe hätten könnest in die mißliche Lage verfallen, den Erzählungen minder stufrichtigen Glauben schenken zu dürfen. -L Wenn heute die jüngeren Kinder JtzigS eine Ausnahme machten, und an diesem Abende freiwillig nzjt halbge 'chloffenen Aug^n zu Bette gingen, während sie sich sooft nie so recht put leichtem Herzen dazu verstehen könnt m, so muH daS dem Weine zugerechnet werden, und .-erschel mochte prahlen, wie er wollte, man sah eS ihm deutlich an, daß er heute zwei volle Becher Weingetrunken. Während hier und i i den andern Familienkreisen der heilige Nationalfest mit inniger während dessen war MarkuS in ‘ Graf". an einem eicheaen Tische gegen» Judengaffe dieseewige Wethe begangen wurde, der Stube beim „Sauf Die Zwri saßen sich über und Peter batte ein, hölzerne Tabakspfeife im Munde, »uw, wenn anch nichit bläuliche dicht-graue und erstickende Wolken woraus er dann und und duftende, so doch blies. „Um'S ganze, um>S ganze Aug' itfk g'scheh'n!" schrie Peter, ein längere- Stillschweigen unterbrechend, indem er mit per geballten Faust auf den Tish schlug. „Um'S ganze-" „Schad' um Görg,^ sprach Marku- -mit.einer zwei» deutigen Mene. „Freilich!^ erwiederte der Saus-Graf. ..äber wart', Marku-, ste sollen ihm da- Aug' bezahlen. Pie Hauser muß ihnen der Görg bei der Nacht überm Kopf anrün» den, damit er besser sieht." „Eie können - ihm zehnfach mit Gtld aufwiegen, eS fehlt ihnen nicht daran." sprach MarkuS. „Damüssen sie auch, die verdammten —> —" tobte Peter mit wilder Rohheit. Die Faulpelze, dit Tagdiebe da oben" unv er zeigte auf da- V^richt-hap- -7- „die. haben gesagt: Euer 'Görg ist iw ganzen Ort all ein nichtsnutziger Kerl bekannt, wär' er nicht zum Feuer gegangen, so wär' ihm daS nicht paffirt. Wenn ihr klagen wollt, so geht zum KreiSgericht und bezahlt ist» Vorhinein di« Kosten. Und wie ich Hab' lärmen wollen über so ein'himmelschreiende- Unrecht, da hat mich der alte HchnapS» eimer, der GerichtSdiener. fast zur Thüre hinai^Sgeworfen. Aber-" und Peter that auS seinem Hal >glaeinen riesigen Zug, ..ich werve mir und der Görg chon selber da- Recht verschaffen, eS reut, mich, bajj ich » ch von den Federfüchsen da.oben Hab' anschreien lussen — alle müssen ste zum T — —-“ „Woher haben sie ihr Gclv?" fuhr der Sauer nach einer Weile, aber in einem gemäßigten, leisest Tone fort, „woher. alS von unS. UnS gehört e-, gestohlen haben st,'S, abgewuchert. Du wirst Wunder seh'n^ MarkuS. Wir haben unS schon lange mit einander verabredet,'*die Meisten von hier, di« vo» Blöding, die von Dernwalv, die ilon Reinau, daß sie vertrieben werden sollen. Schau', ich hän' Dir'- schon ftüher g'sagt, aher ich I hab' mich noch immer vor Dir g'fürchr und denkt, Tu bjst halt doch Einer von ihnen, jetzt aber weiß ich, daß six Dir auch nicht an'< Herz gewachsen sind." „Wie, an'S Herz gewachsen?" schrie MarkuS, sich ver» gissend. „Weißt denn nicht, daß ste mich heru»tergrbracht haben? Nächste Woche werden sie mir mein halbes Hauverkaufen, weil ich nicht zablen kann, und ich will wetten, daß eS der BettelZtzig um den halben Preickkriegt, aber — — Du Peter, ich halt mit euch."

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