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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 46 (1856) · p. Seite 182

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
46 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 um die Winzer. nie um die Knechte, Felder, nie um Roß und Wa;en mehr um, und ohne daß er es merkte, schwanden die stronenthaler immer mehr, so daß man der Geldtrvhe be nabe schon aus den nackten Boden gucken konnte. Dafhr s, ff aber der alt» Herr immer stärker und stärker uod enrarb sich in der ganzen Umgegend den Namen Sauf-Graf. Zuletzt triefe tx ti so weit, daß er jeden Wanderezu sich bringen und ihn zwingen ließ, soviel zu trinket, bis er ebenso berauscht war> wie er. Und wenn da m der freiwillig, oder unfreiwillig Berauschte seiner nicht mehr bewußt war, ließ er denselben durch seine Hunde vox drS Tdor hetzen, wo er dann von den Knech-. len in die erstebeste Kochlake geworfen wurde. Eine- Abendtrat eine sonderbare Gestalt in die Stube de- Saus-Grafen. Da- Männchen batte einen ungeheuer dicken Bauch und ganz dünne, dünne Fußbeine und ein^ fuchSrorher Bart hing biS zu den Knieen herab, Ein Paar grünlich-graue. Acuglein zwickeilen unaufhörlich in den liefen Höhlen und ein hämische- Lächeln umspielte beständig den beinahe viereckigen großen Mund. „Was willst, Krott*)?" fuhr der Graf den Ginge» trerenen an. „Trinken will ich mit Euch," antwortete da- Männchen in beherztem Tone. „Her da, zum Tisch!", schrie Dein Großvater so laut, baß der kleine-Gast mir dem ganzen Körper zu waikln begann. „Her da, sage ich," kreischte der Bauer noch ein Mal, „und baS nur schnell/' DaS Männchen war ja eigentlich zum Trinken gekommen, eließ sich 'S daher nicht drei Mal sagen, sondern setzte sich auf den einen Stuhl. Ter Stuhl war ’imvrtg und doch reichten die Füße des Männleinnicht biS zum Essricht. Der Knecht mußte noch ein GlaS.und erliche Flaschen vom Rothen bringen. „Wär'-ich nicht so guten HumorS," sprach der Sauf- . Graf lachend, „zum Kukuk, ich schämte mich, mit.Dir zu > Ninken. Du mußt doch tzar Nichtvertragen können, schätz' ich." '! „Wollen seh'n, wollen feh'n," erwiederte der Gast' lächelnd und mit den Aeuglein zwinkernd. Wollen seh'n. j Esetzte dagefüllte halbe Glaan den Mund, that einen Zug und verschwunden war der Wein. „Frisch ist er und Feuer hat er auchmeinte e-, eine Grimasse schneidend, „aber 'S wird, 'S muß gehn, biS ich den Rothen nur gewohnt Hinz ich bab' bijetzt immer Wasser getrunken." Det Sauf-Graf lächelte höhnisch und freute sich über den neuen Sieg schon im Borau-. Doch sein Spott ging bald in Staunen über, alder sonderliche Gast ein Glanach dem andern leerte, bikeine einzige Flasche mehr auf dem Tische stanv. „Komm' mit in den Keller!" sagte jetzt der Dauer schon etwas verdrießlich. Zch möchl' doch seh'n, ob Du mir'- denn wirklich.^uvvr ihust." Und sie gingen in den^Keüer. Kaum dort angelangt, legte sich der Zwerg an daerste Faß und sog an dem Spundloch etliche Minuten, *) Kröte. stand dann auf und wischte-sich mit den Enden seines Bartedie Lippen ab. l „So, jetzt war' baS^ Erste leer." sagte eS, tief Athem holend. ES wird immer besser werden." Die Umstehenden waren im Laufe der Erzählung im^ mer aufmerksamer geworden, unS alS Herschel sich einige Sekunden Zeit nehmen wollte, da- Feuer zu schüren, sprach Toni: , „Ei. laß daS Feuev, Feuer sein und erzähle weiter. Die Geschichte von dem! Sauf-Grafen ist gar zu hübsch." Görg' knirschte vor Wuth. „Der Sauf« Graf," fuhr Herschel in seiner Erzählung fort,.,.der Saus-Graf rüttelte an dem Fasse, und als er bemerkte, daß eS wirklich ganz leer war. blieb er vor Entsetzen steb'n und wagte nicht ein Wort zu sprechen. Der unbescheidene Gast legte sich an'S zweite, dritte, vierte und fünfte Faß und l-erte einenach dem andren mit derselben Gleichgültigkeit, alwenn er einen Finger- Hut voll Milch auSgesogen bätte. Und wie er an daS allerletzte Faß kam, schrie der Bauer verzweifelt und in einem flehentlichen Tone: „Laß mir doch di«-fds Faß! Wenn Du mir daS letzte noch aussaugst, so habe ich Nichtmehr und muß verdursten" „So?" sprach der Zwerg. „So behandelst Du Deine Gäste? daß Du ihnen einen Trunk Wein mißgönnst?! Dafür sollst Du. bestraft werden. Zch leere diese- Faß nicht, Du aber auch nicht; eS ist verzaubert." Und daS Männlein schlug mit seinen kleinen Händchen an den Spund und —- war verschwunden." Der Saus-Graf sah sich nach allen Seiten um. be- 'merkte aber keine Spur mehr von seinem Gaste und darüber war er recht herzlich froh, denn die tüchtigsten Fuhrknrchte, die sich doch aus einigen Gläsern „Rothen" Nichts machen, hatten ihm nicht so furchtbar zugesetzt." „Auf den Schreck und die auSgestandene Angst hin wollte er vor . dem Schlafengehen noch einen Trunk zu sich nehmen. Er machte sich daher an daS Faß. um eS tfm Männlein gleich zu thun. Trotz aller Kraftanstreygungen aber war es ihm nicht möglich, den Spund aus dem Loche zu bringen. Und als am andern Morgen die Knechte in den Keller kamen; fanden fi« ihren Hern neben dem verzauberten Fasse liegen/ regungslos, tobt — Dein Großvater war verdurstet." So tragisch auch da- Ende dieser Erzählung ist, so konnte sich doch keiner der Umstehenden des lauten Lachens enthalten und selbst Mendel verzog dos Gesicht und gab sich alle erdenkliche Mühe, seinen Freund durch ein unzeiliges Lächeln nicht aufzubringen. „DaS ist erlogen, vom Anfang bis zum End'," sagte Görg mit schlechtverhaltenem Ingrimm, und wollte sich entfernen. „Wart' noch," sprach Mendel leise zu ihm, „sonst glauben sie, wir ärgern unS.", ' Unterdeß war das Holz schon vollendouSgegangen und allmälig wurde auch der brennende Holzstoß niedriger. Die Knaben kehrten nun ihre Taschen um und schüttelten die Brosamen, welche fch den ganzen Winter hindurch in dem Verstecke gesamn elt hatten, in die Gluth, um den letzten. Rest vom Chometz zu vernichten.

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